Lied an dem Treuen Hirte
Ich bin ein verirrt und verloren Schaf:
Suche, Herr, deinen Knecht.
Guter Hirte, willst du nicht
Deines Schäfleins dich erbarmen,
Und mich nach der Hirtenpflicht
Tragen heim auf deinen Armen?
Willst du mich nicht aus der Qual
Holen in den Freudensaal?
Schau wie ich verirret bin
Auf der Wüste dieser Erden:
Komm und bringe mich doch hin
Zu den Schafen deiner Heerden:
Führ mich zu den Lämmern ein,
Welche labt dein Gottesschein.
Mich verlangt, dich mit der Schaar
Die dich loben anzuschauen,
Die da weiden ohn Gefahr
Auf den selgen Himmelsauen;
Die nicht in der Furcht mehr stehn
Und nicht können irre gehn.
Denn ich bin hier sehr bedrängt,
Muss in steten Sorgen leben,
Weil die Feinde mich umschränkt,
Und mit List und Macht umgeben,
Dass ich armes Schäfelein
Keinen Blick kann sicher sein.
O Herr Jesu, lass mich nicht
In der Wölfe Rachen kommen;
Hilf mir nach der Hirten Pflicht,
Dass ich ihnen werd entnommen:
Hole mich, dein Schäfelein,
Zu den ewgen Hütten ein.
Johann Angelus. 1624-1677.