E.
Ebbe, die, das Zurückfließen des Wassers nach einer Flut und der Stand des niedrigsten Zurückgeflossenseins. Man hat das Wort mit ebnen zusammen bringen wollen, so daß Ebbe die ausgleichende, ebnende Meeresbewegung darstellte, durch die nach den Anschwellen der Flut der Meeresspiegel wieder gleich und glatt gemacht würde. Aber das tut die Ebbe gar nicht, sie macht das Meer weder eben noch gleich, bringt es nicht auf den mittleren Wasserstand, sondern unter denselben hinunter, macht also den Wasserstand immer aufs Neue wieder ebensogut wie die Flut ungleich. Auch hat es nichts mit dem in „Abend‟ steckenden Begriff des Abnehmens, des Sinkens zu tun, vielmehr kommt für die Erklärung das gothische ibuks, sich rückwärts bewegend, in Betracht, und das althochdeutsche ippihhon, zurückrollen, und abuh, abgewendet, umgewendet, verkehrt; mittelhochdeutsch ebech, ebich, ebch = umgedreht; noch heute in oberdeutschen Mundarten im Gebrauch, wo gesagt wird: „Du hast deinen Strumpf auf die ebche Seite angezogen‟, „der Baum steht auf der ebchen (der Sonne abgekehrten) Seite des Berges‟; auch eber, aber, appa, Stelle am Ufer wo das Wasser still steht (Ulm), und für das Schmelzen des Schnees gebraucht („es ist so schön appa, sand d’ Alma so grün‟, schwäbisch, „der Schnee ist weg (und deswegen) sind die Hochweiden so grün‟). Ebbe ist also das sich rückwärts bewegende, zurückfließende, zurückkehrende Wasser im Sinne des lateinischen recessus. Altfriesisch ebba: „dy Frisa thoer oen neen heerferd fora fara dan mitta ebba ut ende mit da floed op.‟ Angelsächsisch ebba, englisch ebb, hier besonders oft im übertragenen Sinne gebraucht, „I felt them slowly ebbing, name and fame‟, Tennyson; auch als Adjectivum: „The water there is very low and ebb‟, Holland. Mittelniederdeutsch schon ebbe, niederländisch eb, dänisch ebbe, schwedisch ebb, französisch (1702) ebe, il y a ebe. — Eine Ebbe und eine Flut zusammen heißt eine Tide, (nicht englisch, sondern deutsch auszusprechen).
Eiland, das, im Munde des niederdeutschen Matrosen gebräuchliches Wort für Insel. Man hat es mit Einland erklären wollen, allein für sich im Meer liegendes Land, ähnlich wie Einsiedler gebildet. Bedenkt man aber, daß in der Edda ey für sich allein schon Insel bedeutet; norwegisch oy, schwedisch ö, dänisch oe, mittelhochdeutsch owe, awe, ouwe, ouge, auwe, ouw, auw, althochdeutsch awa, auwa, ouwa, owa; mittelniederländisch ooghe, oghe, aeghe, auge; friesisch oge, oog; (neuhochdeutsch Aue, grünes, wasserreiches Land; daher Aurich, Owen in Württemberg, die „goldene Aue‟ und viele Zusammensetzungen mit au), und daß alle diese Formen sich dem gothischen ahva = Wasser, lateinisch aqua, ungezwungen zugesellen lassen, so kann kein Zweifel sein, daß Eiland nichts weiter als Wasserland, Land im Wasser bedeutet. Die Wurzel ist ak, sich bewegen, eilen, rennen (daher auch equus, das Pferd) rinnen; erhalten in vielen deutschen Ortsnamen, die am Wasser liegen: Kreuznach, Teinach, Neckarsteinach, (dann in vielen Flußnamen in denen das k zu einem h verflüchtig und dieses demnächst ganz ausgefallen ist: Ahe und A, auch Ehe, wohern Emden = Ehemünden). Bei der Neigung, aus a ein o zu machen (Wald, wold, Karl, Korl) mußte ach im Niederdeutschen, besonders im Friesischen zu og, oog, ooge werden; Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Schirmonnikoog, Middoge, Nordernye(oog); (die Erklärung: Auge ist schön gedacht aber nicht sprachlich begründet). Wir haben in dem ei von Eiland eine der zahllosen Formen zu sehen, die a = Wasser im Niederdeutschen angenommen hat; wangerländisch öeland, mittelostfriesisch oyelauhn, mittelniederdeutsch eyland, eland, oland; altfriesisch alond; schwedisch öland (die Insel Oeland, vergl. Far oer, Far-Inseln). — Im Jahre 1286 hieß der Name der Insel Neuwerk am Ausfluß der Ebbe: O; 1299 und 1300 kommt dann die Bezeichnung nova O vor; vergl. Greifswalder Oie.
