II
Herr Meister: Guten Tag!
Louis: Was sagen Sie, Herr Meister?
Herr Meister: Guten Tag!
Louis: Was ist das: »Guten Tag«? Ich verstehe Sie nicht, Herr Meister.
Herr Meister: Ich sage: Adieu, wenn ich von Ihnen (= Anna, Bella und Louis) gehe; und ich sage: Guten Tag, wenn ich zu Ihnen komme.
Louis: Nun verstehe ich. Sehen Sie, was ich hier habe!
Herr Meister: Ah! das ist ein feiner Chronometer!
Louis: Mein Onkel aus England sendet ihn[II-1] (= den Chronometer) mir zu meinem Geburtstage.
Anna: Wann ist Ihr Geburtstag, Louis?
Louis: Am vierten (= 4ten) Oktober.
Anna: Das ist an diesem Tage.
Herr Meister: Fräulein Anna, sagen Sie nicht: »Das ist an diesem Tage«; sagen Sie: »Das ist heute.« Mein Freund Louis, Ihr Geburtstag ist heute; ich bringe Ihnen meine beste Gratulation.
Anna: Ich gratuliere auch.
Bella: Und ich auch.
Herr Meister: Ich hoffe, dieser Tag wird noch oft kommen für Sie.
Louis: Ich danke.
Louis: Sind die englischen Chronometer besser, als die amerikanischen?
Herr Meister: Ja, die englischen sind die besten.
Louis: Ach, sehen Sie die Hände an diesem Chronometer!
Herr Meister: Die Hände? Hat der Chronometer Hände?
Louis: Ja, sehen Sie nicht hier? Die große Hand steht auf zwölf (= 12), die kleine (= nicht große) auch.
Herr Meister: Ah, ich verstehe Sie. Louis, der Chronometer hat keine Hände; der Mensch (= die Person) hat zwei Hände. Sehen Sie! Das sind meine zwei Hände. Der Chronometer hat keine Hände; der Chronometer hat zwei Zeiger; einen großen Zeiger und einen kleinen Zeiger. Hier! Der große Zeiger steht auf zwölf. Ist es nicht so, Anna?
Anna: Ja wohl, Herr Meister.
Herr Meister: Und der kleine Zeiger steht auch auf zwölf; es ist zwölf Uhr; es ist Mittag; das ist: Mitten am Tage. Ist der kleine Zeiger auf eins (= 1) und der große auf zwölf (= 12) dann ist es ein Uhr. Von zwölf bis eins ist eine Stunde. Von eins bis zwei ist eine Stunde, und von zwei bis drei ist auch eine Stunde. — Eine Stunde hat sechzig (= 60) Minuten. Fünfzehn (= 15) Minuten sind eine viertel (= ¼) Stunde; dreißig (= 30) Minuten sind eine halbe (= ½) Stunde; und fünfundvierzig (= 45) Minuten sind dreiviertel (= ¾) Stunden.
Herr Meister: Sehen Sie hier diesen kleinen Zeiger?
Anna: Ach, ja! Sieh hier, Bella; o, so klein!
Herr Meister: Er (= der kleine Zeiger) zeigt die Sekunden. Eine Minute hat sechzig (= 60) Sekunden. Die Sekunden! Louis, sehen Sie den Regenschauer, sehen Sie diese Wassertropfen fallen. Da ist ein Tropfen und da ist noch ein Tropfen, und noch einer. — Diese Wassertropfen sind klein, nicht wahr? Aber alle diese kleinen Tropfen machen den großen Ozean. Und so ist es mit den Sekunden! Sechzig Sekunden machen eine Minute, sechzig Minuten eine Stunde, vierundzwanzig (= 24) Stunden machen einen Tag, und drei hundert und fünf und sechzig (= 365) Tage sind ein Jahr. »Siebzig (= 70) Jahre hat der Mensch auf Erden,« sagt die Bibel. Siebzig Jahre! Das ist eine lange Zeit für viele Leute (= Personen); für viele Leute ist sie (= die Zeit) zu kurz (= nicht lang) all das Gute zu thun, das sie thun wollen. Viele Leute thun nichts Gutes, so lange sie leben (= sind).
Anna: Louis, wie viel Uhr haben Sie?
Louis: Ich habe zwanzig..... dreißig..... vierzig Minuten vor ein Uhr.
