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Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

by Gustav Goedel

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S.

sacken ist ein niederdeutsches Zeitwort das in der Seemannssprache oft gebraucht wird und dem hochdeutschen „senken‟ entspricht, oder vielmehr entsprechen sollte; senken nämlich ist Faktitiv oder Causativ von sinken: „sinken machen‟. Aber wie das Hochdeutsche senken und sinken ebenso oft verwechselt wird wie wägen und wiegen, so macht auch der Seemann zwischen senken und sinken keinen Unterschied, er sagt für beide sacken. Ja man kann sagen, daß sacken in seinem Munde öfters sinken als senken bedeutet. Durchsacken, einsacken, wegsacken, untersacken sind gleich sinken, während auch die Wendung „sacken lassen‟, die ebenfalls den Begriff sinken enthält, oft gebraucht wird. Andererseits aber heißt absacken „ein Schiff oder Boot den Strom hinunter treiben lassen‟. — Senken heißt althochdeutsch sanchjan; es ist durch Nasalierung der Wurzel sack entstanden, wir haben also in sacken die ursprünglichere, nichtnasalierte Form.

Saling, die, ist ein auf Backen an beiden Seiten des oberen Endes des Untermastes aufsitzendes Gerüst aus Längs- und Querhölzern auf dem hinwiederum der Mars aufsitzt, dessen hauptsächlichster Zweck nicht etwa der eines „Mastkorbes‟ ist, sondern der, die Jungfern zum Anspannen der Stengewanten zu tragen. Die Saling des Untermastes tritt jedoch, eben weil der Mars auf ihr sitzt, wenig in die Erscheinung, wird vielmehr leicht für einen Teil des Marses gehalten. Eine desto selbständigere Rolle spielt die Bramsaling auf den Backen der Marsstenge; sie ist nicht mit Brettern bedeckt und fällt daher als solche mehr in die Augen. Sie vertritt die Stelle des Marses insofern an ihr die Bramwanten befestigt und gespannt werden. — Der Name Saling kommt von sitzen, aber nicht weil sie sitzt, sondern weil etwas, nämlich der Mars, auf ihr sitzt. Er heißt eigentlich Sadeling = Sattelung; vom gotischen sitan, sitzen, satjan, setzen kommt das althochdeutsche satal, satul, satol, satil; angelsächsisch sadul, sadol, sadl; niederdeutsch sadel; davon sadeling = sadelung. Die Tenuis ward erst zur Media und dann verschwand der Dentallaut überhaupt; indem sich ein langes a aus dem kurzen a und dem e bildete war Saling fertig: ein Ding zum Aufsitzen, Draufsitzen. Darum führt auch die Bramsaling ihren Namen doch mit Recht; wenn auch kein Mars auf ihr sitzt, so sitzen desto mehr die Matrosen oder Schiffsjungen darauf, denen sie ein Stütz- und Ausgangspunkt für die Arbeiten, die sie als Bram-und Oberbramsegelsgäste zu verrichten haben, dient.

Salut, der. Das Schießen eines Saluts ist das Abgeben einer bestimmten Anzahl von (blinden) Kanonenschüssen als Gruß, als Ehrenbezeugung für den Landesherrn und für alle diejenigen, die nach dem Salutreglement dazu berechtigt sind. Dazu werden die Kanonen mit Salutkartuschen geladen, (mit Pulver, ohne Geschoß). — Salutfähig, d. h. berechtigt oder verpflichtet zu salutieren sind aber nur Kriegsschiffe von gewisser Größe und Stärke der Artillerie. Dem Salut gleich stand ursprünglich Salve, eine einmalige gleichzeitige Abfeuerung von mehreren Kanonen als Gruß, ein feierliches Begrüßungsschießen, das dem Gegrüßten ein salve! zurufen sollte; hernach wurde eine Begrüßung des Feindes mit geladenen Kanonen daraus. — Salutleine nennt man wohl auch das Paradirstrecktau, das Manntau an dem die Matrosen sich festhalten wenn sie zum Gruß und zur Ehrenbezeugung die Rahen bemannen, sich auf den Rahen in Reihen aufstellen. — Es mag in früheren Zeiten manchmal regellos salutiert worden sein. Wenigstens ermahnt ein Geschwaderbefehl d. d. 25. Mai 1652, unterschrieben M. Herberts Tromp, zur Ordnung und Sparsamkeit. „Es wird auch ausdrücklich verboten einige unnöthige Ehren-Schüsse zu thun, sondern deß Landes Pulver und Bley zu bewahren und rathsam damit umzugehen; jedoch so man bei einigen andern außländischen Kriegs-Schiffen kommt, wodurch einige Begrüsung mit Lösung deß Geschützes zu thun, zu des Landes Reputation erfordert wird, in solchem Fall haben sie die Ehre unseres Landes in acht zu nehmen, und in aller Ehrbarkeit Hand zu haben.‟

Salve, die, s. Salut.

Sandwichpanzerung, die, s. Panzerung.

Sargassosee, die, heißt eine Stelle im Atlantischen Ocean, auch atlantische Krautwiese genannt; das Sargassomeer, vom lateinischen sargassum, der Seetang. „Der sich nach der iberischen Küste herwendende und als nordafrikanische Strömung wieder in die Nordäquatorialströmung übergehende Zweig des Golfstromes schließt eine große Ellipse ein, die ein sehr ruhiges Gebiet im Atlantischen Ozean bildet, ein Gebiet von 65000 Quadratmeilen oder ein Drittel so groß wie Europa. Dieser Raum ist nach den Vorgängen Humboldts und Maurys als „Sargassomeer‟ bekannt geworden, und man erzählte, daß in ihm das Sargasso oder der Meertang (fucus natans) in so ungeheuren Mengen zusammengeballt treibe, daß dadurch die Schiffahrt behindert werde. Neue Untersuchungen ergeben jedoch, daß es sich um mehr oder minder dicht treibende, bis 60 Meter lange, je nach der Windrichtung schwimmende, abgerissene Krautstreifen handelt, die zwischen 20° und 35° nördl. Br. und zwischen 35° west. L. und Westindien und dem Ostrande des Golfstromes vorkommen. Von einer Behinderung der Fahrt durch dieselben ist nirgends die Rede.‟ (Andree.)

Sarving, die, ist ein aus altem Kabelgarn geflochtener Zopf, der mit Platting Ähnlichkeit hat, aber nicht ganz so platt, sondern dicker ist. Die Sarving wird gebraucht zur Bekleidung von Tauwerk, da wo es viel Reibung auszuhalten hat und der Abnutzung sehr ausgesetzt ist. Um es vor dieser zu bewahren, um es zu (kon)servieren wird die Sarving gemacht, die eigentlich Serving heißt. Sarving ist nur die volkstümliche Aussprache.

Schaar, die, ist eine bei Sturmfluten verschließbare Öffnung in einem Deich zum Durchfahren von Wagen etc., eine Lücke, die man absichtlich zu diesem Zwecke gelassen hat. Das Wort ist verwandt mit Scharte, Schießscharte, und stammt von der Wurzel skar, von der auch scheren und Schaar = Abteilung, Haufe stammt, sie bedeutet spalten, scheiden, teilen, schneiden. Das Wort kommt auch als Ortsbezeichnung vor, ebenso wie Siel, da ebenso wie bei diesem auch bei einem Schaar sich gern Menschen ansiedeln, weil hier ohnehin ein großer Menschenverkehr stattfindet, wie auch bei einer Brücke, weshalb zahlreiche Ortsnamen mit Brücke, Brück zu tun haben.

schaffen, seemännisch = essen. — Schaffner, Schöffe, Schoppen, Schöpfung, englisch shape = Gestalt und viel andere Wörter dieser großen Sippe kommen alle von der Wurzel skap mit der Grundbedeutung schaffen, schöpfen, ordnen. Dem altgermanischen Heidentum fehlte, wie Schade ausführt, ein Ausdruck für etwas, wovon es keine Idee hatte, nämlich für schaffen, von der höchsten Potenz dieser Tätigkeit, dem göttlichen Schaffen. Daher nahmen die Germanen, als ihnen vom Christentum her die Schöpfungsidee kam, das Wort von einer (man kann wohl sagen kunstmäßigen) Hantierung, vom Formen und Gestalten einer festen Masse durch grabende und stechende Werkzeuge, faßte es gewissermaßen als ein Schnitzen auf (skapjan), während der Lituslave seinen Ausdruck dafür, noch hausbackener, von den Formen einer weichen knetbaren Masse nahm, wozu ihm die tägliche Käsebereitung in jeder ländlichen Wirtschaft ein Bild gab. — Für unsern Zweck genügt es, das althochdeutsche scaffari, scaffare, mittelhochdeutsch schaffaere, schaffaer, schaffer = Schöpfer, Bildner, Hausmeister, Verwalter, Schaffner zu kennen, ein Wort das einen Mann bezeichnet, der das Essen und Trinken durch Schöpfen herbeischafft und aufträgt oder auftragen läßt. Diesem Vorgange ist begrifflich verwandt das italienische minestra = Suppe, minestrare die Suppe anrichten, lateinisch ministrare, bei Tische auftragen. — Hierher gehört die Bremer Schaffermahlzeit, ursprünglich eine durchaus seemännische Veranstaltung, nämlich eine Mahlzeit bei der kurz vor der Wiedereröffnung der Schiffahrt im Frühling Kapitäne und Reeder mit einander den Proviant für die aussegelnden Schiffe kosteten. Schaffer heißt, nach dem Bremer Wörterbuch, der Mann, der die Anordnung und Besorgung einer Mahlzeit hat, auch überhaupt ein Verwandter des Hauses; Aufwärter bei einem Hochzeitsschmause, welches aber bei den Bauern die nächsten Verwandten zu tun pflegen, wie auch die Helfer beim Begräbnis und bei dem Leichenschmaus in Groningen Anschaffer heißen; heutzutage tragen die Schaffer bei der Schaffermahlzeit die Speisen nicht mehr auf, schöpfen sie nicht mehr aus dem Kessel, bedienen nicht mehr bei Tische, sie halten nur die Tischreden und — bezahlen das Essen; nur insofern kann man noch von herbeischaffen reden. Doch hat schaffer im Mittelniederdeutschen auch einen Mann bedeutet, der die Kasse führte; überhaupt einen, der die Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache übernimmt, einen procurator. — Daß aber der Seemann bei der ursprünglichen Bedeutung geblieben ist und schaffen für essen sagt, erinnert einmal daran, daß in früheren Zeiten die Leute, die zusammen aßen, alle aus einer Schüssel schöpften, sodann daß einer das Essen aus der Kambüse herbeizuschaffen hatte, (der heute „Backschaft‟ heißt) und endlich daß das Essen eben ein wirkliches Schöpfen war, indem die Leute nicht mit Messer und Gabel, sondern nur mit dem Löffel aßen.

Schaft, der, des Ankers ist der große, lange, schwere, oben dünner werdende Teil des Ankers zwischen den Armen und dem Stock. Man spricht auch von Lanzenschaft, Gewehrschaft, sogar von Stiefelschaft. Das Wort heißt niederdeutsch auch scheft und schecht, wie denn ft und cht im Niederdeutschen sehr leicht in einander übergehen. Das Stammwort ist skaban, unser schaben, niederdeutsch schafen, hobeln. Also ein zurechtgehobeltes Stück Holz. Es ist bekannt, daß der Ankerschaft früher auch bei großen, schweren Ankern von Holz war. — Anstatt schecht kommt auch einfach scheg und schegg vor. So heißt z. B. bei hölzernen Schiffen das vorderste Holz, das noch vor dem Vorsteven sitzt und oben in das Gallion übergeht. Auch spricht man vom Scheg des Ruders und meint damit den Ruderschaft.

Schäkel, der, heißt ein Ring, ein Glied einer Kette. Schäkeln, ein Glied der Kette in ein anderes Glied fügen, so daß eine lange Kette daraus wird. Die Erklärung ist am deutlichsten aus dem entsprechenden englischen Worte shackle zu ersehen, das sowohl Kettenglied als auch Fessel, Handfessel, Handschellen, Beinschellen heißt; angelsächsisch sceacul, scacul, Fessel, Halseisen. Offenbar ist diese Bedeutung Fessel die ursprüngliche. Eine Fessel aber war zunächst ein Mittel in der Hand von Räubern, ihre Opfer zu binden. Räuber aber hießen, wie wir aus der Geschichte der Kreuzigung Christi wissen, Schächer. Das niederdeutsche Zeitwort hierzu heißt heute noch schaken, rauben. Der friedliche Kettenschäkel hat also den Namen von der äußeren Ähnlichkeit mit dem unfriedlichen Räuberwerkzeug (s. schaken).

schaken heißt rütteln, schütteln, gewaltsam bewegen; seemännisch das Rütteln und Schütteln mit dem man versucht, bei einem Takel oder einer Talje den Reibungswiderstand der durch die Blöcke fahrenden Taue zu verringern um dieselben beweglicher, läufiger zu machen. Abschaken heißt solches vornehmen in der Absicht, nach dem Gebrauch eines Takels die tublocks (s. d.) geholten Taue wieder rückwärts zu bewegen, damit die Blöcke wieder auseinander kommen und so das Takel aufs Neue wieder gebrauchsfähig werde. Das Wort schaken, auf ein aus einer Basis ska erweitertes Thema skak zurückgehend, bedeutet ursprünglich — wie seemännisch heute noch — ganz allgemein „bewegen‟; dann bewegen mit Anwendung von Gewalt: rauben, mit Gewalt wegführen, eine Jungfrau vergewaltigen, seinen Teil der Beute an sich reißen.

Schaluppe, die.

1. Gattungsname für alle Schiffsboote, von der Kapitänsschaluppe (Gig) an bis zur Travaljeschaluppe (Jolle).

2. In deutschen Häfen ist Schaluppe weiterhin ziemlich gleichbedeutend mit Jacht; Fahrzeug mit einem Mast, großem Schratsegel, Topsegel, Brefock.

3. heißt sloop in der englischen Marine ein kleines Kriegsschiff, ehemals eins unter 24 Kanonen, dreimastig oder schnauartig, zwischen Korvette und Kanonenboot.

