Better Gutenberg
Free, beautifully formatted public-domain ebooks
‹Better GutenbergErotika BiblionDie Anoscopie · 10 of 12Contents›

Erotika Biblion

by Mirabeau

10 of 12 · Contents · Download EPUB

Die Anoscopie

Bekanntlich haben in allen Jahrhunderten die Gaukler, Charlatane, Wahrsager, Politiker oder Philosophen (denn alle Sorten sind darunter vertreten) mehr oder minder Einfluß ausgeübt. Die unaufhörlich zwischen Furcht und Verlangen hin-und her geworfene Menschennatur bietet so viele Fallen für den Gebrauch derer, die ihr Ansehen oder ihr Glück auf der Leichtgläubigkeit von ihresgleichen aufbauen, daß es stets für sie im uferlosen Ozeane der menschlichen Narrheiten einige glückliche Entdeckungen zu machen gegeben hat. Und wenn man es dabei bewenden lassen wollte, die alten Zaubereien, die verjährten Torheiten in ein neues Gewand zu kleiden — dieser Köder steht so herrlich in Einklang mit der unwissenden und dummen Habgier des Volkes, für das er besonders bestimmt ist, da seine Wirkung unfehlbar ist —, könnten einige Nichtswisser und Halunken die Ausüber einer Kunst sein, durch die die Menschen so leicht zu betrügen sind. Philosophie und eine etwas mehr gepflegte Experimentalphysik reißen zweifelsohne eine große Anzahl aus ihrem Irrtum, doch stets wird nur ein kleiner Teil sein, wer sie oder den Fortschritt der Kenntnisse vom Menschen durchdringen kann.

Das Wort Wahrsager findet man sehr häufig in der Bibel, was die alte Bemerkung rechtfertigt, daß es unter den heiligen Schriftstellern wenige oder keine Philosophen gegeben hat. Moses verbietet es strengstens, die Wahrsager zu befragen. „Wer“, sagt er, „sich nach den Wahrsagern und Zauberern umsehen wird, indem er Unzucht mit ihnen treibt, dem werde ich meinen Kopf gegen seinen stoßen!“ Es gibt mehrere Arten von Zauberern, die in der Bibel angezeigt sind.

Chaurnien heißt im Hebräischen so viel wie die Weisen. Dieser Ausdruck aber war sehr doppelsinnig und ließ verschiedene Bedeutungen von wahrer Klugheit, falscher, böser, gefährlicher, verstellter Klugheit zu. So gab es zu allen Zeiten Menschen, die weltklug und geschickt genug waren, um sich Anzeichen von Weisheit zu ihrem Nutzen, zum Durchsetzen ihrer Leidenschaften zu geben, um Studium, Wissenschaft und Talent die einzige Anwendung zu nehmen, die sie ehrt, will sagen zur Erforschung und Fortpflanzung der Wahrheit.

Die Mescuphinen waren die, welche in geschriebenen Dingen die verborgensten Geheimnisse errieten; Horoskopsteller, Traumdeuter, Wahrsager gingen ebenso zu Werke.

Die Carthuminen waren die Zauberer; durch ihre Kunst blendeten sie die Augen und riefen scheinbar phantastische oder wirkliche Veränderungen bei den Gegenständen oder in den Sinnen hervor.

Die Asaphinen benutzten Kräuter, besondere Apothekerwaren und Opferblut für ihre abergläubischen Handlungen.

Die Casdinen lasen die Zukunft aus den Gestirnen; sie waren die Astrologen jener Zeiten.

Diese ehrenwerten Leute, die sicherlich unsere Comus nicht aufwogen, waren in sehr großer Anzahl vorhanden. Sie hatten an den Höfen der größten Könige der Welt einen ungeheuren Einfluß. Denn der Aberglaube, der den Despotismus so gut bediente, hat sich immer seinen Gesetzen unterworfen, und am Busen dieses schrecklichen Bundes, der alle Leiden der Menschheit mit sich brachte, hat der Triumph des Aberglaubens stets geblüht. Die Diener der Religion waren zu geschickt, als daß sie den geringsten Teil ihrer Macht aus den Händen gegeben hätten: mit Sorgfalt wachten sie über alles, was Bezug auf das Wahrsagen hatte, sie gaben sich in jeder Beziehung für die Vertrauten der Götter aus und umgürteten sich leicht das Stirnband der Meinung der Menschen, die nichts wissen, ja nichts von der Weisheit ahnen, die beinahe das letzte ist, worauf des Menschen Eifer sich stürzt.