Einbuchtung, s. Bucht.
Einender, s. Kessel.
Einfieren, s. Fieren.
Einholen, s. holen.
Einkeepen, s. Keep.
Eins, seemännische Redensart: „in Eins bringen‟, d. h. zwei feste Punkte am Lande so peilen, daß sie sich decken, daß sie ein Punkt werden. „Du darfst (um in die Moolen einzufahren) das Ruder nicht eher hart Steuerbord legen, als bis du das rote Licht und die große Bake „in Eins‟ gebracht hast, oder auch bloß „in Eins‟ hast.‟
Eisdragge, Eisanker s. Dragge.
Eisenkrank, ist ein (hölzernes) Schiff, dessen Eisenteile, namentlich die Bolzen verrostet sind und der Ausbesserung bedürfen. Krank kann eigentlich nur sein, was lebet und sich zu bewegen vermag (vergl. krängen), aber der Seemann personifiziert gern, namentlich sein Schiff, wie denn überhaupt das Volk gerade durch Personifikation sich sehr treffend auszudrücken vermag; „die Tür schreit nach Öl‟ wenn sie rankst; „die Stange will ihr Recht‟, sagte ein Maurer, der Löcher für eine Eisenstange machen sollte in die Leibung eines Fensters; vergl. deisen.
Embargo, der, eine Beschlagnahme eines Schiffes, sei es im Kriege durch eine feindliche Macht, sei es im Frieden durch obrigkeitliche Anordnung. Durch Embargo wird das Schiff verhindert, den Hafen zu verlassen, also in seiner Bewegung beschränkt. Daher ist die Form des Wortes und die nächste Herkunft zwar spanisch, die Abstammung aber deutsch, denn das mittelhochdeutsche barre (s. Barre) hieß schon nicht mehr bloß Balken, sondern Zaun, Gehege, Schranke. — Früher nannte man „ein Schiff mit Embargo belegen‟ auch das, was jetzt zu den Obliegenheiten der Schiffsbesichtigungskommission (s. d.) gehört. In England ist das Wort so gang und gäbe, daß man es bildlich anwenden kann, „to lay an embargo on free speech.‟
Ende, das. Seemännisch das Ende (oder auch der Anfang) eines Taues; dann aber auch alles was zwischen Anfang und Ende ist, das ganze Tau. Ende ist der Punkt oder die Stelle in Raum und in der Zeit wo etwas aufhört. „Da indessen zwischen Anfang und Ende stets eine gewisse Strecke und Länge (dem Raum und der Zeit nach) liegt und ein Ende nicht sein kann, ohne daß vom Anfang bis zum Schluß von Etwas eine gewisse Raum-und Zeitlänge verfließt, so gebraucht man das Wort Ende auch in der Bedeutung von einer mehr oder weniger langen Erstreckung und Ausdehnung in den Raum oder in die Zeit hinaus.‟ (Doornkaat). So spricht man von einem kürzeren oder längeren Ende Wurst, oder sagt: ich will dich noch ein Ende begleiten. Zu bemerken ist, daß, wenn man bei einem Tau von einem Ende spricht, man zwar zunächst an einen Teil eines Taues denkt, daß der Teil aber nicht etwa abgeschnitten zu sein braucht; im Gegenteil, nur weil er noch ein Teil vom Ganzen ist, kann das ganze Tau nach ihm Ende genannt werden, pars pro toto. — Sprichwörtlich sagt der Seemann: „da ist das Ende von weg‟, d. h. „es hört „sich‟ alles auf‟, „es ist gar nichts mehr zu machen,‟ „es steht sehr schlimm.‟
enkelt heißt einzeln und wird in der Verbindung enkelte Part gebraucht für ein Tau, das nicht eine Talje bildet, nicht (in gleichsam zwei besonderen Teilen) über eine Scheibe läuft, überhaupt ohne technisches Hilfsmittel, also auch ohne Kraftersparnis, wie ein gewöhnlicher Strick, gebraucht wird. — Bei Kilianus eenckel, simplex. In Westfalen heißt en enkelten daler ein Taler in einem Stück; in Ostfriesland oft im Gegensatz zu doppelt gebraucht, auch für einfache, nicht gefüllte Blumen. Verwandt mit dem gothischen ainakls, einzeln, einsam, wobei Uhlenbeck auf das altschwedische aenkja Witwe und aenkil, Witwer, hinweist.