Der Name bedeutet also Schiffe und Boote von so verschiedener Art, daß sie kaum irgendwie unter einen Hut zu bringen sind, es wäre denn der gemeinschaftliche Begriff „Fahrzeug‟. Und in der Tat kommt von dem Zeitwort slupen das Wort. Es heißt schlüpfen, gleiten, sich gleitend bewegen, sich bewegen, „fahren.‟ Daraus auch französisch chaloupe, spanisch chalupa, niederdeutsch slupe. Im Mittelniederdeutschen gab es ein slope, Fahrzeug zum Fortschaffen von Waren, welches aber auf dem Lande gebraucht wurde. Sloepe als Fahrzeug zu Wasser war aber schon dem Kilian bekannt. Niederländisch sloep; norwegisch, schwedisch, dänisch slup. Das niederdeutsche slupen heißt auch schlüpfen. Es wäre daher denkbar, daß eine slup ursprünglich ein Küstenfahrzeug gewesen wäre, das bei schlechtem Wetter darauf angewiesen war, einen Unterschlupf unter Land zu suchen.

schamfilen heißt durch Reiben verletzen. „Ein Schiff schamfilt an der Schleuse,‟ d. h. es kommt der Schleuse zu nahe und reibt sich dabei die Farbe ab, daß das Holz zum Vorschein kommt. „Ein Tau schamfilt,‟ d. h. es reibt sich an einem festen Gegenstand und nützt sich so vor der Zeit ab. Um dergleichen zu verhüten hat man verschiedene Mittel: Fender, Sarving, überhaupt Bekleidung des Tauwerks, und besonders auch Schamfilungsmatten. — In Osterstade, jener friesischen Enclave jenseits der Unterweser, heißt schamp ein Fehler an der Gesundheit. In Ostfriesland heißt die Epidermis schampfel, womit nichts anders gesagt sein soll als daß die Oberhaut leicht verletzlich ist, durch Reiben und dergl. leicht beschädigt werden kann. Dem entsprechend heißt das niederdeutsche Zeitwort schampen streifen, im raschen Vorbeigehen leicht treffen und berühren, durch Streifen oder rasches Vorbeigehen und nahes Berühren eines Gegenstandes denselben äußerlich beschädigen und verletzen, jemanden leicht verletzen. In Westfalen heißt der Prellstein sehr bezeichnend schampsten. Aus schampen ist ein Interativum schamperen, schampferen, schamferen, scanferen gebildet worden, Formen die im Mittelniederdeutschen sehr häufig vorkommen, „he hadde nene scanferinge an der Hut gekregen‟; doch manchmal auch für Schädigungen und Verletzungen gebraucht, die garnicht so sehr leicht waren: „anno 1428 schamferden de stede vor Kopenhagen des Königs schepe‟... (Lappenberg, Hamb. Chron.) Aber in der Regel ist die Verletzung leicht und nur oberflächlich, wenigstens im seemännischen Gebrauch. — In den Niederlanden ist, nach einem bekannten Gesetz der Lautverschiebung zwischen l und r, schampelen aus schamperen gebildet worden. Und dieses schampelen ist in der Form schamfilen nach Ostfriesland übergesprungen und von da in die deutsche Seemannssprache eingedrungen, in der sich übrigens eine Erinnerung an das ursprüngliche schamp noch insofern erhalten hat, als man meist, wenn man genau zuhört, schampfilen hören kann. Daß i aber an die Stelle von e getreten ist mag eine Erinnerung daran sein, daß die Endung eigentlich -iren heißen müßte, die niederländisch -eren lautet.

Schandeckel, der, ein Schutzdeck, eine Schutzbedeckung, eine Schutz gewährende Bedeckung von Holz, die an verschiedenen Stellen, die eben des Schutzes bedürftig sind, angebracht wird. — Mit dem niederdeutschen Wort schanddeckel hat es keine Gemeinschaft, denn das bedeutet einen Deckel zur Bedeckung einer Schande, und so heißt ein Mann, der für Geld oder eine andere Belohnung ein von einem Reichen entehrtes Mädchen heiratet. Unser Schandeckel aber ist (vergl. schamfilen) aus schampdeckel entstanden, durch Schwund des p und indem sich der bequemeren Aussprache wegen das m in n verwandelte. Ein Schandeckel ist also eine Bedeckung, die das schampen, das Beschädigen des bedeckten Teiles verhindern soll.

Schanze, die, hieß ein Stockwerk hinten auf dem oberen Deck, entsprechend der Back auf dem Vordeck; wurde vormals Hintercasteel genannt, jetzt ist die Kampanje an die Stelle getreten. Der Name kommt daher, daß rings um die Reling dieses Aufbaues im Gefecht eine Schanze errichtet wurde, nicht aus Reisigbündeln, sondern aus Hängematten. Um diese zu verdecken und überhaupt zum Zierrat fiel von der Reling an der äusseren Seite der Relingstütze und des Finknetzes ein etwa vier Fuß breites Tuch nach Art einer Gardine herab: das Schanzkleid. Ein solches hatte auch die Reling des Marses. — Als im Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Hängematten auf der Reling in den Finknetzkästen ihren dauernden Platz erhielten, da trat an die Stelle des Schanzkleides das wasserdichte Hängemattskleid. Aber an den Marsen sind Schanzkleider geblieben und an der Kommandobrücke sind sie zum Schutz gegen Regen und Wind neu hinzugekommen; jedoch ohne jeglichen Prunk, während mit den früheren Schanzkleidern großer Luxus in Bezug auf Farbenpracht und Verzierung getrieben wurde. Die englischen Kriegsschiffe hatten Schanzkleider mit weißer oder gelber Borde besetzt. In Frankreich hießen sie pavois. Aubin (1702): „Par une Ordonnance de 1670 le Roi de France a voulu qu’a l’avenir les pavois soient de couleur bleue semée de fleurs de lis jaunes, et qu’ils soient bordez de deux grandes bandes blanches.‟ Man nannte sie auch bastingures. „On met aussi des bastingures aux hunes. Celles des Hollandois sont rouges; ils les font presque toujours de baiette ou de drap, mais en ce cas on les double et on le garnit de telle, sorte entre les deux étofes, que les balles des mousquetes ne les peuvent percer.‟

Schärpe, die. Zwar kein seemännisches Wort, aber doch zum dienstlichen Anzug der Seeoffiziere gehörig, verdient es hier seine Stelle zu finden. In früheren Jahren gingen die Armen nicht mit einem Sack, sondern mit einem Topfe betteln. Der Topf hieß Scherbe. Wir sind heutzutage gewohnt, bei diesem Worte an etwas Zerbrochenes zu denken. Das mag daher kommen, daß man, namentlich auf dem Lande, nur zerbrochene Töpfe als „Blumenscherben‟ vor die Fenster stellt, weil den Leuten ganze Töpfe zu schade sind. Aber ursprünglich lag der Begriff des Zerbrochenen keineswegs in Scherbe. Wenn das Gefäß, in dem sich die Bettler das übriggebliebene Essen aus den Häusern zusammenholten, auch kein sehr elegantes war, heil mußte es doch sein, schon darum weil das Essen meist aus Suppe, Brei, Grütze etc. bestand. Wer sich die Sache recht deutlich vorstellen will der gehe um die Mittagszeit längsseits eines in Dienst gestellten, an der Kaimauer liegenden Schiffes, da kommen die sonderbarsten Betteltöpfe zum Vorschein, sogar alte Präservenbüchsen, für gewöhnlich nur von den Malern gebraucht, werden von armen Leuten herbeigeschleppt um das übriggebliebene Essen in Empfang zu nehmen. — Da nun die Bettler mit ihrer Scherbe in alten Zeiten von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf zogen, so konnten oder mochten sie sie nicht immer in der Hand tragen, befestigten vielmehr ein Band daran und trugen sie über die Schulter gehängt. Bald hieß dieses ebenso wie der Topf, der daran hing: Scherbe. Und aus diesem Bande ist unsere Schärpe geworden. Sie diente schon im 13. Jahrhundert als Abzeichen der Ritter, war aber natürlich breiter und feiner als das Band, das sich die Bettler hatten leisten können. Sie ward entweder von der rechten Schulter nach der linken Hüfte getragen und ist in dieser Gestalt das Vorbild für die breiten Ordensbänder geworden und für die Bänder und Schärpen der studentischen Verbindungen, oder um den Leib gebunden. Die Damen schmückten die Schärpen ihrer Ritter mit feinen Stickereien, banden sich auch bald selbst wohl breite farbige Seidenbänder um die Taille, dem Obi ähnlich, den die japanischen Frauen tragen. Während so auf der einen Seite das alte Ehrenzeichen zum Putzstück herabsank, stieg es andererseits zum Feldzeichen, zum Kommandozeichen eines Heerführers empor, um so als Dienstabzeichen der Offiziere bei uns in Geltung zu kommen. Die beiden Arten, auf welche heutzutage bei der deutschen Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser die Schärpe getragen wird, waren im dreißigjährigen Kriege nebeneinander üblich.

Schau, das, kommt nur in der einen Verbindung vor: „Flagge in Schau‟, „die Flagge im Schau wehen lassen,‟ d. h. sie zusammengeknotet oder -gewickelt hissen. Röding: „Es ist dies ein unter allen Nationen gebräuchliches Signal, jemand an Bord zu rufen. Auf einer Reede weht die Flagge im Schau, wenn die am Ufer befindlichen Schlupen an Bord kommen sollen, und man unter Segel gehen will. Auf der See um andern Schiffen zu erkennen zu geben, daß man ihrer Hilfe bedarf und in Not ist. Bei Gewahrwerdung des Landes, um einen Lootsen an Bord zu rufen.‟ — Jetzt hißt man im ersten Falle den blauen Peter, bezw. das betreffende Bootssignal; im zweiten Falle hißt man als Notsignal die Flagge verkehrt, das Oberste zu unterst; im dritten wird die Lootsenflagge gezeigt. — Man könnte Schau für eines Stammes mit Schauer und Scheuer halten, aus der Wurzel sku, decken, verbergen, weil die Flagge im Schau gleichsam halb verdeckt und verborgen, nämlich so gehißt wird, daß man ihre nähere Beschaffenheit nicht deutlich erkennen kann, doch erregt hiergegen der Umstand Bedenken, daß die ersten derartigen Signale keine Flaggen, sondern sonst irgend ein hißbarer Gegenstand waren, ein Jacke, eine Hose, ein Hemd, wie z. B., nach Ehrentraut, Fries. Archiv, es früher Sitte war, daß ein Wangerooger Schiff, wenn es von der Reise heimgekehrt war, vor der Insel zu Anker ging und ein solches Kleidungsstück halbmast wehen ließ zum Zeichen, daß man ihm vom Lande her ein Boot schicken sollte. So ist es also doch richtiger, anzunehmen, daß wir in Schau das Schau von Brautschau, Deichschau, Heerschau vor uns haben und daß es mit dem schauen in warschauen (s. d.) verwandt ist. — Etwas Ähnliches und doch ganz Anderes geschieht, wenn man die Flagge aufgetucht, also so wie sie zusammengelegt aus dem Schrank kommt, aufhißt. Das tut man, damit sie mit einem Ruck rasch an ihrer richtigen Stelle zum Auswehen gebracht werden kann. — Nach Richthofen wurde im alten Ostfriesland ein Schau als Notzeichen auch am Lande gehißt. „Offtet also voelle op ene tyt, datter eyn rechter worde doet geslagen in den warve, soe sal de meente dat schow op theen ende de clocken an kleppen‟. „So soelen se rechtevort en schw dat is een noetteken op setten‟. — Deutlich erhellt der Begriff eines seemännischen Schaus aus der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, 1673: „Wir sahen auch (von einem in schwerem Novembersturm in der Nordsee havarierten Schiffe aus) ein Schiff zu Loffwart von uns; ließen derowegen ein Schau oder Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren, also kam er nach uns zu, ich fragte dem Schiffer wohin er sein Will hätte? Er sagte, nach den Flie, ich bat ihn daß er mir helfen möchte, so wolte ich ihm eine Linie zu werffen, damit er ein Kabeltau zu sich holen konte, auff daß er unser Schiff dabey nach dem Flie schleppen möchte; den wir müsten da auch seyn: Er aber gab zur Antwort: es wäre spät im Jahr, auch grauete ihn daß bald Eyß kommen möchte: derowegen must er sein bestes tun daß er zu Hause komme; Es würde auch sein Volck damit nicht friedlich seyn: weil sie schon eine lange Reise gehabt, ich sagte wieder: ich wolte seinem Volcke eine halbe Ostersche Heur geben: oder was gute Männer erkennen könten, er aber antwortete nichts mehr und ging durch. — Wir aber sahen ihn betrübet nach, was thäte aber Gott, weil wir in keiner geringen Noth und Gefahr wahren, schaffte Gotte der Herr daß uns Wetter und Wind zur Stund dienen muste, so, daß wir am andern Tage des Morgens vor dem Flie kamen, da alle Menschen Hülffe verschwunden, allein durch die Hülffe Gottes. — Wie uns nun die Loetzen allda gewahr wurden, kam uns eine Galliot an Bord, die gab uns ein Lotes über, und wir langeten ihm ein Kabeltau, daß er uns schleppen konnte; also hülffen sie uns, weil es eben Fluht war, biß an die vierte Tonn, des andern Tages kamen wir ins Flie; des dritten Tages aber kam das vorbemeldte Schiff, welches uns in der Noht hatte verlassen‟...

Schauer, der, ein plötzlich hereinbrechender aber auch bald wieder vorüberziehender Regen oder Hagel. Der Name kommt daher, daß durch einen solchen der Himmel bedeckt und verhüllt und verdunkelt wird, also von derselben Wurzel sku, von der auch das lateinische obscurus stammt. Niederdeutsch schuur, niederländisch schoer, angelsächsisch scur, altsächsisch skur, althochdeutsch scur, mittelhochdeutsch schur, schuwer, gothisch skura.

Schauerknoten, der, ist ein Knoten am Ende eines Taues der dasselbe so verdickt, daß es hinter einem Loche seines eigenen Umfanges festsitzt, daß es am Durchrutschen durch das Loch verhindert wird. Das Wort ist eine Abkürzung; es müßte eigentlich heißen und hieß sonst auch allgemein Schauermannsknoten, was man auch jetzt noch hören kann. Offenbar weil die Schauerleute Taue mit solchen Knoten (und einem Haken) zum Ziehen und Schleppen der Warenballen zu benutzen pflegen.

Schauermann, der, Mehrzahl: die Schauerleute, ist ein beim Löschen und Laden beschäftigter Mann, der zwar mit dem Schiff und seinen Räumen bekannt sein muß, im Übrigen aber kein Seemann ist oder zu sein braucht. In Groningen werden so genannt „personen die hun brood verdienen met schepen langs het Reitdiep te trekken‟. Der in der Stadt Norden wohnhaft gewesene Doornkaat bemerkt zu dem Worte sjauerman: „ein früher vom hiesigen Magistrat angestellter Hafenarbeiter, der die Schiffe aus-und beladen mußte und die Waren aufs Lager zu bringen hatte und zwar gegen eine feste Vergütung, wie sie in der hiesigen Sjauermans-Ordnung bestimmt war.‟ Niederländisch hießen dergleichen arbeiders (Aubin 1702) siuuwers, chiuwers, tsiuuwers. Weiland: „sjouw een last die zwaar valt om te dragen‟, die man darum ziehen, schleppen muß. Man kann das Wort also füglich mit Lastträger oder vielmehr Lastzieher wiedergeben, denn sjauen ist die niederländisch-ostfriesische Form für das althochdeutsche zawjan, mittelhochdeutsch zouwen, aus dem gothischen taujau, aus einer Wurzel tu, du, die eine Bewegung andeutet. Es ist also anzunehmen daß die Form tsjauen aus tauen verschoben ist. Das Niederdeutsche macht sonst freilich die Verschiebung des gothischen t zu ts, z, für gewöhnlich nicht mit und hat demgemäß auch das Zeitwort tauen, englisch tow, beibehalten, es mag aber tsauen als oberdeutsches Lehnwort ins Niederländische gekommen sein, dann ist auf seinem weiteren Wege ins Niederdeutsche das ts zu sch geworden. Also tauermann — tsauerman — Schauermann: ein Mann der Lasten taut d. h. zieht, schleppt, an einem Tau vorwärts bewegt.