Herr Meister: Das ist zwanzig (= 20) Minuten nach zwölf (= 12), nicht wahr? Sagen Sie: Zwanzig Minuten nach zwölf; das ist besser.
Louis: Ich habe zwanzig Minuten nach zwölf; haben Sie auch so viel, Herr Meister?
Herr Meister: Nein, ich habe achtzehn (= 18) Minuten nach zwölf.
Louis: Herr Meister, Ihre Uhr ist nicht recht.
Herr Meister: So ist es; meine Uhr geht zwei Minuten zu langsam; sie (= die Uhr) geht oft zu langsam.
Louis: Wie viel Uhr haben Sie, Bella?
Bella: Ich habe achtundzwanzig (= 28) Minuten nach zwölf.
Louis: Ihre Uhr geht auch nicht recht.
Herr Meister: Bellas Uhr geht zu schnell.
Anna: Ha, ha, ha! Hier sind drei Uhren; und die eine geht nicht, wie die andere!
Anna: Ich habe eine Uhr in meinem Hause, die ruft (= sagt) alle Stunde: Kuckuck! Kuckuck!
Louis: O, Anna, eine Uhr ruft Kuckuck!
Anna: Sie wundern sich, Louis?
Louis: Ja, ich wundere mich.
Bella: Haben Sie noch keine Kuckucksuhr gesehen?
Louis: Nein, nie.
Anna: Sie können meine Uhr sehen.
Louis: Bringen Sie Ihre Kuckucksuhr mit hierher.
Anna: Das kann ich nicht, Louis.
Louis: Sie können nicht, Anna? Herr Meister bringt seine Uhr mit sich und Bella auch; sehen Sie hier? Ich habe meine Uhr auch bei mir.
Anna: Nein, Freund Louis, nein; ich kann meine Uhr nicht mit mir bringen; sie (= die Uhr) ist zu groß, so groß, wie dieses dicke Buch.
Louis: Die Uhr ist groß. Nein, Anna, die (= Uhr) können Sie nicht mitbringen.
Herr Meister: Louis, wo haben Sie Ihre Uhr? Ich sehe sie (= die Uhr) nicht.
Louis: Hier, hier.
Herr Meister: Hier? Ah, ich kann sie fühlen; sie ist in Ihrer Westentasche. Ihre Uhr ist eine Taschenuhr. Meine Uhr ist auch eine Taschenuhr und Bellas auch. Annas Uhr ist keine Taschenuhr. Fräulein Anna, hängt Ihre Kuckucksuhr in Ihrem Hause an der Wand?
Anna: Ja wohl, Herr Meister.
Herr Meister: Das ist eine Wanduhr.
Anna: Und an der Wand an der einen Seite (von) der Uhr hängt Bellas Photographie, und an der andern Seite hängt meine Photographie, nicht wahr, Bella?
Bella: Ja, so ist es.
Louis: Kommen die Kuckucksuhren auch aus England?
Herr Meister: Nein, sie (= die Kuckucksuhren) kommen aus dem Schwarzwalde in Deutschland.
Louis: Schwarzwald? Ist das eine große Stadt?
Bella: O Louis! Studieren Sie in der Schule nicht Geographie von Europa? Der Schwarzwald ist keine Stadt; der Schwarzwald ist im Westen Deutschlands. Ist es nicht so, Herr Meister?
Herr Meister: So ist es, mein Fräulein.
Louis: Sie sagen, Fräulein Bella: Der Schwarzwald ist keine Stadt; der Schwarzwald ist im Westen Deutschlands. Was ist nun der Schwarzwald?
Bella: Ich kann Ihnen nicht mehr sagen im Deutschen. Ich kann nicht viel deutsch sprechen. Herr Meister, helfen Sie mir; bitte, bitte.
Herr Meister: Das will ich thun, mein Fräulein. Louis, Sie wissen, the White Mountains sind in den New–England–Staaten.
Louis: Bei Boston?
Herr Meister: O nein, nicht so nahe bei Boston. Die Apenninen sind Berge in Italien, und die Alpen sind Berge in der Schweiz und in Tirol.
Louis: O, alles das weiß ich.
Herr Meister: Gut. Schwarzwald ist der Name für Berge im Westen Deutschlands.
Bella: Ist der Schwarzwald nicht nahe beim Rhein?
Herr Meister: Ja wohl, mein Fräulein. Der Schwarzwald ist nahe bei dem Rhein.