entern, ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit Enterdreggen (s. Dragge) an sich ziehen um dasselbe zu ersteigen und zu erobern; dabei wurde eine säbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als „Entermesser‟ bekannt ist. Vom spanischen entrar, lateinisch intrare, hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen, hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das englische to enter wird in den allerverschiedensten Bedeutungen auch seemännisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at the custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heißt board = „to go on board a vessel; specifically, to enter a vessel by force in combat.‟ Das Gleiche gilt für das Französische; da kommt entrer oft genug vor, unser entern aber heißt aborder, und das Substantivum abordage, zugleich ein Übersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch nicht, er hat wohl ein endteren, aber das bedeutet bei ihm „schnattern wie eine Ente.‟ Auch Leonhard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht an einer Stelle, wo er es hätte gebrauchen müssen, wenn es ihm bekannt gewesen wäre, und es wäre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da er unter Carl V. gedient hat und mit seiner ganzen Seemannschaft stark dem Spanischen zuneigt; vergl. das Kapitel seines berühmten Buches „Von Kayserlichen Kriegßrechten etc. etc.‟: „Von dem Meer, See, Schiff oder Wasser krigen, fahren und ziehen, sampt dero nottürftigen gebräuch, an Kriegßvolck zu Roß und Fuß, Geschütz und Munition, in lust, schimpff oder ernst, gegen Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen.‟ MDLXV Kluge: „seit Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei Chyträus Kap. 36 bezeugt.‟
In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der neuzeitlichen artilleristischen Seekriegsführung so gut wie veraltet, da wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In Anlehnung an den Begriff hinüberklettern, hinaufklettern, der in Entern liegt, hat man durchgängig in der Seemannssprache das Wort entern für „klettern‟ in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur für das Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen würde, sondern auch für das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen: aufentern, niederentern. Kommandos: „enter auf!‟ „enter nieder!‟ — Im „Durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681 wird das Wort entern im eigentlichen Sinne gebraucht: „Als sie (Admiral Heyn und seine Leute) auf die Spanischen ankamen, wollten diese sich zur Wehr stellen, aber nach dem ein paar mal die Musqueten auf sie gelöset wurden, entfiel ihnen der Mut. Als sie an den Boord kamen, funden sie kein Mittel wegen der Höhe der Schiffe hinauf zu kommen und zu entern. Ohngefehr hieng ein Schiff-Seil herauß, woran ein Matrose hinauf stieg, und da er droben war, rund herum nach Seilen und Stricken suchte, solche feste zu machen, und den andern, so darunter waren, zuzuwerffen, welches sie mit guter Gemächlichkeit täten, daß die Spanier zusahen, und gantz keine gegen Wehr darwider täten. Als nun inzwischen die andern Schiffe enterten, riefen die Teutschen Buen guerra, gut Quartier, darauf die Spanier alle hinunter lieffen.‟ Doch vermeidet dasselbe Buch an anderer Stelle das Wort entern, wo man es erwarten sollte. „Hierauf fuhren sie fort, den Caca fuego zu verfolgen, und versprach Drack dem ersten, der dasselbige ersehen wurde, eine guldene Ketten zum Boten-Brod. Nun geschah, daß Johann Drak eins hinauf stiege, und ohngefehr umb drey Uhr nach Mittags, dasselbige ins Gesicht bekam, umb sechs Uhr waren sie schon darbey, da nun Drak ihnen drey Schüsse gegeben und ihre Segel-Stange herunter gestossen, legte er ihnen an Bord, und sein Volck sprang hinein und funden allda einen großen Reichtum‟...