Schebecke, die, „a small three-masted vessel formerly much used by the Algerine corsairs, and now used to a small extent in Mediterranean commerce. It differs from the felucca chiefly in having several square sails, as well as latin sails, while the latter has only lateen sails‟. Bei uns gebraucht man die Bezeichnung Schebecken-Takelage eben wegen der lateinischen Segel. Französisch chebec, englisch xebec, spanisch xabeque, italienisch sciabecco, zambecco, vom türkischen sumbeki, arabisch sumbuk, kleines Schiff.

scheitern = Schiffbruch erleiden, bekanntlich auch im übertragenen Sinne von Nichtseeleuten oft gebraucht: gescheiterte Hoffnung, gescheiterte Existenz u. s. w. Das Zeitwort ist von Scheit gebildet. Der Gedanke liegt zu Grunde, daß bei einem wirklichen Schiffbruch das Schiff zu lauter Holzscheiten zerschlagen wird. Wie man auch seemännisch zu sagen pflegt: „es gibt klein Holz‟, wenn etwas entzwei geht. Die Grundbedeutung von Scheit liegt in der indogermanischen Wurzel skhait, und kommt auf „scheiden‟, spalten, hinaus. — Das Wort ist kaum seemännisch zu nennen, da unsere niederdeutsche Seeleute sich ziemlich ablehnend dagegen verhalten. Der Grund ist klar: es müßte eigentlich in ihrem Mund schitern heißen und das käme doch allzu nah an schiten, das ja auch mit scheitern gleicher Abstammung ist. Weil aber im Hochdeutschen das t in dem Zeitwort für stercorisare sich zu s verschoben hat konnte man da ungehindert schiten für spalten sagen und schit für ein abgespaltenes Stück Holz; und man sagte im Mittelhochdeutschen auch so. Im Neuhochdeutschen diphthongierte sich das i zu ei, aber trotzdem hat sich der Seemann das Wort kaum angeeignet.

scheren.

1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben.

2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen; kann auch durch eine Bretterwand geschehen.

3. ausscheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von einem Schiffe, von den unteren Wolken.

4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren.

5. mähen, Gras scheren, Rasen scheren.

6. sich bekümmern um, sich Mühe machen um — „Was schert mich Weib, was schert mich Kind‟...

7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich plötzlich von einer Gesellschaft trennen: „scheren Sie sich zum T...!‟

8. in einer Weberei Garn scheren.

Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemannssprache gängig; und zwar ist 2. dahin erweitert, daß „ein Tau scheren‟ nicht nur gebraucht wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz allgemein, z. B. Wäschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist, daß durch jedes Scheren eines Taues schließlich der Raum in zwei Teile geschieden wird. Die Grundbedeutung ist „abscheiden‟. Althochdeutsch sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch skera, angelsächsisch sceran, im Altfriesischen, wo das Wort eine zahlreiche Verwandtschaft hat, skera. — Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander schroff „geschiedene‟ Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch skära, dänisch skjäre.

Schiemann, der. „Der auf den Bootsmann folgende Unteroffizier, dem die Takelage des Fockmastes angeht, so wie dem Bootsmann die Takelage des großen Mastes und dem Bootsmannsmaat diejenige des Besahnmastes.‟ Kilian: „schim-man (schieman) proreta, qui in prora tutelae navis presidet.‟ „Vocatur ille in navibus cujus est omnium vasorum et instrumentorum curam habere‟. Brem. Mscr. „Und dese jegenwardige beide menne mit ohm (dem Capitain) gesegelt dar dann Gerth Spanman thom ersten schymman, auerst darnach houetbossman gewesen‟, Brem. Urk. v. 1580. Nach einer Wismarer Urkunde von 1580 unterschied man: A. hovetbossmann, B. schymman, C. tymmerman, D. E. F. bosmans, G. puitker auf einem Schiffe; letzterer war der Geringste (s. Pütker). Dem deutschen Schiemann entspricht das dänische Skibmand und das schwedische Skipman, und das legt die Annahme nahe, daß Schiemann eigentlich Schipmann (entsprechend den Bootsmann) geheißen habe und daß das p vor m ausgefallen sei, beziehungsweise sich zu m assimiliert habe. Die Frage würde uns nichts weiter angehen, da die Tage des Schiemanns vorüber sind, und mit dem Amt wäre auch der Name ausgestorben, wenn nicht das Wort Schiemannsgarn ihn gerettet hätte, die Bezeichnung eines schönen, glatten, sauber geschlagenen zu den verschiedensten Zwecken verwendbaren dicken Bindfadens. Nach Weiland hätte der schimman davon den Namen, „om dat hy is de schim en schaduw van den hoogbootsman‟ (!)

Schiff, das, hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen durchgemacht, daß es vermessen wäre, mit wenigen Worten sagen zu wollen, was ein Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens „Schiff‟. Es ist behauptet worden, es läge ihm ein vorauszusetzendes gotisches Zeitwort skipan zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, „hohl machen‟. Es ist auch nicht zu leugnen, daß das Wort den Eindruck macht, als habe in frühesten, indogermanischen Zeiten die Stammsilbe den Vokal i getragen. Indessen verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff hat einen reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da ist 1, das hochdeutsche Schiff, 2, das niederländische scheep, 3, das altfriesische skapp, 4, das gädhelische sgiob. Zu 1, gehört mittelhochdeutsch schif, althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch skip, angelsächsisch scip, englisch ship, altsächsisch skip, neuniederländisch in der Einzahl schip, dänisch skib, französisch esquif (Boot). Zu 2, die neuniederländische Mehrzahl von schip, schepen, mittel-und altniederländisch scheep, mittelniederdeutsch schep, schepen, scheper, althochdeutsch scef, scefsaufi, scefsaufig-schiffbrüchig, lettisch skepe. Zu 3, bretonisch skaf, gädhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn wir nun in so verschiedenen Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen anstatt des i oder des e den Vokal a finden, so kann es nicht allzu kühn sein, auf eine vorgermanische Wurzel skap und auf das althochdeutsche skapjan als Ursprung zu schließen. Dieses letztere Zeitwort skapjan heißt schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen Schöpfungsberichtes: „etwas aus nichts ins Dasein rufen‟, sondern gemäß dem altgermanisch-heidnischen Schöpfungsgedanken: „aus rohem Stoffe etwas zu einer Gestalt herausbilden‟. Und zwar geschah solches Herausbilden aus dem Urstoff nach germanischer Vorstellung durch „schaben‟. (s. schaffen = essen). Holz war der Stoff an den man dachte. Skapjan heißt, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz etwas herstellen, „schaffen‟; heißt durch Ausstechen, Ausgraben, Aushöhlen, Schnitzen, Schneiden, Glätten, Hobeln, Schaben einen Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunächst nur ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet man bei den alten Deutschen so häufig eine Zusammenstellung von Schiffen und Leichen und eine gewisse Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache ursprünglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafür aus der Tätigkeit bei der Herstellung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff ist vaisseau, provençalisch vaissel, englisch vessel, italienisch vascello vom lateinischen vas, vasculum = Gefäß. Das „Bremer Wörterbuch‟ glaubt die Sache damit abgetan zu haben, daß es schrieb, Schiff komme von schieben, „weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben wurden‟. Diese Erklärung ist um weniges besser als die scherzhafte, die vom schiefen Bau redet. — Die Ausrüstung etc. etc. eines Schiffes hieß mittelniederdeutsch eskipasje; daraus ist das französische Wort equipage geworden. — Hier eine kurze Übersicht über die Benennung der Schiffe wie sie gegenwärtig üblich ist. Bei den Segelschiffen wird die Unterscheidung nach der Art der Takelage getroffen. Ein Vollschiff hat drei vollgetakelte d. h. mit Rahen versehene Masten; eine Bark, die besonders stark vertretene Art von Segelschiffen für große Fahrt, hat Groß- und Fockmast mit Rahen, den Besanmast aber mit Schratsegeln, eine Schunerbark hat Masten wie eine Bark, aber an Groß- und Fockmast keine unteren Rahesegel sondern Gaffelsegel, eine Brigg hat Groß- und Fockmast, vollgetakelt und am ersteren noch einen Besan, der aber Briggsegel heißt; eine Polackerbrigg, s. d., eine Schunerbrigg oder Brigantine ist wie die Schunerbark getakelt, doch ohne Besanmast, ein Dreimast-Marssegel-Schuner hat den Fockmast vollgetakelt und der Großmast ist gleich dem Besanmast, ein Dreimast-Gaffel-Schuner hat drei Besanmasten, die aber Schunermasten genannt werden; ein Dreimast-Topsegel-Schuner ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur daß sein Fockmast Mars-und Bramrahen führt; ein Marssegel-Schuner hat den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein Topsegel-Schuner hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Mars-und Bramrahen führt; ein Gaffel-Schuner hat zwei einfache Schunermasten mit Gaffelsegel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige, weitverbreitete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Engländer nennen ihn fore and aftschuner, weil beide Masten gleich getakelt sind, und so kann man ihn auch bei uns nennen hören; ein Chasse-Marée s. d.; ein Lugger s. d.; ein Kutter s. d.; ein Slup s. Schaluppe. — Außerdem gibt es Viermastschiffe, und zwar Viermast-Vollschiffe mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, „a small square sail on a mast and boom at the stern of a boat,‟ man würde also Treibermast sagen können; Viermastbarkschiffe mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Besanmast; und Viermastschuner, ebenfalls mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Besanmast. Und sogar zu Fünfmastschiffen hat man sich verstiegen, nämlich zu Fünfmastvollschiffen, Fünfmastbarkschiffen, Fünfmastschunern; als Namen für die Masten der ersteren sind in Vorschlag gebracht Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Achterkreuzmast; für die beiden letzteren Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Besanmast. — Die Kriegsschiffe werden bei uns zur Zeit eingeteilt in Linienschiffe, Küstenpanzerschiffe, Große Kreuzer, Kleine Kreuzer, Panzerkanonenboote, Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge. — Über die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck.

Schiffsbesichtigungskommission, die, eine Kommission bei der Kaiserlichen Marine, bestehend aus einem Seeoffizier und den nötigen technischen Mitgliedern, deren Aufgabe es ist, Handelsdampfer auf ihre Brauchbarkeit als Kriegschiffe zu besichtigen und sich über ihre Verwendbarkeit im Falle einer Mobilmachung etc. auf dem Laufenden zu erhalten. Schon vor 600 Jahren wußte man von einer, allerdings nur nach Bedarf im einzelnen Falle zusammentretenden Schiffsbesichtigungskommission. Im Jahre 1293 erteilte König Philipp der Schöne von Frankreich als Lehnsherr über Flandern „den Bürgern und Einwohnern von Lübeck, Gothland, Riga, Campen, Hamburg, Wismar, Rostock, Stralsund und Elbingen und einigen anderen das deutsche Meer befahrenden Kaufleuten, bey ihrer Fahrt auf Flandern oder von da zurück, es sey zu Wasser oder zu Land, in allen Teilen seines Reichs freyen Handel gegen Erledigung der üblichen Abgaben. Jedoch sollten sie nirgends nach Frankreich Wolle, Leder oder andere Waren aus England, Schottland oder Irland oder aus Landesteilen, die der Herrschaft der Engländer unterworfen sind, einführen, noch selbst auf dem Meere verschiffen, bei Verfall des Gutes und anderen Strafen nach des Königs Gutdünken. Ebenso sollten sie keine Güter aus Frankreich nach England führen und daselbst verkaufen, bei gleicher Strafe. Auch behält sich der König vor, ihre Schiffe, die er zum Kriegführen bedürfe, ihnen abzumieten oder abzukaufen, nach der Schätzung von vier unbescholtenen Männern, zur Hälfte aus ihrer, zur andern aus des Königs Untertanen genommen.‟ (Sartorius. — Lappenberg, Hansa, I 272.)

Schiffsregister, das. „Um nun jederzeit den an den Schiffahrtsverhältnissen beteiligten Kreisen Gelegenheit zu geben, sich über den Zustand irgend eines Schiffes ausreichend zu unterrichten, werden von den Besichtigungsinstituten Register, d. h. Schiffslisten, herausgegeben. Diese enthalten außer dem Namen und dem Unterscheidungssignal der bei dem bezüglichen Besichtigungsinstitut klassifizierten Schiffe die Hauptdimensionen derselben, die Klassenzeichen (s. A), das Datum der letzten Besichtigung und die Angabe des Materials, aus welchem sie erbaut sind, u. dergl. m.‟ Besonders enthalten sie auch die Klassifizierung nach Art der Fahrten. Dabei bedeutet k Kleine Küstenfahrt, die Fahrt längs den Küsten des Festlandes und den Inseln der Nordsee vom Kap Gris Nez bis zum Aggerkanal, im Kattegat südlich von Friedrichshaven und Gothenburg, in den Belten und im Sund, sowie längs der Küste der Ostsee.

K Große Küstenfahrt, die Fahrt in der Ostsee, in der Nordsee, im Englischen Kanal, im Mittelländischen und Schwarzen Meer, sowie in überseeischen Gewässern ähnlicher Art.

Atl. Atlantische Fahrt, die Fahrt innerhalb des Atlantischen Ozeans, sowie Zwischenfahrten in indischen und chinesischen Gewässern und im Stillen Ozean.

L. Große Fahrt, die für die vorhergehenden Fahrten festgesetzten Grenzen überschreitende Fahrt.

Schiffe, deren Bug mit besonderen Verstärkungen für die Fahrt durch Eis versehen ist, erhalten außer dem Fahrzeichen noch die Bezeichnung: (E).

Schiffstaufe, die = Stapellauf. Diese Taufe erinnert äußerlich in zweierlei Hinsicht an das christliche Sakrament der Taufe, wie wenig sie auch sonst damit zu tun hat. Einmal ist taufen = tauchen, was früher beim Sakrament der Taufe geschah und jetzt bei der Schiffstaufe geschieht, indem das Schiff, wie es bei den dabei gehaltenen Reden zu heißen pflegt, „in sein Element hinabtaucht.‟ Sodann ist die Namengebung mit dem Tauchen verbunden. Frühe schon ist das altgermanisch-heidnische Namensgebungsfest mit der christlichen Taufe zu einer Feier verbunden worden. Bis zum Augenblick der Taufe wird — wenigstens bei uns; bei anderen Nationen ist es, wie auch bei unseren Handelsschiffen, anders — der Name eines Kriegsschiffes geheim gehalten. Es ist daher für die beteiligten Kreise ein spannendes Geschäft, aus den Einladungen, aus den Zurüstungen und Vorbereitungen und zuletzt aus dem Verlauf der Taufrede den kommenden Namen zu erraten.

schiften heißt irgend eine Sache von einer Seite auf die andere bringen, von einer Stelle auf die andere bewegen, ihr einen andern, neuen, besseren, unter veränderten Umständen richtigeren Platz anweisen, etwas teilen, abteilen, absondern, ordnen, anordnen, sichten, schichten. Das Wort ist niederdeutsche Form für schichten, nach dem so oft zur Anwendung gekommenen Gesetz der Lautverschiebung, nach dem Graft und Gracht, Schacht und Schaft, Kraft und kracht und viele ähnliche sich einander entsprechen.

schlackern bedeutet eine Ungeschicklichkeit oder Unvorsichtigkeit beim Rudern, infolge deren das Wasser spritzt und die im Boote befindlichen Leute naß macht. Ein niederdeutsches Wort, das gebraucht wird wenn ein Kind etwas von seiner Suppe auf das Tischtuch oder die Serviette tropfen läßt; sodann auch für anhaltenden feinen Regen, für Nässen, Schmutzen, Beschmutzen. Das Wort ist Iterativum von slaggen, das wir im Hochdeutschen in der Verbindung Niederschlag und Schlagregen kennen.