Von allen Völkern, die sich unter das Joch des Aberglaubens erniedrigt haben, ist keines ihm mehr zugetan gewesen als das der Juden. In ihrer Geschichte würde man eine unendliche Fülle von Einzelheiten über ihre närrischen und frevelhaften Verfahren zusammenstellen können. Die Gnade, die Gott ihnen erwies, indem er ihnen Propheten sandte, um sie seinen Willen zu lehren, wurde für diese plumpen und neugierigen Menschen eine Falle, der sie nimmer entgingen. Das Ansehen der Propheten, ihre Wunder, der freie Zutritt, den sie bei den Königen hatten, ihr Einfluß auf öffentliche Entscheidungen und Angelegenheiten stellten sie dermaßen hoch in der Menge, daß die Begier, teilzuhaben an diesen Auszeichnungen, indem man sich die Gabe der Weissagung anmaßte, zu einer so verheerenden Leidenschaft sich auswuchs, daß, wenn man von Ägypten gesagt hat, dort sei alles Gott, es eine Zeit gab, wo man von Palästina sagen konnte, alles dort sei Prophet gewesen. Zweifelsohne gab es mehr falsche als wahre; man weiß sogar mit aller Bestimmtheit, daß die Juden besondere Zauber und Zaubertränke hatten, um die Prophetengabe einzuflößen, zu denen sie menschliches Sperma, Menstrualblut und eine wahre Musterkarte anderer ebenso nutzlos wie ekelhaft zu verschlingender Dinge benutzten. Wunder aber sind in den Augen des Volkes eine so leicht zu handhabende Sache, und die fromme Dunkelheit der Reden, der apokalyptische Ton, der schwärmerische Akzent wirken so mächtig, daß die Erfolge der wahren und falschen Propheten, die ihre Zuflucht zu den Künsten und okkulten Wissenschaften nahmen, sich die Wage hielten. Aus allem schöpften sie Hilfsquellen, und es gelang ihnen, Altar gegen Altar zu errichten.

Moses selber sagt uns im Exodus, daß Pharaos Zauberer wahre oder falsche Wunder bewirkt hätten, daß aber er, der Abgesandte des lebenden Gottes und von dessen Allmacht unterstützt, ihrer sehr viel wirksamere ins Werk gesetzt hätte, die Ägypten schwer zu Boden gedrückt haben, weil das Herz seines Königs verhärtet war. Wir müssen sie fromm glauben und uns vor allem beglückwünschen, nicht Zuschauer dabei gewesen zu sein. Heute, wo die Illusion derer, die da Taschenspielerkünste machen, alles, was die Mechanik vorweist und was sehr geeignet ist, zu überraschen und irrezuführen, die erstaunlichen Geheimnisse der Chemie, die zahllosen Wunder, die das Studium der Natur und die schönen Versuche bewirkt haben, die tagtäglich einen kleinen Teil des Schleiers lüften, der ihre geheimsten Handlungen bedeckt, heute sage ich, wo wir von all dem bis zu einem bestimmten Grade unterrichtet sind, stünde es zu befürchten, daß unser Herz sich verhärtete wie das des Pharao; denn wir kennen unendlich viel weniger den Dämon als die Geheimnisse der Physik, und wie man bemerkt hat, scheint es, daß dank dem Geschmack an der Philosophie, der uns nach und nach die selbst bisher unübersteigbarsten Schranken berennen und überwinden ließ, das Reich des Dämons alle Tage mehr zusammensinkt.

Vielleicht würde die möglichst detaillierte Geschichte der Seher, Ränkeschmiede, Propheten und ihrer Aufführung und Wahrsagereien jeder Art, beschrieben oder durch das strenge und scharfsichtige Auge eines Philosophen enthüllt, ein sehr seltsames Buch ergeben. Doch unter allen denen, die er den geöffneten Augen der Nationen vorführen könnte, würde es keine wunderlichere als die geben, die vor einer traurigen Katastrophe eine Gesellschaft bewahrte, welche ihres Eifers für die Verbreitung des Glaubens wegen berühmt ist und die, zu überzeugt, daß dieser Glaube genüge, um das Dunkel der Zukunft zu durchdringen, mit einem sehr unklugen Leichtsinn in eine Verpflichtung einging, die sie ohne die unvermutete Hilfe eines sehr seltsamen Horoskopes nicht würde erfüllt haben können.

