Mariens Kammer
NARR [liegt und erzaehlt sich Maerchen an den Fingern]: Der hat die goldne Kron, der Herr Koenig … Morgen hol’ ich der Frau Koenigin ihr Kind … Blutwurst sagt: komm, Leber-wurst …
MARIE [blaettert in der Bibel]: “Und ist kein Betrug in seinem Munde erfunden”: … Herrgott, Herrgott! Sieh mich nicht an! - [Blaettert weiter:] “Aber die Pharisaeer brachten ein Weib zu ihm, im Ehebruch begriffen, und stelleten sie ins Mittel dar … Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht. Geh hin und suendige hinfort nicht mehr!” - [Schlaegt die Haende zusammen:] Hergott! Hergott! Ich kann nicht! - Herrgott, gib mir nur so viel, dass ich beten kann. - [Das Kind draengt sich an sie.] - Das Kind gibt mir einen Stich ins Herz. - [Zum Narrn:] Karl! Das bruest’ sich in der Sonne! - [Narr nimmt das Kind und wird still.] - Der Franz ist nit gekommen, gestern nit, heut nit. Es wird heiss hier! - [Sie macht das Fenster auf und liest wieder:] “Und trat hinten zu seinen Fuessen und weinete, und fing an, seine Fuesse zu netzen mit Traenen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und kuessete seine Fuesse und salbete sie mit Salbe …” [Schlaegt sich auf die Brust:] Alles tot! Heiland! Heiland! ich moechte dir die Fuesse salben! -