Schladding, die. Es gibt viele Arten, auf die das Tauwerk an Stellen, wo es dem Schamfilen ausgesetzt ist, bekleidet und geschützt wird. Eine derselben nennt man Schladding, d. h. mit Schladding bekleiden. Das niederdeutsche Wort sladde heißt Lumpen, Lappen, Fetzen, Stück altes Zeug. Eine Schladding ist also die Bekleidung eines Taues mit altem Segeltuch. Sladde ist verwandt mit unserem schlodderig, bedeutet also etwas das schlaff, nachlässig, unordentlich lumpig herunterhängend ist.

Schlag, der.

1. Röding: „Wenn man ein Tau um einen Gegenstand herumschlägt, zum Beispiel um ein anderes Tau, um ein Spill u. s. w., so daß es eine ganze Umwälzung um diesen Gegenstand macht und die beiden Enden kreuzweise über einander zu liegen kommen, so ist dieses ein ganzer oder ein runder Schlag; macht man diese Umwälzung noch einmal, so ist es ein doppelter Schlag; geht die Umwälzung aber nicht rund um, so daß sich die beiden Enden nicht berühren, so ist es nur ein halber Schlag.‟

2. Wenn ein Schiff zu kreuzen genötigt ist und es fährt demgemäß einmal nach einer und dann nach der anderen Richtung, so nennt man jedesmal die nach einer Richtung zurückgelegte Strecke einen Schlag.

3. Der Schlag mit dem Riemen beim Rudern; er ist ein „Schlag ins Wasser‟, aber ein wirkungsvoller, nicht, wie im Hochdeutschen, eine vergebliche Arbeit.

4. Wenn ein Schiff ungleich geladen ist und sich infolgedessen auf die Seite neigt, so sagt man: es hat Schlagseite.

Alle diese seemännischen Bedeutungen von Schlag gehen, wie überhaupt auch sämtliche hochdeutsche Anwendungen des Wortes, auf die ursprüngliche Bedeutung des Zeitwortes schlagen zurück, gotisch slahan: unaufgehalten eine gewisse Richtung einschlagen.

Schlappgording, das, gehört zu den Gordingen der unteren, großen Segel und hilft deren Tuch nahe an die Rahe bringen, wenn sie festgemacht werden sollen. Und zwar holen die Buggordinge das Unterliek des Segels nach der Mitte der Rahe, die Nockgordinge das Seitenliek steif längs der Rahe. Nachdem dieses geschehen ist hängt immer loses Tuch schlapp, d. h. ohne daß eine andere Kraft als die der eigenen darauf steht, unter den Rahearmen. So sind denn hier auch noch Gordinge angebracht, die, weil sie das schlappe Tuch an die Rahe holen, Schlappgordinge heißen.

Schlaufe, die, bedeutet das was hochdeutsch eine Schleife heißt, ein Öhr, eine Öffnung, eine Schlinge. Das Wort ist nichtniederdeutsches Dialektwort und daher dem niederdeutschen Seemann wenig mundgerecht. Althochdeutsch slouf, mittelhochdeutsch sloufe (Lexer, 233) von sloufen. Im Niederdeutschen ist slöpe, slove, slöfe = geschlungener Knoten.

Schlenge, die, heißt ein faschinenartiges, von Pfählen festgehaltenes Reisiggeflecht zum Schütze der Küste oder des Ufers und zur Beförderung des Landanwuchses, da die Schlengen den Schlick bei ablaufendem Wasser zurückhalten und ansammeln. Sie finden sich überall da, wo es Schutz gilt gegen das Losreißen von Land durch die Meeresfluten und wo man zugleich dem Meere Land abgewinnen will, wie das am Dollart, an der Jade und anderswo bereits mit großem Erfolg versucht worden ist. Das Wort kommt von schlingen, niederdeutsch slengen, da das Reisig durch Verschlingen und Flechten Festigkeit erhält.

schleppen, kommt für sich allein und in Zusammensetzungen wie abschleppen, aufschleppen, ausschleppen, einschleppen vor und bedeutet, daß ein Schiff ein anderes fortbewegt, das sich aus eigener Kraft nicht fortbewegen kann oder mag. Das schleppende Schiff heißt, wenn es das Schleppen als Beruf betreibt, Schlepper oder Schleppdampfer, und man sagt, daß es das geschleppte Schiff im Schlepp hat. Niederdeutsch slepen, Weiterbildung von slipen, heißt gleiten machen, machen daß sich etwas gleitend bewegt. Daher heißt eine Last schleppen nicht sie auf der Schulter tragen, sondern sie auf dem Boden hinter sich herziehen (s. Schlipp).

Schleuse, die. „Ein sehr nützliches Wassergebäude, vermittelst dessen sich das Wasser in dem von dieser Schleuse eingeschlossenen Raum oder in der Kammer derselben erhöhen und erniedrigen läßt.‟ (Roeding) Schleusen, die einen Hafen vor den Bewegungen der Ebbe und Flut verschließen, waren demnach vor 100 Jahren noch nicht üblich. Da eine Schleuse ein Verschlußding ist, so hat man zur Erklärung auf das althochdeutsche sliozan, schließen, schließen wollen; das geht aber nicht, weil sonst sich das z zu t im Niederdeutschen und Niederländischen hätte verschieben müssen, das ist aber nicht geschehen, da Schleuse hier nicht slüt und sluyt, sondern slüs und sluys heißt. Daher müssen wir im romanischen Sprachgebiet Umschau halten, wo man früh mit Erbauung von Wasserwerken begann. Schleuse kommt in der Tat von daher. Vom lateinischen excludere ist zunächst das mittellateinische exclusa, sclusa gebildet, davon das spanische esclusa und französische écluse, das sich durchs Holländische — sluys, sprich sleus — zum deutschen Schleuse weitergebildet hat.

Schlick, der, ist der an den Nordseeküsten sich niederschlagende zarte, weiche, fette, schlüpfrige, sehr fruchtbare Meeresschlamm, die Erde aus der Kooge, Groden und Polder bestehen, aus der der Marschboden sich gebildet hat. Neuerdings bringt man von der Küste den ausgebaggerten Schlick ins Binnenland zur Verbesserung unfruchtbarer Moor-und Haidestrecken. — Das Wort müßte eigentlich Schlich oder wenigstens Schliek heißen und heißt an Ort und Stelle auch slik mit langem i, weil es von sliken, schleichen, gleiten, schlüpfen kommt; also „schlüpfrige Erde.‟ — „Schlickrutscher‟ nennt man an der Nordsee scherzweise die Küstenfahrer.

schlieren, bedeutet das Rutschen einer Sache; z. B. wenn einer ein Tau fiert und er fiert es nicht Hand über Hand, sondern läßt es sich durch die Hand rutschen, was unter Umständen eine schmerzliche Verletzung derselben verursachen kann, so schliert das Tau. Oder es macht einer eine Schlinge, die sich nicht zuziehen soll und er macht sie nicht ganz richtig, daß sie sich doch gleitend zusammenzieht, so heißt es: der Knoten schliert zu. Ein niederdeutsches Zeitwort, eigentlich sliren, mit der Bedeutung gleiten, schlüpfen, rutschen; zusammengezogen aus sliddern, dem bekannten Zeitwort schliddern für schleifen, glitschen, wie es Kinder auf zugefrorener Gosse betreiben.

schlingern bedeutet im Sprachgebrauche des Seemanns das Schwanken des Schiffes nach beiden Seiten hin, das Sichüberlegen bald nach Steuerbord, bald nach Backbord. Das Zeitwort ist Iterativum vom niederdeutschen slingen, und dieses bedeutet eigentlich: sich bewegen wie eine Schlange, Schlangenbewegungen machen, also das hochdeutsche „schlängeln.‟ — Um die keineswegs zu den Annehmlichkeiten der Seefahrt gehörigen Schlangenbewegungen eines Schiffes zu vermindern, werden in neuerer Zeit an den Schiffen besondere Schlingerkiele angebracht. „Sie sind stets symmetrisch auf beiden Schiffsseiten in der Kimm, d. h. an der Stelle des Schiffsbodens angebracht, welche die Abrundung zwischen dem horizontalen und vertikalen Teile bildet. Sie erstrecken sich der Länge nach etwa über die halbe Schiffslänge, und zwar in der Mitte des Schiffes, und sind an den vorderen und hinteren Enden in einer schlanken Kurve abgerundet‟.

Schlipp, die, ist eine Art Helling, eine geneigte Ebene am Wasser, auf die man ein ausbesserungsbedürftiges Schiff aufschleppt. Aber nicht vom Schleppen hat sie den Namen, sondern von schlippen; denn nicht daß das Schiff aufgeschleppt wird ist die Hauptsache und hat bei der Benennung den Ausschlag gegeben, sondern die bequeme Art, auf die man das ausgebesserte Schiff wieder zu Wasser bekommt, indem man es einfach schlippen läßt. Darum ist es nicht ratsam, daß man, wie neuerdings wohl geschieht, die Schlipp Schleppe nennt, denn Schleppe ist etwas das geschleppt wird; das fertig ausgebesserte Schiff wird aber nicht geschleppt, abgeschleppt wie ein auf Grund geratenes Fahrzeug, sondern man läßt es schlippen, auf der Schlipp, auf der geneigten Ebene zum Wasser hinab gleiten; grade wie man eine Ankerkette durch öffnen des Schlippschäkels schlippen, d. h. ins Wasser hinabgleiten läßt, wenn man keine Zeit hat den Anker zu lichten. Niederdeutsch slippen = schlüpfen, gleiten, hinabgleiten.

Schloiknie, das. „Die Schloikniee dienen dazu, den Auslieger des Galjons von der Seite zu umfassen und mit dem Bug des Schiffes zu verbinden. Auf jeder Seite des Galjons liegen deren zwei; der gebogene Arm liegt mit seiner hohlen Bugt gegen den Bug des Schiffes, und zwar auf dem Bergholz, der andere Arm ist mit dem Ausleger verbolzt.‟ Bobrik II. 2. 2371. Das für unser Auge etwas sonderbar aussehende Schloi müßte eigentlich Sloi heißen und hat im Niederländischen, woher es stammt, die Form sluy. Unser niederdeutsches sluten = schließen heißt nämlich im Niederdeutschen sluiten, sluyten, und bedeutet ursprünglich biegen, krümmen, zusammenbiegen, vereinigen, verbinden, lateinisch claudeo. Dieser Begriff liegt ganz und voll in Schloiknie, das mit zwei Armen eine Verbindung herstellt zwischen Schiff und Gallion.

Schlossholz, das, ist kein Holz, sondern ein vierkantiges Stück Eisen, das durch das Schloßgat am Fuße der Stenge durchgesteckt wird, so daß die beiden vorstehenden Enden auf die Längssaling aufzusitzen kommen und so die Last der Stenge tragen. Das Schloßholz ist also nicht nur kein Holz, es ist auch kein Schloß. Es müßte Schlußholz oder Schließholz heißen, da es den Anschluß der Stenge an den Mast bewirken hilft und niederdeutsch slotholz, niederländisch slothout, sluthout im Dänischen, sluthult im Schwedischen heißt. Im Mittelhochdeutschen heißt sloz Schlußstein eines Gewölbes.

Schmack, die, ein Küstenfahrzeug mit flachem Boden, vorn und hinten voll und rund gebaut, mit einem Pfahlmast und einem Treiber. Englisch smack: „A large sloop, with a gaff-topsail and a running bowsprit, used chiefly in the coasting and fishing trade.‟ Französisch semaque, niederländisch smak, niederdeutsch smak und smakke. Das Wort steht für Schnack, vielleicht weil die Erinnerung an Schnack = Geschwätz vermieden werden sollte. — Im Niederdeutschen ist snake eine Art von Schlangen, die sich im Wasser, in Sümpfen und alten Gräben aufhält und herumkriecht und schleicht. Von dieser Bewegung wird das an den Küsten herumkriechende und schleichende — vergl. „Schlickrutscher‟ — glatte Fahrzeug den Namen haben. Schon im Althochdeutschen gab es einen Schiffsnamen snacga, mittelhochdeutsch snacke, und zwar war es ein „langsam fahrendes‟ Schiff, mit sneggo, Schnecke (s. Schnigge) verwandt, vom althochdeutschen snahan, kriechen, schleichen. Man dachte also jedenfalls an ein schwerfälliges Schiff, denn man machte auch in althochdeutschen Zeiten schon Unterschiede zwischen langsamen und schnelleren Schiffen. So bedeutete seit dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung tragamunt, tragemunt, tragmunt ein sehr schnellfahrendes Schiff, altnordisch dromundr; altfranzösisch dromon; griechisch dromon, der Läufer, (nicht zu verwechseln mit dem tragemunt, aus dem unser Dragoman (s. d.) entstanden ist). — Verwandt ist mit Schmack auch das angelsächsische snacca. Aus der französischen Form für Schmack semaque ist das italienische semacca, das spanische, portugiesische zumaca entstanden.

Schmarting, die, ist eine Bekleidung einer dem Schamfilen ausgesetzten Stelle mit altem Segeltuch, also im Wesentlichen dasselbe wie Schladding, nur daß man bei beiden Wörtern von verschiedenen Gesichtspunkten ausgegangen ist; bei Schladding von der Bekleidung, bei Schmarting aber von dem Schaden, der entsteht, wenn die betreffende Stelle nicht bekleidet ist, denn dann gibt es eine Schmarting, ostfriesisch-niederländisch smarting, eine durch Reiben entzündete Stelle auf der Haut, eine schmerzhafte Verletzung; smarten heißt schmerzen, aber nicht so allgemein wie im Hochdeutschen, sondern: „durch Reiben wund werden und dann wehe tun‟; daher das Wort smartfel = schampfel (s. schamfilen) für Epidermis, da diese sich durch Reiben an einem harten Gegenstand leicht „schamfilt‟ und dann sehr schmerzt. Solches Reiben zu verhüten, solche „Schmarting‟ zu verhindern, wird eine Schmarting angelegt.