Eine nach China gesandte Jesuitenschar predigte dort die wahre Religion, als eine furchtbare Dürre das Kaiserreich in ein ungeheures Grab verwandeln zu wollen schien. Die Chinesen sollten umkommen; und mit ihnen die Jesuiten, die vergebens von dem Despoten angerufen wurden, hätten sie nicht ein Wunder, das sie mit erstaunlichem Scharfsinn voraussagten und das die Gesellschaft Jesu in diesen trostlosen Gefilden für immer berühmt gemacht hat, bewirkt. Ein moderner Dichter hat diese Anekdote in einer reizvolleren Weise, als wir es tun könnten, erzählt, und wir beschränken uns darauf, seine Verse abzudrucken, ohne seine Ungebundenheiten zu billigen:

Des großen Loyola kühne Sprossen,
Die euch zerschmettert hat Port Royal,
Euch, die mit Krieg umlauert’ unverdrossen,
Auf Nicolaus sich stützend, einst Pascal;
Ihr, die ihr Romas Waffen für euch nützend,
In Arnauld grifft die Augustiner an,
Und die Gemeinheit eurer Plane stützend,
Auf ihn herabzogt schweren Kirchenbann,
Die an Quesnel ihr, Bérules würdigem Sohn,
Euch oft mit Peitschenhieben bitter rächtet;
Aus seinen Büchern lesend voller Hohn
Gefühle, die Molina einst geächtet,
Habt ihr Clemens den elften aufgebracht,
Daß er den Brand warf auf sein mächtiges Buch.
Ihr, die ihr euch nach China aufgemacht
Um Christi Glauben — heilig der Versuch —
An des Confucius Stelle dort zu setzen,
Dem in Pagoden man mit listigem Wort
Zweideutig dient, so wie es Priester schätzen.
Verderber der Moral ihr fort und fort,
Die ihr erweitert stets des Heiles Pfade
Und die ihr, leitend auf dem Blumensteg
Die Büßer, die euch schickt des Himmels Gnade,
Unkraut sät aus auf Gottes Feld und Weg.
Ihr, des Jahrhunderts listige Schmeichlerschar,
Des Lugs und Trugs elende Künstler ihr,
Maskiert seid ihr, dennoch der Maske bar
Für jeden, doch willkommen dort und hier,
(Kein Ort ist auf der ganzen Erdenrunde
Wo ihr nicht eure dunkle Rolle spielt).
Gebt von den Mitteln uns doch, bitte, Kunde,
Durch die des Trugs Kunst ihr so gut erzielt
Beim Christenvolke wie bei allen Heiden!
Wenn eurem Märtyrerbuche glaubt mein Mut,
In dem die Lüge prunkt mit euren Leiden,
Dann rötet Indien sich von eurem Blut.
Orakelt da auf einem Dreifuß kühn,
Und der auf Wunder gierige Heide sieht
Sie nach dem Willen seiner Wünsche blühn.
Der hagre Tod, bleifarben ist er, zieht
Die Hand von seiner Beute, wenn ihr’s wollt.
Durch euch das Blut, das er gerinnen läßt,
In allen Adern neubelebend rollt.
Auf den Befehl von einem Knirpse preßt
Der Wolken Blau zu Regen sich zusammen.
Ihr macht des Windes Brausewut zu nichte.
Ein Wort von euch, der Blitz hört auf zu flammen.
Und darauf schrieb ich nieder die Geschichte,
Ihr Ehrenwerten, die ihr hören sollt:
Nach Lima, in Golconda, wo die Erde
Den reichen Stein in Flusses Sande rollt,
(Man schleift ihn, daß zurückgestrahlet werde
Das Licht vielhundertfach) kam eine Schar
Ignatiusschüler, pflanzte Christi Wort
In der Indianer Seele wunderbar.
Die Söhne nun an Indiens Uferbord
Katechisierten wahrlich sie sehr fein.
Die Franziskaner, die mit ihnen kamen,
Weihten die Weiber in die Lehre ein;
Herrlich ging auf des Christenglaubens Samen
Dank dieser Teilung, so daß unser Gott