Erlaubnisabzeichen, das, war in den Anfangszeiten des Schiffsjungeninstitutes ein Abzeichen der Würde eines Bootsmannsmaaten, der noch kein eigentlicher Bootsmannsmaat war, sondern nur an Bord die Dienste eines solchen versah; wenn er aber an Land ging, so war er gehalten, das Abzeichen (den Anker) den er nur an Bord zu tragen die Erlaubnis hatte, abzulegen und zurückzulassen, offenbar traute man ihm seiner großen Jugend wegen noch nicht die Fähigkeit zu, den Stand eines Unteroffiziers auch am Lande würdig zu vertreten.
Erster Offizier, der nächste nach dem Kommandanten, im Behinderungsfalle und auch sonst in vielen anderen Fällen sein Stellvertreter, ihm für alles was im Schiffe vorgeht verantwortlich, überhaupt ein Mann, auf dem für gewöhnlich die ganze Last des Schiffsdienstes liegt. Er heißt Erster Offizier nicht etwa nur als primus inter pares oder weil er der Dienstälteste in der Messe ist, also nicht in dem Sinn, in dem man sagt „Erster Wachoffizier‟, sondern etwa so wie man sagt: „Erster Staatsanwalt.‟ Also die Bezeichnung eines besonderen Amtes, einer einem Manne amtlich und dienstlich übertragenen Stellung.
Eselshaupt, das. Das Verbindungsstück am Kopfe des Mastes, durch das die Stänge mit dem Maste verbunden ist. Ein ziemlich sonderbares Wort. Breusing sagt: „Ich möchte glauben, daß der ursprüngliche Name Eselshuf gewesen ist, da diesem die Gestalt genau entspricht, während man für die Bezeichnung Eselshaupt gar keinen Anhalt hat.‟ Huf für Haupt zu setzen ist ein Griff, dem die Verlegenheit allzudeutlich anzusehen ist. Haupt ist auf alle Fälle festzuhalten, weil der niederdeutsche Seemann Hofd sagt und dieses Hofd auch noch in anderer Verbindung, z. B. Dodshofd, vorkommt, wo es unzweifelhaft Haupt bedeutet. Haupt muß also stehen bleiben. Aber wenn wir uns den Esel näher betrachten, so hat er mit der Zoologie ebenso wenig zu tun wie das Schwein in Kielschwein. Es handelt sich vielmehr um die Anatomie des menschlichen Leibes, wie Haupt schon vermuten läßt. Dem Haupt zunächst verbunden ist die Schulter, die Achsel. Dieses Wort aber lautet althochdeutsch ahsla, auch ahsel, angelsächsisch eaxl, altsächsisch ahsla, altisländisch öxl, italienisch ascella, provençalisch aissela, mittelniederdeutsch assel und asle. Da liegt doch die Vermutung nahe genug, daß aus diesem Assel Esel geworden ist. Das Eselshaupt stellt die Verbindung von Kopf und Schulter dar. Durch die eine, runde Öffnung ragt die Stange gleichsam als Haupt nach oben, die andere, viereckige Öffnung sitzt als Schulter zu dem dazu gehörigen Haupte nach unten zu auf dem Maste auf. Daß die Stänge als das Haupt angesehen werden kann, wird der nicht bestreiten, der weiß, daß sie sogar einen Zopf hat (s. Topp). Beide, Haupt und Achsel, treffen zum letzten Male im Eselshaupt zusammen; daher wird dieser gewiß Eselshaupt = niederdeutsch Aselshofd sein, zumal wenn Pferd in Vergleich gezogen wird. — Daß das Wort in der Gestalt Aselshofd zur Zeit nicht nachweisbar ist, darf uns nicht beirren. Vielleicht findet es sich noch einmal. Aber wenn auch nicht, so ist damit noch nicht bewiesen, daß es überhaupt nicht vorkam, denn, wenn es nicht ganz zufällig in irgend eine alte Urkunde geriet, wer hätte es aufschreiben sollen? Wer schreiben konnte, das waren die Mönche, und die kannten das Wort nicht oder hatten keine Veranlassung es aufzuschreiben. Und wer das Wort kannte, das waren die braven Seeleute, aber die konnten nicht schreiben. Wenn aber auch die Zusammensetzung Aselhofd nicht belegt werden kann, so kann doch bewiesen werden, daß die mittelniederdeutsche Form für Achsel nicht nur Asel, sondern auch Esel hieß. Auf der Oldenburgischen Bibliothek findet sich ein altes geschriebenes Gebetbuch vom Jahre 1473, darin kommt die Stelle vor: „Bedenk, wo se up sine klenlike eselen dat sware cruce leyden.