Louis: Rhein? Mein Vater spricht (ich spreche—er spricht) oft vom Rhein. Er hat ihn (= den Rhein) diesen Sommer gesehen. Mein Vater sagt: der deutsche Rhein ist wunderschön. An beiden (= zwei) Seiten sind Berge, und auf den Bergen sind Ruinen. Unser Hudson ist schön, aber der Rhein ist schöner. Meine Mutter spricht nicht so. Sie (= die Mutter) sagt: »Unser Hudson von New York bis Albany ist so schön, wie der Rhein.« Was meinen (= denken) Sie, Herr Meister?
Herr Meister: Ich sah (ich sehe—ich sah—ich habe gesehen) den Hudson im Sonnenschein des Tages, und ich sah ihn (= den Hudson) in einer wundervollen Nacht im Sommer. Der Mond stand am Himmel so mild und Millionen und Millionen Sterne waren über mir so klar. O welche Scene!
Louis: Aber der Hudson hat keine Ruinen!
Bella: Nein, er hat keine Ruinen; aber er hat grüne Berge an beiden Seiten, wie der Rhein; und anstatt der Ruinen hat unser Hudson neue Paläste. Unser Hudson ist schön.
Herr Meister: Sie haben Patriotismus, mein Fräulein; das ist recht!
Herr Meister: Wir haben in Amerika auch einen Schwarzwald.
Anna: Einen Schwarzwald in Amerika?
Herr Meister: Ja, ja, Fräulein Anna; die Black Hills.
Alle: O, ja, ja.
Louis: Da ist viel Gold. Findet man auch Gold im deutschen Schwarzwald?
Herr Meister: Ich sage nein und ja. Ich sage nein, denn der deutsche Schwarzwald hat keine Goldminen; und ich sage ja, denn die Leute gewinnen im Schwarzwalde Gold mit ihren Uhren. Zweimal hundert tausend Uhren, Taschenuhren und Wanduhren, kommen alle Jahre aus dem Schwarzwalde in die Länder Amerikas und Europas, nach Asien und Afrika und auch nach Australien. So finden die Leute im Schwarzwalde Gold.
Louis: Macht man im Schwarzwalde auch viele Taschenuhren?
Herr Meister: Ja, aber mehr Taschenuhren macht man in den Alpen; ich will sagen: in der Schweiz. Alpen — das sind die Berge. Schweiz — das ist das Land in dem die Alpen sind. Wollen Sie hören, wer die erste Taschenuhr in der Schweiz gemacht?
Louis: O, ja, Herr Meister.
Bella und Anna: Bitte, bitte.
Herr Meister: Im Jahre 1679 kam ein Mann aus Nürnberg in die Schweiz. Er hatte eine Taschenuhr. Die Schweizer (= die Leute in der Schweiz) hatten nie eine Taschenuhr gesehen. Sie sahen (ich sehe—ich sah—ich habe gesehen) die kleine Uhr des Mannes und sagten: »Das ist ein Wunderwerk.« Richard, ein junger Mann, sah diese kleine Uhr auch, und er bewunderte sie. Er hatte sie (= die kleine Uhr) wenige Minuten gesehen, dann sagte er zu seinem Freunde: Ich muß ein solches Wunderwerk haben! — und in einem halben Jahre hatte er eines (= ein Wunderwerk). Er selbst hatte eine Taschenuhr gemacht, — Richard war der erste Uhrmacher in der Schweiz.
Anna: Richard war der erste Uhrmacher in der Schweiz! Waren schon Taschenuhren vor Richard?
Herr Meister: O ja, lange zuvor. Wissen Sie, wer die erste Taschenuhr gemacht hat?
Anna: Nein, ich weiß es nicht.
Herr Meister: Peter Hele[II-2] in Nürnberg.
Louis: Waren die ersten Taschenuhren so wie unsere Uhren heute?
Herr Meister: Nein, nicht so fein und nicht so klein. Die ersten Uhren waren oval, wie das Ei von der Henne und hatten den Namen »Nürnberger Eier.«
Louis: Herr Meister, sprechen Sie noch mehr von der Uhr, bitte!
Herr Meister: Ich kann heute nicht, Louis. Es ist ein Uhr. Ich muß gehen. Morgen sehe ich Sie alle wieder, und dann sprechen wir von..... nun, wir wollen sehen (ich will—wir wollen). Auf Wiedersehen!