Die neue Erbschaft trat mit Prächten an.
Die Macht wuchs ständig, und es ward ein Spott
Der Dämon, jener feiste Broncemann,
Den Bonzentorheit dort anbeten ließ,
Durch des Franziskus und Ignatius Sprossen;
Und seine Rechte schwanden überdies.
Die neuen Pflanzen aber dort genossen
Gar vieler Gottesgnaden Honigseim.
(Doch der sichtbaren Gnade süße Last
Nur spärlich troff, war zäh wie Vogelleim,
Der kleine Sänger fesselt an den Ast.)
Dank mancher schönen Worte, guter Streiche,
Hielt man für Heilige sie, und sie verehrt
Das Volk, das sie bekehrt in jenem Reiche.
Golcondens Herrscher wurde das gelehrt.
Erzheide war der, der von seinem Teufel
So gut bedient war, daß er immer den
Unreinen Geist anbetet sonder Zweifel.
Die neu’n Apostel wollte er nun sehn,
Die seines Teufels Nebenbuhler waren.
Er glaubte, daß sie ihm Orakel sagen,
Ihm wie Herodes Wunder offenbaren.
Das Kreuz vor ihn die weisen Patres tragen
Und kündigen von dem, der für uns starb,
Und lästern schnöde Satans Götzenbild.
Des Königs Laune aber das verdarb,
Und ihre Reden machten bald ihn wild.
„Ihr Herrn,“ sprach er, „wenn man so lacht der Götter
Und einen neuen Götzendienst preist an,
Stützen sich auf Beweise wohl die Spötter. —
Sechs Monde schon mein armes Land gewann
Kein Tröpfchen Regen. Ich verlange nun
Von euch, daß Euer Götze regnen läßt,
Und sollt’ er’s nach drei Tagen Frist nicht tun,
So nehm’ ich Euch als böse Lügner fest,
Bedenkt das!“ Unsre Kuttenträger schrien
Vergebens, daß das Gott versuchen hieße;
Den König überzeugte nicht ihr Mühn.
„An solchem Zeichen sich erkennen ließe,“
So er, „ob Euer Gott der Herr der Welt ist!“
Die Mönche mußten es ihm denn zusagen.
Wie’s um das Barometer wohl bestellt ist,
Sehn täglich nun voll Eifers nach die Zagen;
Das zeigte stets nur schönes Wetter an.
Sein Bündel schnürte eiligst jeder Pater.
Märtyrer werden? Nein, das will kein Mann.
Den sie als Pfand gelassen nun, der Frater
Der gar für sie die Kosten sollte zahlen,
Er fragte sie, weshalb sie so verführen?
„Weh,“ schrien sie, „der Fürst droht uns mit Qualen,
Ein Eisenband soll unsern Kragen zieren!“
„Bei Loyola, ist das alles?“ schrie
Verdrossen der, und schlug in seine Hände,
„Geht hin und sprecht: „Es regnet morgen früh,
Es wäre sonst mit mein’m Latein zu Ende!“
Nicht Lüge war des neu’n Elias Wort.
Es türmten Wolken sich vom Meer her auf,
Fruchtbarer Regen fiel am Morgen dort,
In neuem Grün entstand das Land darauf.
Die von Golconda schrien Wunder und
Priesen den Pater unter Händefalten.
Zu frohen Mönchen sprach des’ leiser Mund,
„Confratres, liebe, wenn ich Wort gehalten,
So dankt Ihr’s einem Liebesleiden, das
Für Euch der Himmel mir ausdrücklich schickte;
Das stets, eh’ auftat sich das Regenfaß
Des Himmels, mich ganz gottserbärmlich zwickte.
Bleibt’s aber trocken, lindert sich der Schmerz
Und hört fast auf!“ Doch das Golcondens Herrn
Anzuvertrauen, hat man nicht das Herz.
So glaubte man im Lande gut und gern,
Daß dieses Wunder ihrer Heiligkeit,
Nicht aber Frucht war einer bösen Pest;
Mit der der alte Schlaukopf seiner Zeit
Vergiftet sich. — Da Böses also läßt
Gutes entstehen, ist dieses Leiden worden
Ein Dauergeschenk dem Jesuitenorden.