‟ — Da also Esel = Achsel und Hofd = Haupt ist, so hätte man anstatt Eselshofd getrost hochdeutsch Achselhaupt sagen dürfen. Daß man Eselshaupt vorzog, ist am Ende nicht einmal so verwunderlich, da das e in Esel eigentlich ein a sein müßte, von wegen asinus. Niederdeutsch heißt der Esel auch heute noch Äsel, und zwischen diesem und Asel ist lautlich ein sehr geringer Unterschied. Aber sachliche Bedenken geben bei solchen Wortbildungen nicht den Ausschlag, sonst hätte unser deutsches Flüssigkeitsmaß Oxhoft (Ochsenhaupt) auf dem Wege nach England nicht zu einem Hogshead (Schweinskopf) werden können.
Etmal, das. Ein Etmal ist in der Seemannssprache ein Zeitraum von 24 Stunden, und zwar vom Mittag des einen bis zum Mittag des andern Tages gerechnet. „Wir haben ein Etmal von 300 Seemeilen‟ heißt also: wir haben in 24 Stunden 300 Seemeilen zurückgelegt. Auch insofern ist ein Etmal ein Zeitraum von 24 Stunden, als in dieser Zeit zweimal Ebbe und zweimal Flut stattfindet, es erstreckt sich also über zwei Tiden; jedoch kommt es auch vor, daß Küstenbewohner nur eine Tide, also die Zeit von 12 Stunden so nennen. Aber schon Kilianus kennt das Wort im ersten Sinne und übersetzt es mit dies naturalis: 24 horarum spatium. Ganz unbefangen leitet er es von eten = essen ab, „prandere quia astrologi incipiunt diem a meridie: nempe cum sol ingreditur circulum meridianum, quo tempore vulgo pranditur.‟ Ähnlich Weiland: er nimmt etmal = eetmal, „dit schynt te zien op het gebruik der Ouden van slechts eenmal daags, en wel omtrent den middag, eenen hoofdmaaltyd te doen.‟ Man könnte sich versucht fühlen, das für einen Witz zu halten wenn die Wörterbücherschreiber nicht sonst so ernste Leute wären. — Das -mal ist ohne Weiteres klar; es bedeutet (gothisch mel, althochdeutsch mal) einen Punkt, (Mal, Muttermal, malen) dann Zeitpunkt, dann Zeit überhaupt, besonders aber auch Zeitpunkt des Essens (weshalb unser Mahlzeit eine der vielen Tautologieen der deutschen Sprache darstellt). — Die erste Silbe „et‟ wird von Diefenbach als ein verstärkendes, die Wiederkehr anzeigendes, also ein iteratives (von iter, iterum) Präfix erklärt. Tatian: in itmalens tage Ostrono, am wiederkehrenden Tage der Ostern. In Beówulf kommt die Zusammensetzung edhwyrft vor = Wiederkehr, (Rückkehr des alten Zustandes nach der Rückkehr von Grendels Mutter), ferner ed-wendan sich zurückwenden, und ed-wenden die Wendung, der Wechsel. Im Altfriesischen hat Etmal schon die seemännische Bedeutung: „Dat schilma binna trim Etmelum fifiuchta‟, „das soll man binnen dreimal 24 Stunden befechten.