Schmeerreep, das, ist ein Sicherheitstau, das geschoren wird, um in Wirkung zu treten, wenn das eigentliche Tau aus irgend einem Grunde nicht halten sollte; also etwas das an sich überflüssig ist und nur der größeren Vorsicht halber, um ein Übriges zu tun, benützt wird, damit man desto besser und sicherer fahre. Es mag der Benennung der Gedanke an das Sprichwort zu Grunde liegen: „Wer gut schmeert, der gut fährt‟, d. h. wer dem Kutscher kein Trinkgeld gibt, der fährt zwar auch, wer ihm aber eins verabreicht, der fährt besser, schneller, sicherer. Jemanden schmieren heißt ihn bestechen, sich seiner durch Bestechung versichern, und eine Versicherung ist das Schmeerreep, ist auch die Schmiergording gewesen. — Es braucht kaum ausdrücklich bemerkt zu werden, daß das Gesagte nur den Wert einer Vermutung hat und daß unser Wort noch einer wissenschaftlichen Erklärung harrt.

Schmiege, die, heißt der mit einer beweglichen Zunge versehene Zollstock der Schiffszimmerleute, der dazu dient, die Schmiegung d. h. die Abweichung vom rechten Winkel zu messen, wie sie sich der Gestalt des Schiffes gemäß an den Spanten findet; ein Schrägemaß. Die Bedeutung von schmiegen ist „sich eng an etwas drücken‟, wobei man sich, wenn es not tut, aus der geraden in eine geneigte Lage bewegen muß, seinen Winkel zu verändern genötigt sein kann. Hierher gehören auch schmücken, weil das schmückende Kleid sich anschmiegt und schmuggeln, weil der Schmuggler ein sehr anschmiegendes Wesen haben muß, um hinter einem Baum oder Busch Deckung suchen zu können.

Schnabel, der, meist in der Verbindung Schiffsschnabel, ist der vorderste Teil des Schiffes, wie Schnabel der vorderste Teil des Vogels ist. Schon bei den Alten hatte der Bug eine rostrumartige, geschnäbelte Gestalt, wie die columna rostrata hinlänglich beweist. Aus rostrum ist spanisch und portugiesisch rostro = Angesicht entstanden, wie es auch schon im Lateinischen bei Plautus und anderen Schriftstellern gebraucht worden war, als zwar volkstümliche, aber nicht unedle Bezeichnung. Bei uns wird Schnabel für Mund gebraucht, aber nur in verächtlichem Sinne. Der Seemann sagt von seinem Schiff lieber: „es steckt die Nase in den Wind‟ als: „es steckt den Schnabel in den Wind‟. — Das Wort gehört zu der in schnappen enthaltenen Wurzel snab.

Schnau, die, ein Schiff wie eine Brigg, also zweimastig, mit Rahesegeln, aber mit der besonderen Eigentümlichkeit, daß für den Besan ein besonderer Mast errichtet ist, und zwar ganz dicht hinter dem Großmast, so nahe, daß sein oberes Ende zwischen der Längssaling dieses Mastes befestigt ist. Diese Einrichtung ist geblieben, auch nachdem die Schnau selbst verschwunden ist: man hat heute noch neben den Masten Schnaumasten stehen für die Schratsegel und den Besan. — Schnau kommt vom niederdeutschen snau der Schnabel, eigentlich die Schnauze; ursprünglich hat also nicht dieser eigentümliche Mast, sondern der besonders auffallend oder hervorragende Schnabel den Namen hergegeben, das rostrum. Niederländisch snauw, dänisch snau, schwedisch snau, englisch snow, französisch senau, italienisch senau, portugiesisch senau. Das Bremer Wörterbuch sagt: snau = Schnauze, das hervorstehende Maul mit der Nase bei einigen Tieren. Im uneigentlichen Sinne wird es von einigen leblosen Dingen, deren vorderstes Ende hervorragt oder schmal und scharf zugeht, gebraucht, z. B. Schiffe sind up de snau gebaut, wenn sie vorne spitz zulaufen.‟ So hat ja auch im Hochdeutschen eine Kanne eine „Schnauze.‟

Schnicke, die, war zu Rödings Zeiten (1794) ein kurzes, rundes, bloß in der Nordsee gebräuchliches Fahrzeug zum Fisch-und Austernfang, kleiner als die Schmack; jetzt (Doornkaat) ein leichtes, langes und spitz zulaufendes Fährboot für Binnenkanäle. Zur mittelniederdeutschen Zeit war es ein Beiboot einer Kogge. In einer Lübischen Urkunde von 1368 heißt es: de stede schollen othmaken teyn cogghen ghemannet mit ghuden wepenern, dat is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute onde een snykke.‟ Es ist eigentlich dasselbe wie Schmack, jedenfalls gleichen Ursprungs mit diesem vom althochdeutschen snahan, kriechen, gleiten, schlüpfen, schleichen; es bedeutet also jedenfalls keinen besonderen Schnellsegler. Niederländisch snick, altnordisch, norwegisch snekkja, dänisch snekke, snakke, althochdeutsch snacga.

Schnürboden, der. Wenn die Pläne und Zeichnungen eines Schiffes fertig sind und es geht nun an die Ausführung, so ist die erste Arbeit das Abschnüren des Schiffes. „Es ist dies eine Arbeit, welche das Aufzeichnen der Konstruktionslinien des Schiffes in natürlicher Größe auf dem Fußboden eines besonders hierfür gebauten Raumes, des sogenannten Schnürbodens, ausmacht.‟ Das Aufzeichnen geschieht nach den betreffenden Maßen der Pläne mittelst der Meßschnur.

Schoner, auch Schuner, der. Das Kennzeichnende dieses seetüchtigen, gutsegelnden, leicht zu bedienenden schmucken Segelschiffes ist die ausgiebige Verwendung von Schratsegeln. Wenn man von einer Schuner-Takelage spricht, so sind stets Schratsegel gemeint im Gegensatz zu Rahesegeln. So sagt man z. B. Schunerbrigg zu einem Fahrzeug, das vorne Rahen, hinten Schunertakelage hat. Niederländisch schoener, schwedisch, dänisch skooner, französisch schouner, italienisch, spanisch, portugiesisch scuna, englisch schooner, scooner. Das Wort soll amerikanischen, neuenglischen — im geographischen Sinne — Ursprunges sein. „It seems to have been proved beyond controvercy that the name, like the vessel itself, is of American origin, being from a New England word scoon, to skim or skip upon the water, to make ducks and drakes. The first vessel of the kind is said to have been built at Gloucester, Mass „by Captain Andrew Robinson about 1713; and the name was given to it from the following circumstance. Captain R. hat constructed a vessel, which he masted and rigged in the manner that schooners now are, and on her going off the Stocks into the water a bystander cried out; „O how she scoons!‟ R. instantly replied: „A scooner let her be;‟ and from that time this class of vessels has gone by that name.‟ Also von der leichten, schwebenden Bewegung ist der Name genommen.

Schönfahrsegel, das, verkürzt Schoversegel (bei Röding). Man sollte denken, das wäre die richtige Bezeichnung für Leesegel, weil diese nur bei schönem Wetter gefahren werden. Das ist aber nicht der Fall, sondern das Großsegel heißt so. Offenbar darum, weil es das hauptsächlichste Segel ist, das dem Winde die meiste Fläche darbietet, das also die schönste d. h. schnellste Fahrt verursacht. Auch war es das Segel, das am längsten stehen blieb, wenn andere bereits geborgen waren, das Segel, vor dem sichs am schönsten beiliegen ließ. Der Verfasser der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt,‟ Lübeck 1673, schreibt: „Wie ich Anno 1647 in des Hertzogen von Venetien Diensten war, kamen auff uns zu, zwischen Candia und Malta in der Morgenstund der Admiral von Tripoli, gemondiert mit 36 Stücken und 16 Metanen Bassen: wir fochten mit ihnen von dem Morgen biß an den Abend ungefehr zu 6 Uhren. Es war ein hartes Gefecht, so, daß wir unterweilen ein dem andern eine geraume Zeit an Bort lagen, biß endlich unser Schiff durch 55 Fatiens, oder fünff und fünfftzig hundert Pundt Pulver, mit allen die darinnen wahren auffflohe und das Unterteil ging alsofort zu Grunde. Ich aber war zu meinem Glück gerade zuvor über Bort gesprungen, weil ich sahe, daß ich nicht länger Zeit hatte da zu bleiben, daß Wasser ging aber ziemlich holl, weil wir die vorige Nacht vor ein Schonvorsegel hätten beygelegen, welches auch beyde Schiffe ins bordiren so an einander rammeln thäte, daß man kaum das stehend darin behalten konte.‟

Schore, die, oft auch pleonastisch Schorbaum, ist ein als Stütze dienender Balken; so heißen z. B. die Bäume, mit denen man ein aufgeschlepptes oder im Dock befindliches Schiff stützt, Schoren. Niederländisch schoor, altenglisch schore, englisch schore. Es bedeutet ein geschnittenes, gespaltetes Stück Holz und ist mit scheren gleicher Herkunft von skeren (Präter. schor), aus der Wurzel skar, schneiden, spalten.

Schot, die, das Tau, welches die untere Ecke eines Rahesegels nach unten und hinten, die hintere Ecke eines Gaffelsegels oder eines Stagsegels nach hinten holt. Eigentlich heißt aber die Ecke Schot, an der dieses Tau befestigt ist. Der größeren Deutlichkeit wegen, heißt diese Ecke jetzt tautologisch Schothorn oder Schothörn; Schot allein würde aber völlig genügen, wenn eben nicht der Name des Segelteiles auf das daran sitzende Tau übergesprungen wäre. Denn Schot heißt Schooß = Zipfel, Ecke, herunterhängender Teil eines Kleides, Rockschooß. Also: Ecke des Segels. Von Schot kommt altfranzösisch escota, französisch écoute, spanisch, portugiesisch escota, italienisch scotta, von sciozan, schiezan, sciezen, schissen; mit der Urbedeutung des Vorschießens, des Vorspringens. Angelsächsisch sceat, vorspringende Ecke; gotisch skauts, Schooß; mittelhochdeutsch schoz. Der Teuthonista kannte das Wort noch nicht, sonst hätte er nicht eine so umständliche Umschreibung desselben gegeben. Bei Kilian ist es aber deutlich als seemännisch zu erkennen; er hat schoot = gremium, sinus und schoot-horn: pes veli, extremum velis angulus; schoot viere = laxare funem sive imum angulum velis navis. — Die Schot wird im Einzelnen nach ihrem Segel benannt; Wasserschoten sind die dem Wasser sehr nahen, manchmal sogar naß werdenden Schoten der Unterleesegel. Die Ausdrücke Binnenschot und Außenschot erklären sich von selbst.

Schott, das. Die neuen großen Schiffe sind alle durch Querwände in verschiedene Abteilungen geteilt, die mit verschließbaren Türen versehen sind. Sind diese geschlossen, so besteht das Schiff aus einzelnen von einander wasserdicht getrennten Räumen. Wenn nun in Folge einer Havarie einer derselben voll Wasser läuft, so werden die anderen nicht in Mitleidenschaft gezogen und das Schiff bleibt flott. — Bremer Wörterbuch: Schott = Riegel, Schub oder Falltür, wodurch eine zudringende Materie abgehalten wird; schotten = verriegeln, verschließen, absondern durch eine Scheidung, wofür man auch abschotten sagt, einen kleineren Raum von einem größeren durch eine Bretterwand trennen. — Bei unseren neuen großen Schleusen haben sie auch Schotten, man hat aber die seemännische Form dafür verschmäht und gemeint, eine hochdeutsche Form wählen zu sollen und sagt daher Schütze. Es ist das Schott ja auch ein Schutz, aber Schott hätte genügt; niederdeutsch schot und schüt: „ein Brett oder eine lose Holzwand, ein hölzerner Schieber, eine Holzklappe etc. zum Schütten oder Abhalten (Absperren, Abschließen etc.) und Stauen des Wassers, bz. zum Schutz und zur Sicherheit gegen das Ein-und Durchbrechen des Wassers bei Sturmfluten, oder auch zum Schütten oder Ein-und Aussperren des Viehes.‟ — In oldenburgischen und ostfriesischen Zeitungen liest man wohl einmal eine Anzeige: „Geschüttet ein Schaf; abzuholen im Schüttstall bei N. N.‟ — Kilianus: schutten = sepire, intersepire, intercludere, daher: schut, schot = septum, locus conclusus.

schralen. Der Wind schralt, wenn er sich so dreht, daß er anfängt für die Fahrt des Schiffes ungünstig zu werden, so daß man bald nicht mehr Kurs halten kann. Das Gegenteil von raumen. Eigentlich heißt schralen schlecht, ungünstig werden; schral heißt ostfriesisch schlecht, mager, dünn, elend, arm, knapp; man kann schralen also übersetzen mit knapp werden, der Wind wird knapp, nicht in Bezug auf seine Kraft und Stärke, denn das würde abflauen heißen, sondern vielmehr in Bezug auf seine Richtung, so daß man nur noch knapp oder vielleicht schon gar nicht mehr beim Winde steuernd zugleich auch Kurs steuern kann. „Unzureichend‟ dürfte der allgemeine Begriff von schral sein; niederländisch schraal, westfriesisch schreal, nordfriesisch skral, norwegisch skral, dänisch skral, bei Kilian schrael; alle mit mehr oder weniger verschiedenen Nebenbedeutungen. Beim seemännischen Gebrauch des Wortes ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß bei der ungünstigen Drehung, die der Wind macht, auch zugleich ein schwächeres Wehen eintritt, doch ist zunächst sicher nur an die Richtung gedacht.

schrapen, mit einem Schraper die Farbe von etwas abkratzen, um es dann neu und besser zu malen. Ein gemeinniederdeutsches Wort, das außer in der Form schrapen auch in der von schrappen und schrabben vorkommt und bedeutet: mit festem Drucke schaben, kratzen, scharren, striegeln, streichen; Rüben schaben, sich den Bart schaben, einen Fisch abschuppen; auch: sich den Bart oder den Mund (behaglich) streichen. In einer Lübecker Reformationsgeschichte von 1529-1531 heißt es: „Und verstunden sik de lude bi dem dome beter up ein mule to schrapen effte enen framen manne sin wyff tho schanden tho maken, als dat se over gades Wort scholden handelen und ordelen.‟ — Der Schraper ist ein dreieckiges Stück Eisen mit scharfen Kanten und einem Stiel. — Von der Form schrabben für schrapen kommt auch das bekannte Wort Schrubber, ein scharfer, steifer Besen zum Scheuern des Fußbodens, des Decks; ein „Leuwagen.‟

Schratsegel, das. Alle Segel die nicht an einer Rahe oder Spier fahren sind Schratsegel. Mit diesem Namen werden also alle Stagsegel und alle Gaffelsegel gemeinschaftlich bezeichnet, so daß Jager, Klüver, Stagsegel, Stengestagsegel, Vorgaffelsegel, Großgaffelsegel, Besan und Briggsegel unter dem Begriff und Namen Schratsegel zusammengefaßt werden. Im Niederdeutschen ist schrat das, was einen Winkel bildet, in schräger Richtung verläuft, die Gestalt eines Keils hat, was spitz zuläuft. Der Name ist also gewählt für das was allen Schratsegeln auch wirklich gemeinsam ist, daß sie nicht grade, sondern schief geschnitten sind. So nennt man schratdok „ein dreykantiges Halstuch des Frauenzimmers, deren zwey durch die Zerschneidung eines vierkantigen entstanden sind.‟ Diese Vorstellung lag wahrscheinlich auch der Benennung der Schratsegel zu Grunde, da ja besonders ein Stagsegel genau die Form eines solchen dreieckigen Busentuches der Frauen hat. Man könnte sich zwar die Sache auch so vorstellen, daß die Schratsegel immer schräge stehen, während die Rahesegel doch zuweilen auch einmal Vierkant gebraßt werden, aber dem widerstreitet doch zu sehr der eigentliche Begriff von schrat, der nicht sowohl das dreieckig Geschnittene, sondern vielmehr das dreieckig Geschnittene ist, denn die Wurzel dazu ist skru = schneiden, von der auch der Familiennamen Schröder = Schneider kommt. Ein Schratsegel ist also eigentlich ein geschnittenes Segel, gleichsam ein in der Diagonale durchgeschnittenes Rahesegel.