Allen Spaß beiseite, — man sieht, welchen Nutzen dieses seltsame Barometer sowohl China wie den Missionaren brachte, die sich dadurch zu ihrer berühmten Klage über die Lavements veranlaßt sahen. Die Chinesen kennen diese Art Einspritzung, die man durch den After in die Gedärme macht, erst seit dem Auftauchen der Jesuiten in ihrem Kaiserreiche, drum nennen es die Völker dort, wenn sie sich seiner bedienen, das Heilmittel der Barbaren.

Als die Jesuiten sahen, daß das unedle Wort Lavement das Klistier abgelöst hatte, gewannen sie den Abt von Saint Cyran und setzten ihren Einfluß auf Ludwig XIV. daran, um durchzusetzen, daß das Wort Lavement auf die Liste der unanständigen Ausdrücke gesetzt würde, so daß der Abt von Saint Cyran sie beim Pater Gargasse tadelte, den man die Helena des Kriegs zwischen Jesuiten und Jansenisten nannte. „Ich aber“, sagte der Pater Gargasse, „verstehe unter Lavement nur Gurgeln: die Apotheker sind’s, die dem Worte die unschickliche Bedeutung gegeben haben!“ Man ersetzte also das Wort Lavement durch Heilmittel. Da Heilmittel zweideutig ist, erschien es als anständiger; und das ist so ganz unsere Schicklichkeitsart105. Ludwig XIV. gewährte dem Pater le Tellier diese Gnade. Der Fürst forderte keine Lavements mehr, er forderte sein Heilmittel. Und die Akademie bekam den Auftrag, dies Wort mit seiner neuen Bedeutung in ihr Wörterbuch zu setzen... Ein würdiger Gegenstand für eine Hofkabale!

Allem Anscheine nach wurde die schimpfliche, Harnröhrenentzündung genannte, Krankheit das Jesuitenbarometer im Vaterlande des Confucius. Wie es heißt, war diese Krankheit, die sich im Jesuitenorden von Pater auf Pater fortpflanzte, nichts anderes als das, von dem die Schrift sagt: und der Herr schlug die aus der Stadt und vom Lande in den After106. Zur Heilung dieser Krankheit haben die Jesuiten eine Messe in einem zu Ehren des heiligen Hiob gedruckten Meßbuche. Nichts gibt es, was mit ihrer Moral nicht in Einklang zu bringen wäre; denn es ist gewiß, daß ihre Kasuistiker den Mut aufbringen, der Gefahr der Harnröhrenentzündung zu trotzen, geschweige denn sich ihr auszusetzen, wenn sie des Glaubens sind, daß das Werk Gottes dabei beteiligt sein könnte. Man liest in der Sammlung des Jesuitenpaters Anufin ein merkwürdiges Geschehnis, das einem ihrer Novizen sich ereignete, der sich mit einem jungen Manne erlustierte und inmitten seiner lebhaften Unterhaltung von einem Confrater überrascht wurde. Dieser hatte die Klugheit besessen, durchs Schlüsselloch zu beobachten und sich still zu verhalten. Als aber die Geschichte zu Ende und der Novize fortgegangen war, sagte er zu seinem Kameraden: „Unglücklicher, was hast du eben gemacht? Ich habe alles gesehen; du verdientest, daß ich dich anzeigte; noch ganz entflammt bist du von der Üppigkeit... du kannst dein Vergehen nicht ableugnen!“ — „Ach, mein lieber Freund,“ antwortete der Schuldige mit einem festen und heftigen Tone, „wißt Ihr denn nicht, daß der ein Jude ist? Ich will ihn bekehren oder er soll Jesu Christi Feind bleiben. Habe ich nicht, wenn ich dieses oder jenes annehme, alle Ursache ihn zu verführen, entweder um ihn zu retten oder um ihn noch schuldbeladener zu machen?“ Bei diesen Worten wirft sich der Novize, der ihn beobachtet hatte, überzeugt, besiegt, von Bewunderung durchdrungen, vor ihm nieder, küßt seinem Confrater die Füße und macht seinen Bericht. Und der handelnde Novize wurde unter die in den Werken des Allmächtigen Wirkenden einregistriert.

← Back to Erotika Biblion

Scroll to Top