‟ Neufriesisch: et-grode, noch einmal gewachsen (nachdem das Gras bereits gemäht oder abgeweidet war, auch et-grün) vergl. Kilianus et-groen, na-weyde, Nachweide; etwende, die Stelle wo der Pflug beim Pflügen am Ende des Ackers immer wieder umkehren muß, hochdeutsch (oberdeutsch) Gewandung. Die mittelalterliche Bezeichnung eddach, ettink für einen regelmäßig in bestimmten Zeitabschnitten wiederkehrenden Gerichtstag hat weder mit echt = Gesetz, noch mit ed = Eid zu tun, denn Gesetz und Eid kommen bei jedem Gerichtstag in Anwendung und können daher eine besondere Art nicht bezeichnen, sondern ist eben et-dag, ein bestimmter, regelmäßig wiederkehrender Tag, schon weil dafür auch markding gesagt wird, was sicher einen bestimmten Zeitpunkt andeutet. — Was das seemännische Etmal betrifft, so empfiehlt Lucas Janszoon Waghenaer in seinem „Spiegel der Zeewaerdt‟, 1588, sehr, es regelmäßig auf der Karte zu bezeichnen. Er schreibt: „Tis seer goet alle Etmalen eens af te steken, ende te teckenen watmen ghezeylt ende behouden heeft, op datmen inde graden sien mach wat hoochde men heeft, ende hoe alle de hoecken ende landen van u zyn legghende.‟ Derselbe Waghenaer spricht auch wiederholt von einem Etmal des Mondes.
Eule fangen s. durchdrehen.
Evolutionsbogen, der, verschieden von Drehkreis. Letzteres ist die gleichmäßige Bewegung im Kreise, ehe aber das bis zum Legen des Ruders gradeaus steuernde Schiff unter dem Einfluß des gelegten Ruders in die regelmäßige Drehung eintritt, muß es einen Bogen beschreiben, eine Kurve, die der Evolutionsbogen heißt. Man unterscheidet demgemäß auch einen Evolutionsdurchmesser und einen Drehkreisdurchmesser. Lateinisch evolvo, sich entrollen, aufrollen.
Ewer, der. Name eines kleinen Fluß-, Kanal-oder Wattschiffes, besonders bekannt durch die Hamburger Hafenboote dieses Namens. Doornkaat meint, es sei über die Herkunft des Namens mit irgend welcher Sicherheit nichts zu sagen. Wenn man aber bedenkt, daß in zahlreichen mittelniederdeutschen Urkunden eever, ewar und envare neben und durcheinander gebraucht werden und daß envare in dem Zolltarif der Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 erklärt ist als ein „navis, que dicitur envare, que habet remex retro pendens (debet) comiti IV. den,‟ so ist der Gedanke doch sicher nicht zu kühn, daß das Boot ursprünglich von einem Manne gefahren wurde, und zwar mit einem Riemen, der retro pendens war, so daß also das Boot durch Wricken fortbewegt wurde. Einfahrer wäre also die Hochdeutsche Übersetzung. Natürlich ist dabei nicht angenommen, daß das Schiff 1252 noch von einem Manne gefahren wurde, sondern nur, daß es sich — wer weiß wann? — aus solch kleinen Verhältnissen heraus entwickelt habe, ähnlich wie Fregatte sich aus einem Ruderschiff zu einem Dreimaster ausgewachsen hat. — Breusing hatte sich sehr in den Gedanken eingelebt, Ewer sei gleich Eber, wiewohl ihm bekannt war, daß in den beiden Worten zwei ganz verschiedene anlautende e stecken. Und als Müllenhoff das Gewicht seines Ansehens gegen die Gleichstellung in die Wagschale warf, da ließ er freilich den Eber fallen, aber man merkt es dem verdienten Manne doch an, wie schwer es ihm ward. —
Exerziermast, der, ist ein Mast der nicht zu einem Schiffe gehört, sondern am Lande, in der Nähe einer Kaserne angebracht, aber sonst ganz als Schiffsmast getakelt ist, und an dem ungeübte Matrosen, Schiffsjungen etc. etc. ihre Übungen im Entern etc. etc. anstellen. Er hat also ungefähr die Bedeutung eines Turngerätes für angehende Seeleute; auch wohl die eines schönen Spielzeuges für heranwachsende Knaben.
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