Schraubenbrunnen, der, ist ein im Heck angebrachter Schacht, in dem die Schraube hängt, wenn ein mit Dampfkraft versehenes Schiff segeln will. Die Schraube wird gelichtet, d. h. aus dem Wasser herausgezogen und in dem Brunnen aufgehängt, damit sie beim Segeln die Fahrt nicht hemme. Doch wird durch solchen Schraubenbrunnen das Heck eines Schiffes geschwächt, so daß man in Erwägung gezogen hat, ob dieser Nachteil nicht den geringen Vorteil der Aufhebung des Schraubenwiderstandes aufhebe.

schricken. Man schrickt ein (belegtes) Tau, wenn man es um ein weniges fiert. Es ist z. B. ein Kutter vorn etwas höher gehißt wie hinten; da es aber für das Auge des Seemanns durchaus erforderlich ist, daß der Kutter grade hängt, so muß der vordere Kutterläufer geschrickt werden. Oder es tritt Regen ein, der die Brassen naß macht und zusammenzieht, so daß sie allzu straff angespannt sind, dann werden die Brassen geschrickt. Da das Schricken nur bei einem Tau geschieht auf dem Kraft steht, so ist das Schricken mit einem Ruck verbunden, und der Fierende muß vorsichtig sein, daß er das Ende gut belegt hält, damit das Tau in seiner Gewalt bleibe. Schricken ist mit dem Schreck in Heuschreck nahe verwandt und mit unserem hochdeutschen Worte Schrecken, denn das demselben zu Grunde liegende althochdeutsche screckon heißt auffahren, aufspringen, springen, hüpfen, sich heftig, mit einem Ruck bewegen. Dem entspricht das niederdeutsche schrikken = springen, einen plötzlichen Ruck machen oder bekommen, auffahren, zurückfahren, schrecken, erschrecken. Doch kommt das seemännische schricken nicht unmittelbar vom althochdeutschen screckon, sondern von screcken, mittelhochdeutsch schrecken = springen machen, in Schrecken setzen. Es ist also dasselbe Wort, das eine Köchin gebraucht, wenn sie ein hart gekochtes Ei aus dem heißen Wasser plötzlich in ganz kaltes bringt, damit es sich besser schälen lasse.

Schrims, das, ist Abfall von Tauwerk, ein Durcheinander von kleinen Stücken Garn, teils noch zu zupfen, teils schon gezupft. Das Wort würde wenig bekannt sein, wenn es nicht oft mit Galgenhumor vergleichsweise gebraucht würde, um das gekochte präservierte Rindfleisch zu benennen, das leicht wie Strähne eines aufgedrehten Taues auseinanderfällt, daher es auch noch öfters als Schrims geradezu Kabelgarn genannt wird. Das Wort dürfte aus dem Englischen herübergekommen sein und müßte wohl Schrimps geschrieben werden, denn das — jedenfalls mit dem mittelhochdeutschen schrimpen verwandte — englische schrimp heißt Knirps, Zwerg, und mundartlich heißt im Englischen shrimp irgend etwas Kleines, Unbedeutendes, Geringes, was begrifflich mit Schrims als Abfall stimmt.

Schrubber, der, s. schrapen.

Schuner, der, s. Schoner.

Schute, die, ein gedecktes Fahrzeug, lang und schmal, mit geringem Tiefgang, zur Beförderung von Personen und Gütern auf Flüssen und Kanälen. Sie sind weder zum Rudern noch zum Segeln eingerichtet, sondern werden getreidelt, teils von Menschen, teils von Pferden; daher der niederländische Name trek-schuit, Zieh-Schute; (der Junge der auf dem Pferde sitzt und es antreibt heißt het jagertje). Sie bildet ein sehr angenehmes Beförderungsmittel. Wer einmal mit einem solchen auf einem holländischen Kanal gefahren ist, der wird zu sagen wissen, wie bequem und gemütlich das geht. Zwar etwas langsam, aber sicher. Auch Röding (1794) nennt sie „bequem‟ und weiß von vielen Arten Schuten in Holland, darunter sogar auch Segelschuten. — Die großen Elbkähne, die von Berlin und anderen Orten die Elbe herunter nach Hamburg kommen, nennt er „Hamburger Schute‟ und beschreibt sie als stattliche Schiffe von 120 Fuß Länge. In und bei Berlin ist der Name heute noch sehr gebräuchlich. Riecke, „Ursprung und Name der Städte Berlin und Köln an der Spree‟ behauptet sogar: „Der märkische Name Schute für Kahn ist vom keltisch-gälischen sguit, ein Boot, abzuleiten.‟ Dagegen spricht aber das frühe Vorkommen des Wortes an der Nordsee. Man möchte daher eher auf niederdeutschen Ursprung schließen. Im Mittellateinischen hieß Schute escauda, das könnte von dem französischen Namen der Schelde kommen, wie denn in der Tat nach einer Urkunde von 1252 ein Schiff, das auf der Scarpe, einem Nebenflusse der Schelde fuhr, scarpoise hieß. — Indessen liegt eine andere Erklärung viel näher. Die Alten haben einem Schiff gerne nach der Bewegung den Namen gegeben. So dürfen wir auch hier annehmen, daß ein von scheten = schießen kommender Stamm schut zu Grunde liegt, indem Schute ein (verhältnismäßig schnell, weil vom Pferde gezogenes,) dahinschießendes Boot ist. — Das Fahrzeug muß schon früh, im Mittelalter, bekannt gewesen sein, wenn man bedenkt, daß es nach der Hamburger Chronik bereits in mittelniederdeutscher Zeit zu einem scherzhaften Vergleich herangezogen werden konnte, die feindlichen Schiffe „weren doch man appelscuten, dar weren se unverzaget vor.‟ — Kilianus hat schuyte, navigiolum, und schuytken = Boot. — In den Niederlanden muß in früheren Zeiten eine schuit so wohnlich gewesen sein, daß der Gedanke in einer solchen zu wohnen kein abenteuerlicher war. Am 14. April 1649 haben die Generalstaaten ein Plakat erlassen gegen de schadelycke ende Moordtdadige Secte van Jesuiten en andere Priesters, Monicken, ende geseiyde Geestelycke of Religieuse Personen, van de Romsche Religie zynde, weil sie die guten Bürger des Landes ihrer gesetzmäßigen Obrigkeit abwendig machten „ende tot moorderye van Prinsen ende Potentaten‟ verleiteten. Sie wurden verbannt, und eine Strafe von 200 Gulden dem auferlegt „in wiens Huysen, Velden, Schepen ofte Schuyten‟ sie ihr Wesen trieben.

Schutzdeck, das, ist ein Deck von Kriegsschiffen, das geschützt ist gegen das Aufschlagen feindlicher Geschosse. Der Schutz wird durch Panzerplatten oder stärkere Stahlplatten, die das Zwischendeck bedecken, gewährt. Dieses heißt daher auch wohl Panzerdeck; das Schutzdeck unterscheidet sich von ihm nur durch die geringere Dicke der Platten.

Schütze, die, s. Schott.

Schwabber, der, ist ein Hilfsmittel beim Deckwaschen und vertritt an Bord die Stelle eines Scheuertuches, ist aber kein Tuch, sondern besteht aus losen Strähnen von Kabelgarn, die oben durch eine Takelung quastenartig mit einander verbunden sind, wie denn überhaupt der Schwapper oder Schwabber mit einer großen langen Quaste Ähnlichkeit hat. Man trocknet damit nach dem Deckwaschen das noch an Deck stehende Wasser auf, indem man damit hin und her fährt. Von diesem Hinundherfahren kommt der Name. Ostfriesisch heißt swäpen mit irgendwelchem biegsamen, elastischen, schwanken und schlanken Gegenstande eine Schwingung, eine Hin-und Herbewegung machen; gotisch sveip, angelsächsisch svap, altnordisch sveip sind Präterita von sveipan, svipan, svipa. Davon kommt auch swäpen, mit der Peitsche schlagen und sweper = Besen und viele andere Wörter, die alle mit Hin-und Herbewegung zu tun haben. Aufschwabbern heißt Wasser mit einem Schwabber aufnehmen. — Französisch (1702) souabre; niederländisch swabber, dweil; englisch swab; dänisch svaber; schwedisch svabb.

schwajen auch schwoien, schwojen = schwingen. Das „Bremer Wörterbuch‟ behauptet, das Wort käme von wehen her. „S wird im Niedersächsischen vielen abgeleiteten Wörtern vorgesetzt zur Verstärkung der Bedeutung, oder eine Heftigkeit der Handlung anzudeuten; slabben von labben = auflecken wie die Hunde; swelen, Gras dörren, von welen = welken; spreden = ausbreiten, von breden. So auch holländisch: slink von link = sinister; swayen, im Winde flattern, von wayen = wehen, slikkern = naschen, von likken = lecken.‟ Wenn das richtig wäre, könnte man sagen, der Ausdruck schwajen käme daher, daß das Schiff vom Wehen (wajen) des Windes herumgedreht oder geschwungen wird. Aber einmal wird solches doch lange nicht immer vom Winde besorgt, sondern öfter noch von der Strömung, von Ebbe und Flut, in Kanälen auch von Menschenhand, und dann ist auch die ganze Bremische Behauptung von dem vorgesetzten verstärkenden s nicht richtig. In allen den angezogenen Beispielen gehört das s vielmehr wesentlich mit zum Stamm, und die Bremer haben sich mit diesem s ebenso geirrt wie mit dem w der niederdeutschen auf wr anlautenden Wörter, von denen behauptet wird: „W vertritt in unserer Sprache oft die Stelle des äolischen Digamma und wird sonderlich oft dem r vorgesetzt, wo andere Dialekte ihn nicht kennen. Alsdann scheint es die Bedeutung des Wortes zu verstärken und demselben eine größere Heftigkeit beizulegen‟. Das verhält sich grade umgekehrt. Das w im Anlaut vor r gehört zum Stamm und ist nicht im Niederdeutschen hinzugefügt, sondern vielmehr im Hochdeutschen abgeworfen. Das Weitere hierüber s. unter Wrack. — Nicht von waijen kommt schwajen, sondern vielmehr von schwingen, dessen Bedeutung es ja auch ganz und voll hat. Im Ostfriesischen heißt es swajen = sich schwingend und schwebend bewegen, einen Schwung, eine Schwingung, Schwenkung, Drehung, Wendung machen, und wird nicht nur von Schiffen und Fahrzeugen, sondern ganz allgemein gebraucht. Doornkaat gibt die Beispiele: „De fögels swajen dör de lücht, he swaide net, as of he ’n bitje anschaten was; de weg swaid bold na links un dan wer na rechts‟, und bemerkt dazu: „Es hat hier in swaj zweifellos ein Übergang oder eine Erweichung vom älteren g in j stattgefunden, so daß der Stamm swaj für swag steht, der selbst aber wieder aus swang entstand... welches zu schwingen gehört.‟ Die Ableitung von schwingen dürfte richtig sein. Das o in der Schreibweise schwojen mag sich aus der ostfriesischen dunklen Aussprache des a erklären, welche so ziemlich wie o klingt. Am einfachsten hat man die Frage, ob a, ob o in Groningen gelöst, da gebrauchen sie beide Vokale nebeneinander und sagen, um keinem zu nahe zu treten, zwoaien: „Het omkeren van een vaartuig in een Kanaal; is dit smal, dan heft men het op enkele plaatsen verbreed um te kunnen zwoaien; zulk een plaats het (heißt) zwoaiplaats‟, ostfriesisch swaj-wik oder auch kurzweg swaje. — Zu dem Übergang von g in j sei bemerkt, daß derselbe sich noch keineswegs befestigt hat, vielmehr noch im Flusse ist und daß unser Seemann das g bei der Aussprache noch hörbar mitklingen läßt, und zwar als palatales am vorderen harten Gaumen erzeugtes Reibungsgeräusch, also ähnlich wie ch.

Schweinsrücken, der.

1. Eine Untiefe in der Jade vor der Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven, neuerdings durch Schlengenwerk befestigt mit der Absicht, dadurch einen günstigen Einfluß auf Strom-, Schlick-und Fahrwasserverhältnisse auszuüben.

2. Bei modernen Schiffen, die eine von der früheren sehr verschiedene Ankergeschirreinrichtung haben, ein schräger Aufbau auf dem Deck im Bug oder auf dem Heck, auf welchem der Anker lagert.

Das Wort erklärt sich im Vergleich mit dem Eselsrücken in der gotischen Baukunst: von der Gestalt.

schwellen. Im Binnenlande spricht man von schwellenden Segeln, sagt auch dichterisch, daß sich die Segel zur Fahrt schwellen. So gerne nun der Seemann es sieht, wenn sie das tun, seemännisch ist der Ausdruck nicht. Man wird niemals einen wirklichen Seemann von schwellenden Segeln reden hören. Solch dichterische Sprache vermeidet er geradezu ängstlich. Er sagt: „volle Segel.‟

Schwert, das, ist eine Vorrichtung die bei flachgehenden Fahrzeugen, wenn sie beim Winde segeln, das Abtreiben und gegebenen Falles das Kentern verhindern soll. Sie besteht nämlich aus einem Brett an jeder Seite, das beim Segeln am Winde in Lee ins Wasser gelassen wird um den Widerstand zu vermehren. Hierzu hat Röding einen seiner äußerst spärlichen etymologischen Versuche gemacht. Er ist artig genug: „Es hat daher seinen Namen, weil es an der Seite des Schiffes ungefähr so hängt, wie ein Schwert an der Seite‟ (des Mannes). Nur daß es dann doch besser Schild hieße, und die Sache bei unseren modernen Jachten und Rettungsbooten nicht mehr stimmt. Dick und Kretschmer, II. 282: „Für kleine zum Privatgebrauch bestimmte Boote empfiehlt sich mit Rücksicht auf Stabilität, geringen Tiefgang, Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit eine breite und flache Form des Bootskörpers. Diese Form bietet aber einen verhältnismäßig sehr geringen seitlichen Wasserwiderstand und besitzt in Folge dessen für das Segeln am Wind oder bei Dwarswind den Nachteil, daß das Boot stark abtreibt. Diesen Nachteil soll das sogenannte Schwert ausgleichen. Es besteht aus einer eisernen oder hölzernen (dreieckigen, trapezförmigen oder rechteckigen) senkrechten Platte, welche entweder für fest am Kiel des Bootes angebracht ist oder aber beweglich ist und mittelst einer einfachen Vorrichtung je nach Bedarf heruntergelassen oder aufgeholt werden kann. In letzterem Fall ist in das Innere des Bootes, in seiner Längsschiffsebene, ein schmaler Kasten eingebaut, welcher das aufgeholte Schwert in sich aufnehmen soll‟, — der Schwertbrunnen.

Schwertmatte, die, eine der an Bord zahlreich gebrauchten Matten, die ihren Namen von der Art ihrer Verfertigung hat. Es fertigen sich nämlich richtige alte Matrosen ihre Matten selbst an. Um die Schwertmatte zu weben, denn ein Weben muß man die Anfertigung nennen, verfährt man ähnlich wie auf einem sehr primitiven Webstuhl, doch so daß zwei Parten von beiden Seiten kommen und sich kreuzen. Damit das Durchstecken der Parten möglich werde, steckt man jedesmal ein hölzernes Schwert durch den Zettel oder Aufzug und dreht es auf die hohe Kante. Von diesem Schwert, oder vielmehr von den zwei Schwertern die gebraucht werden, stammt der Name.

Schwieping, die, das spitz zulaufende Ende eines Taues, das entsteht wenn man das Tau aufdreht und beim Wiederzusammendrehen nach und nach mehr Kabelgarn entfernt. Das Wort heißt niederländisch zweep, und das gibt die Erklärung; zweep, auch zwiep heißt Peitsche; niederdeutsch swepe; angelsächsisch svip, altnordisch svipa. Eine Peitsche wie sie in einfachen Verhältnissen ein Fuhrmann sich selbst aus Hanf zu drehen pflegt, ist oben dick und läuft nach unten allmählich dünn zu; daher der Name dieses dünn zulaufenden Taues, verbunden mit der niederdeutschen Endung ing. Vergl. übrigens auch Hundspünt.

schwichten bedeutet, zwei stehende Taue durch eine Leine hin und her mit einander verbinden und fest zusammenziehen, so daß die beiden ohnehin schon festen Taue nur noch fester, steifer und unbeweglicher stehen. Die eigentliche Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes swichten, niederländisch zwichten ist die unseres hochdeutschen Zeitwortes „beschwichtigen‟, also ruhig machen. Aber wenn zwei stehende Taue „ruhig‟ gemacht werden sollen, so müssen sie „fest‟ gemacht werden. Auch bei schwichten findet sich dieselbe Lautverschiebung die unter schiften erwähnt ist; althochdeutsch swiftjan, mittelhochdeutsch swiften, beschwichtigen.

Schwimmdock, das, ist eine schwimmende Vorrichtung zum Docken von Schiffen. Es besteht in der Hauptsache aus zwei Seitenwänden, die durch einen Boden mit einander verbunden sind. Die beiden schmalen Seiten vorn und hinten sind offen. Die Seitenwände sind hohl und können voll Wasser gelassen werden. Geschieht das, so sinkt das Schwimmdock so tief ins Wasser, daß ein Schiff sich zwischen die beiden Wände legen kann. Wird das Wasser aus diesen wieder ausgepumpt, so geht das Dock mit dem darin befindlichen Schiffe in die Höhe, letzteres trocken legend. Der Name Schwimmdock dient zur Unterscheidung von einem ausgegrabenen, mit Steinen ausgemauerten Trockendock.

Schwimmponton, s. Dock.

Scotsman, der, ist eine hölzerne Latte oder ein entsprechendes Stück Eisen um an gefährdeten Stellen das stehende Gut vor dem Schamfilen zu bewahren, eine Schamfilungslatte. Wie der Normann an der Beting, so wird der Schottländer an der Takelage haben herhalten müssen für eine kurze und bündige Bezeichnung einer seinem Lande eigentümlichen, also von schottischen Seeleuten auf andere übergegangenen Vorrichtung. Der niederdeutsche Seemann pflegte „Schottschmann‟ zu sagen; daraus wurde durch nachlässige Aussprache Schuttschmann, und hieraus durch volksetymologische Umbildung sogar „Schutzmann‟.

See.

1. Der See, ein Binnensee.

2. Die See.

a. Das Meer; in See gehen (in die See stechen sagt kein Seemann) heißt absegeln, abdampfen, abfahren. „Ich gehe morgen in See‟, „ich gehe nach Hongkong in See‟.

b. Eine hohe Meereswoge; „wir nahmen Seeen über‟, die Wogen gingen so hoch, daß sie uns über die Reling an Deck schlugen; „wir kamen dwarssees‟, so zu liegen, daß die Seeen von der Seite auf uns zukamen. „Eine See nahm den Schiffsjungen mit über Bord‟.

Diese letztere Bedeutung von See könnte noch einmal für die Etymologie des Wortes von Wichtigkeit werden. Da das Wort gotisch saiws heißt, so hat man Verwandtschaft mit dem lateinischen saevus, wild, angenommen. Diese Annahme gewönne bedeutend an Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen dürfte, daß die Bedeutung von See = wilde Woge, vielleicht die ursprünglichere wäre. Diese Seeen sind jedenfalls etwas die See im Sinne von Meer Kennzeichnendes. Aber freilich steht See zumeist für Landsee, und das erwähnte gotische saiws heißt mehr Sumpf wie Meer, also eine Senkung, eine Niederung, ein tiefliegendes, überschwemmtes Gebiet, und daher ist, zumal es ein althochdeutsches Wort gisig = See, Sumpf gibt, neuerdings eine germanische Wurzel sik, die sinken bedeutet, in den Vordergrund der Betrachtung getreten, so daß also See auf irgend eine Weise den k-Laut am Ende eingebüßt hatte. — Die Entscheidung in der Frage wird erst gefallt werden können, wenn man sagen kann, was zuerst See genannt wurde: der See, oder die See. Der See steht begrifflich dem Zeitwort sinken nahe, die See dem Eigenschaftsworte saevus. — Vielleicht kann der Gedanke an Verwandtschaft mit Seele uns weiter bringen. Dem Worte Seele liegt eine Bewegungswurzel su zu Grunde, bewegen, regen, erregen, aufregen; wenn man diese auch für See annimmt, dann kommt die See und der See in einem Begriff, „bewegt‟ zusammen, denn bewegt sind sie beide.

Seebeine, die. Wer überhaupt zum ersten Male oder nach längerem Landaufenthalt zum ersten Male wieder an Bord kommt, der muß zunächst darnach trachten, daß seine Beine sich an die Bewegungen des Schiffes gewöhnen, so daß er auch im Sturm noch einigermaßen sicher stehen und gehen kann. Wenn er soweit ist, dann hat er Seebeine. Französisch (Aubin 1702:) avoir le pié marin; man nennt den Mann der Seebeine hat auch gradezu pié marin; „On apelle ainsi un homme qui a le pié si seur et si ferme, quil peut se tenir debout pendant le roulis d’un vaisseau.‟ Niederländisch zee-voeten hebben, zee-schoenen hebben, zee-handen en -voeten hebben. — Doch nennt man im Französischen mit tieferer Bedeutung einen Mann pié marin. „Il se dit aussi de celui qui entend bien la navigation, et qui est fait aux fatigues de la mer. Lorsqu’un Officier a le pié marin les gens de l’équipage ont bien plus de confiance en sa conduite.‟

seefest ist ein Mensch wenn er zur See fahren kann ohne seekrank zu werden, d. h. ohne daß er seine Beschäftigung wegen Seekrankheit unterbrechen muß. Kleine Unbehaglichkeiten, vorübergehende Übelkeiten kommen wohl auch einmal einen seefesten Mann an; seekrank wird eigentlich nur der genannt, der „Kette steckt‟ oder dem das Essen und das Rauchen gar nicht mehr schmecken will. — Geschütze, Boote, Anker, Kisten, Kasten, Schränke u. s. w. sind „seefest gezurrt‟ wenn sie so befestigt sind, daß sie auch bei hohem Seegang nicht „über Stag‟ gehen können.

Seekadett, der. Die wörtliche Übersetzung von Kadett ist Junker, junger Herr (jonkheer) jüngerer Sohn, aber ursprünglich bedeutete es: junger, kleiner Hauptmann oder Häuptling, denn das Wort stammt vom lateinischen capitettum, das eine Diminutivform zu caput ist; noch zutreffender wäre also: „kleiner (zukünftiger) Kapitän.‟ Im Altfranzösischen hieß cadet noch capdet. — Wer Seeoffizier werden will tritt in die Marine als Seekadett ein. —

seeklar ist ein Schiff wenn es klar, d. h. fertig zum Auslaufen ist. Dazu gehört für ein Schiff, das auf eine weite, lange Reise geht, eine umfassende Vorbereitung und Ausrüstung. Bei Kriegsschiffen findet daher vor dem Auslaufen des Schiffes eine genaue Seeklarbesichtigung statt, die der Stationschef selbst abhält, bezw. durch seinen Generalarzt, seinen Stabsingenieur abhalten läßt, die ihn bei der Besichtigung zu begleiten haben.

Seemann, der, ist jetzt die allgemeine Bezeichnung für einen seebefahrenen Mann, der die Seefahrt als Beruf betreibt. „Der Junge will „‚Seemann‟‛ werden.‟ Daher auch das Wort „Seemannschaft‟ für den Inbegriff alles dessen, was ein tüchtiger Seemann wissen muß, wobei im weiteren Sinne auch die Navigation eingeschlossen ist. Doch hat, wie in allen Wissenschaften, so auch bei dieser, in neuerer Zeit ein solcher Aufschwung stattgefunden, eine solche Vermehrung und Bereicherung, daß Einer nicht mehr Alles wissen kann. — Vergl. Matrose. — Während heutzutage ein Seemann ein Mann ist, der friedlich seinem Berufe nachgeht, wird im Beówulf unterschieden zwischen Leuten die nur überhaupt die See durchschiffen und Leuten, die zur See kämpfen; nur die letzteren hießen Seeleute. Ein sae-man war also nicht ein Seemann, sondern ein „Kriegsmann zur See‟. — Ein eigentümliches Zusammentreffen ist es, daß im Mittelniederdeutschen seeman, seman ein Mann heißt, der unter dem Pantoffel steht, „de sick van dem wyve regeren leth, dar dat wyff de brock drecht;‟ niederländisch en wijffwl, Jan ligt achter, die voor woont als t’ huys omgekeert is. — Nicolaus Gryse: „Dat öuerst vrouwe Seeman daryegen mundtwercket vnde anmeldet, dat dat frouwen regement auer den man dat erste vnde oldeste gewesen sy.‟ — „Denn wenn eine ehefrouwe eren ehemann vth kribbischer bössheit mit vndenstliken worden vörbolgener wyse awer dwer vnd dwas alse einer seemanche hebberecht ankarret, ansnarret vnde anfaret vnd trotzichlick auer de nese houwet, vthhaltert vnde vth halippet... dat sulue ys grote sunde und schande.‟ — Dieses Wort ist nur wegen seiner lautlichen Ähnlichkeit an Seemann angelehnt; im Mittelhochdeutschen hieß ein Pantoffelheld und auch eine den Pantoffel schwingende Frau „Simon‟, und das war eine ebensolche Anlehnung an den bekannten jüdischen Namen Simon, vielleicht mit dem Gedanken an die Bedeutung im Hebräischen „ein Hörender, Gehorchender.‟ Eigentlich hieß das Wort „Sie-Mann‟ und bezeichnete eine Frau als eine, die der Mann im Hause ist.

Seemannshaus, das, ist ein Erholungshaus für Seeleute, in dem sie Bücher, Papier, Feder und Tinte, angenehmen Aufenthalt, gute und billige Verpflegung finden, und vor allen Dingen den Gefahren schlechter Kneipen entzogen sind. Nach dem Vorbilde der englischen Sailors Homes entstehen jetzt auch in Deutschland dergleichen Anstalten zum Wohle des seefahrenden Mannes; sind sie von der Seemannsmission eingerichtet, so heißen sie Seemannsheime.

Seeräuber, der, war im Sprachgebrauch der früheren Hansazeit nicht das, was man sonst Pirat, Korsar, Flibustier oder Vitallienbruder nannte, sondern ein Mann, der mit seinem Schiffe auf mehr oder weniger eigene Faust Fehde trieb und den Feind schädigte wo und wie es ihm möglich war. Aber immer nur den Feind und immer nur als kriegführende Partei, also ähnlich wie die Vitallienbrüder in ihrer ersten, nach damaligem Recht einigermaßen rechtmäßigen Zeit. Hierüber schreibt Sartorius, Hansa, I. 90 treffend: „Über Seeräuber wird oft und viel geklagt und Friedensschiffe wurden gegen sie in die See gesandt. Allein diese waren selten eigentliche Seeräuber, den Namen teilten sich beide kämpfende Teile wechselseitig zu, da Repressalien gewöhnlich waren, und bey eingetretenen Bedrückungen mit gleichem geantwortet wurde. Auf diese Art von wechselseitiger Seeräuberei blieben alle Feindseligkeiten zwischen den deutschen Städten, den Engländern und Schotten beschränkt.‟ Wie es noch 1673 auf deutschen Meeren aussah, verrät eine Segelanweisung in der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt‟: „... so pegelt erstlick mit ein Compaß, wat Streck dat gy de Nase von juw hebben, und wo fern gy juw van de Wall gist tho wesen, datsülvige teckent mit ein Stip Kryt in de Paßkart, (schrivet ydt ock in ein Memorial Bock, alles wat gy in de Kart tecken, up dat wen de Kart dorch Rövers offt sünst, juw affhendig gemaket worde, gy juw dennoch na dem Memorial richten können.‟)

Seesoldat, der, ist ein Soldat, der bei einem der drei kaiserlichen Seebataillone dient, die sich gegenwärtig in China befinden, sonst aber in den heimischen Marinegarnisonen den Infanteriedienst besorgen. Die Offiziere werden auf einige Jahre von der Armee zur Marine kommandiert; einige von ihnen fahren auch an Bord der Schulschiffe als Instrukteure für die Seekadetten im Infanteristischen. Im Binnenlande wird ein Kriegsmatrose öfters Marinesoldat genannt und dann mit einem Seesoldaten verwechselt. Sie sind aber sehr aus einander zu halten.

Seetage, die, s. Seetörn.

Seetörn, der, ist eine unbestimmte Anzahl von Seetagen, d. h. solchen Tagen, die man hinter einander auf See zubringt oder zugebracht hat. Man gebraucht das Wort Törn auch sonst in der Seemannssprache häufig und zwar oft gleichbedeutend mit dem neuhochdeutschen Fremdworte Tour. Wie man hochdeutsch sagt: „Das ist meine Tour,‟ anstatt „ich bin an der Reihe,‟ so sagt man seemännisch: „Das ist mein Törn,‟ Rudertörn, Wachtörn u. s. w. — Außerdem spricht man in der speziellen Seemannschaft von einem Törn; wenn man ein Tau einmal um irgend einen festen Gegenstand herumgelegt hat, so hat man einen „Törn‟ genommen, wofür man auch „Schlag‟ sagen kann; ist irgendwo zufällig eine Schlinge in dem Tau entstanden, hat es eine Drehung gemacht, die es nicht machen sollte, und es ist in Folge dessen eine Bucht entstanden, so ist das auch ein Törn, der aber möglichst bald wieder herausgedreht werden muß. — Was Seetörn selbst angeht, so könnte man es, wenn man das Fremdwort Tour beseitigen will, einfach mit Seereise wiedergeben, wie wir ja auch im Binnenlande anstatt Tour Reise oder Ausflug sagen. Eigentlich müßte es ja Rundreise heißen, denn es kommt von tourner, drehen; englisch turn, und letzteres hat, wie die Aussprache beweist, den Vermittler gespielt. — Der Seemann hat auch das Zeitwort törnen für drehen und vertörnen für verdrehen. Verwandt ist turnen und das mittelhochdeutsche turnei, neuhochdeutsch Turnier.

Seemeile, die, s. Meile.

Seeraum, der, s. raumen.

Seetriften, die, nennt man das, was die See angetrieben hat, das Strandgut. In früheren Zeiten brauchte ein Schiff noch garnicht gestrandet zu sein, um mitsamt seiner Ladung als Strandgut angesehen zu werden. Es genügte, wenn eine grundroeringe, eine Berührung des landesherrlichen Strandes durch das Schiff stattgefunden hatte. Bremer Wörterbuch: Dies unmenschliche Strandrecht wurde auch aufs feste Land, auf Wagen und Pferde ausgedehnt. Wenn ein Wagen umgefallen war oder einige Güter davon gefallen waren, so fielen sie dem Landesherrn oder dessen Vögten heim. Imgleichen wurde ein Pferd eingezogen und weggenommen, wenn ein Reiter davon ins Wasser gefallen und ertrunken war. Renner in der Bremischen Chronik erzählt: Up einen Tidt hadde de Vaget (des Erzbischofs Johann I, 1307) thom Langwedel einen gefangenen Kopman und sprak thom Bischuppe: Here, düse Kopman hefft Grundroringe gedahn, und ist mit siner Kahren und Gude gefallen durch de Brugge, derhalven schall he juw geven grot Gudt.‟ (!) Doch vergl. hierzu was Winkelmann in seiner Oldenburgischen Chronik von dem 1598-1602 erbautem Turm auf Wangerooge schreibt: „Nach Abgang deren ins Norden gestandenen Kirchen ist der Mittelteil dieses Turmes zu dem Gottesdienst der Einwohner, das unterste und obriste aber, bei etwa vorgehendem Schiffbruch, zu Hinlegung der gestrandeten und salvirten oder gebergten Güter verordnet worden, massen die Herren Grafen, als Christlöbliche Obrigkeit nach aufgehobenem Strandrecht, niemaln mit den gestrandeten Gütern auf der See, Jhade und Weser mit der Schärfe verfahren, sondern dieselbige, zur Erhaltung ihrer Jurisdiktion, so sie auf gedachten Wassern haben, auf gebührliches Ansuchen rückgegebene Recognition und erlegten Berggelts vor die Hilfleistende, wieder abfolgen lassen, damit dem Beträngten keine größere Bedrängniß zugefügt werden möchte.‟

Seewache, die, s. Wache.

Seezeichen, das, ist der allgemeine Name für Boje, Tonne, Bake etc. Die Seezeichen bezeichnen den Eingang in einen Hafen, die Fahrwasserrinne in einem Revier u. s. w. Man unterscheidet Winterseezeichen und Sommerseezeichen, letztere werden im Spätherbste eingezogen und durch die Winterseezeichen ersetzt.

Segel, das, „ein aus mehreren Kleidern (Bahnen) von starker Leinwand oder von Baumwollenstoff zusammengenähtes Tuch,‟ das an den Masten, Rahen, Gaffeln, Stagen, Spieren eines Schiffes ausgespannt wird um den Wind damit aufzufangen und so das Schiff in Bewegung zu setzen. Ein Segel hat entweder nach seiner Gestalt und Einrichtung oder nach der Stelle, wo es angebracht ist, seinen Namen, der es von anderen Segeln unterscheidet. — Die erste Erfinderin ist die Not. Es ist darum kein Wunder, daß die Menschen, sobald sie anfingen sich über den Naturzustand zu erheben, auf solch ein Fortbewegungsmittel verfielen. Doch scheint bei den alten Deutschen der Gebrauch der Segel nach Tacitus’ Germania nicht allen Stämmen bekannt gewesen zu sein. Von den Batavern erzählt aber derselbe Geschichtschreiber, daß sie sich der sagula zum Segeln bedienten. Von sagulum kommt also der Name Segel. Weil aber sagulum der römische Kriegsmantel hieß und im Lateinischen keine seemännische Bedeutung hatte, so tragen manche Gelehrte gegen diese Ableitung Bedenken. Es ist indessen möglich, daß die erste Verwendung von sagulum zum Segeln eine gelegentliche gewesen wäre und daß gerade diese gelegentlich zufällige Verwendung des sagulum anstatt des velum oder linteum den Batavern den Namen nahe gelegt hätte, daß sie also durch eine zufällige Erscheinung auf den Gedanken gebracht worden wären, sagulum sei das wirkliche lateinische Wort für dieses ihnen alsbald sehr einleuchtende Fortbewegungsmittel. — Die kurze, bequeme niederdeutsche Form, in der unser Seemann das Wort meist gebraucht, ist seil, diphthongiert nach geschwundenem g, und sie wird in mittelniederdeutschen Schriftdenkmälern sehr oft gefunden, wahrscheinlich ward sie schon aus dem Grunde bevorzugt, weil sonst segel = Segel und segel = Siegel leicht verwechselt worden wären; wie man auch anstatt segelen seilen sagte und dadurch von segeln = siegeln unterschied. — Segel setzen, Segel bergen, Segel abschlagen s. (Segel) unterschlagen. — Segelkoje ist der Aufbewahrungsort der abgeschlagenen oder noch nicht untergeschlagenen Segel und der Reservesegel, Schutzsegel, Rauchsegel, Sommersegel, Bezüge, Presennings; bemerkenswert ist, daß dies das einzige Mal ist, wo das Wort, das sonst an Bord immer ein Bett bezeichnet, eine Kammer bedeutet, vielleicht weil die Segel darin als ruhend, schlafend gedacht sind, wie man in der Botanik von einem schlafenden Auge spricht. — Segeln bedeutet die Fortbewegung eines Schiffes oder Bootes, indem man den Wind auf die Segel wirken läßt. — Die Alten hatten ein zwar nicht schönes, aber deutliches aus Segel bezw. segeln gebildetes Wort für Navigation: Segelasje, Segelatie, Segelasche. „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673: „Ein klene Faut (Fehler) in de Pegelinge verorsaket ein grote Faute in de Segelatie.‟

Segel kanten. Kanten heißt eigentlich machen, daß etwas vierkant ist, etwas in den rechten Winkel bringen, ihm zur rechten Richtung verhelfen, machen daß es sich „kant‟ ausnehme. Im Niederländischen und Ostfriesischen heißt kant glatt, schier, zierlich, hübsch, fertig, gerade, schön. Segel kanten heißt also, sie so in Ordnung bringen daß sie so stehen wie sie stehen sollen: nach jeder Richtung hin tadellos. Dick u. Kretschmer II. 322: „Dieses Manöver wird hauptsächlich nothwendig nach jedem allgemeinen Segelexercitium sowie auf der Morgenwache nach Tagesanbruch. Während nämlich bei Manövern mit alle Mann auf das Vorholen und Steifsetzen der einzelnen Enden im Interesse der Schnelligkeit nicht allzu viel Gewicht gelegt werden kann, ist die tadellose Ausführung von Segelmanövern bei Nacht infolge der herrschenden Dunkelheit in der Regel unmöglich.‟ — Segel kanten ist also auf See ungefähr das, was man im Hafen mit „brassen und toppen‟ vor der Morgenmusterung bezeichnet.

seisen, bei der Marine merkwürdigerweise zeisen genannt, heißt zusammenbinden, z. B. die Parten eines Taues mit einander verbinden, daß sie nicht rutschen können; das aufgegeite Segel beschlagen, an der Rahe festbinden; eine Kabelaring und ein Ankertau zusammenbinden, u. s. w. Das Mittel, mit dem solches geschieht heißt die Seising; das Wort hat aber eine doppelte Bedeutung: einmal das Mittel zum Binden, den Bändsel also, und sodann den Zustand des Gebundenseins. Das Wort kommt aus dem Französischen, von saisir; doch haben es die Franzosen zuerst von uns empfangen und von unserem althochdeutschen sazjan weitergebildet. Die Bedeutung ist: festmachen.

Seitentakel, das. Seitentakel sind solche, die an jeder Seite des Mastes an die daselbst befindlichen Hanger befestigt werden und dazu dienen, Boote und andere schwere Lasten aus-oder einzusetzen. Man unterscheidet sie nach dem Mast an dem sie sich befinden. Sie haben einen Mantel, s. Mantel und Takel.

Semaphor, der, zu deutsch „Zeichenträger‟ vom griechischen semaio, ich zeige, und phero, ich trage; eine Vorrichtung mit beweglichen Armen, ähnlich denen, mit denen auf Bahnhöfen die Einfahrtssignale gegeben werden. Die Arme kann man auch Flügel nennen und das Ganze mit „Flügeltelegraph‟ übersetzen.

Sente, die, hat im modernen Eisenschiffbau teilweise eine andere Bedeutung erhalten als sie sie beim Holzschiffbau hatte. Damals nannte man Senten dünne, biegsame Latten, die von vorne nach hinten auf die Inhölzer genagelt wurden um die Biegung der Seitenplanken darnach gestalten zu können; naturgemäß fing man damit ganz unten am Kiel an und schritt allmählich nach oben zu weiter. Jetzt dienen die Senten zwar auch noch, in Form von starken Balken ausgeführt, als Lehrgerüst für die einzulegenden Spanten, fast immer im unteren Teil des Schiffes liegend und die Wölbung des Schiffsbodens bildend, aber es hat sich auch die Theorie des Wortes bemächtigt und gebraucht es als wissenschaftlichen Begriff, als gedachte Linie, nämlich für die Bezeichnung der Schnittlinie, welche eine schräg d. h. dachförmig durch den Schiffskörper gelegte Ebene mit der äußeren Schiffsform bildet; die Ebene heißt dann Sentebene. Zur Erklärung des Wortes müssen wir natürlich auf seine älteste Bedeutung zurückgehen: Latte zur Gestaltung des Schiffsbauches, und zwar zunächst seines untersten Teiles. Nun heißt das lateinische sentina zwar auf deutsch „die Bilge‟, aber auch der Raum wo die Bilge sich sammelt, der unterste Schiffsraum, und ich stehe daher, bis eine bessere Erklärung gefunden wird, nicht an, Sente für eine Verkürzung von Sentine zu halten.

Setzbord, der, eines Bootes ist eine breite und dünne Planke die man auf den Bord eines Bootes setzt um denselben zu erhöhen, damit das Boot nicht so leicht Wasser über nehme. Es heißt darum im Englischen washboard, weatherboard und water-board — weil das Wasser bei schlechtem Wetter nicht über diesen Bord waschen soll.

Serving, die, s. Sarving.

setzen. Segel setzen heißt die Segel entfalten und dem Winde von der richtigen Seite darbieten, so daß sie in Tätigkeit treten und ausrichten können wozu sie bestimmt sind. Das Gegenteil davon, nämlich das Einziehen oder Festmachen der Segel heißt Segel bergen. — Setzen in Bezug auf die Bewegung eines Schiffes s. stampfen. — Am häufigsten ward im Mittelniederdeutschen setten und auch später noch setzen für ankern gebraucht; die Zahl der Belegstellen ist so groß, daß es nicht not tut einzelne anzuführen.

Sicht, die, das Ansehen, der Anblick, der Zustand in dem man etwas sieht, mit den Augen wahrnimmt. Es ist ein Verbalabstractum zu sehen. „Der Leuchtturm kommt in Sicht‟, „wir lagen in Sicht von Helgoland.‟ Es ist gleich dem hochdeutschen Gesicht in der Bedeutung „zu Gesicht bekommen.‟ Der hochdeutsche Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟, Sulzbach 1681, sagt sogar mißverstandener und mißverständlicher Weise „ins Gesicht bekommen‟; er meint damit natürlich nicht „eine (Ohrfeige) ins Gesicht bekommen‟, sondern schreibt: „Als die Holländische Flotte auf die Höhe vorbesagter massen kommen war, setzte sie ihren Lauff recht nach der Küste von Brasilien zu, welche sie den vierdten May ins Gesicht bekamen‟... Von Sicht hat sich der Seemann ein Eigenschaftswort sichtig gebildet, das in der Verbindung „sichtig Wetter‟ eine Witterung bedeutet bei der man gut, deutlich, weit sehen kann. Auch ein Zeitwort: sichten; verschieden von dem Zeitwort sichten = sieben, bedeutet es: „zu sehen bekommen‟.[P2: should be comma] „in Sicht bekommen‟, „wir sichteten soeben den Pic von Teneriffa.‟ Sichtweite eines Leuchtfeuers ist der Umkreis, in dem das Feuer gesichtet werden kann; verschieden also von Sehweite, denn so heißt die Entfernung auf die einer sehen kann, Sichtweite aber die Entfernung auf die einer gesehen werden kann.

Signal, das, heißt in der Seemannssprache jedes Zeichen, das man auf eine gewisse Entfernung hin gibt, um sich verständlich zu machen und einem andern etwas mitzuteilen, eine Anfrage an ihn zu richten, besonders auch ihm Befehle zu übermitteln. Das ursprünglichste Signal waren die Bewegungen des menschlichen Leibes, ein Winken mit dem Arm, ein Bücken des Oberkörpers (s. Bake). Bald lehrte die Erfinderin Not auch den Seemann andere Hilfsmittel, etwa einen gehißten Besen (Quast, s. Badegast), und vor allen Dingen das Signalisieren mit Flaggen, das sich noch immer, auch im internationalen Verkehr, erhalten hat. Zum richtigen Verständnis der Signale hat jede Nation ihr Signalbuch, in dem die Signale mit ihrer Bedeutung verzeichnet stehen. Außerdem haben sie alle zusammen ein internationales Signalbuch, mit dessen Hilfe ein Russe und ein Portugiese sich bestimmte Mitteilungen machen können, ohne daß sonst einer ein Wort vom andern versteht. Man signalisiert ferner mit Winkflaggen nach dem Morse-Alphabet, mit dem Semaphor, mit den verschiedensten Lichteffekten etc., aber bald wird die drahtlose Telegraphie allen diesen kleinen Aushilfsmitteln ein Ende machen. Bis dahin hat man eigene Signalgasten, Signalmaate, Obersignalmaate und eigene Signalzweigkompagnien bei den Matrosendivisionen. — Signal kommt vom lateinischen signum, das Zeichen, oder vielmehr vom lateinischen signalis, „bestimmt ein Zeichen zu geben.‟ — Kontre-Signal heißt das verabredete Zeichen, daß das Signal gesehen worden, bezw. verstanden ist.

Siel, das, die bekannte Entwässerungsvorrichtung an den Nordseeküsten, die dem Binnenwasser Abfluß in das Meer verschafft. Zur Zeit der Flut muß durch das Siel die Öffnung im Deich verschlossen werden, damit das Meerwasser nicht das Land überschwemme. Zur Zeit der Ebbe wird dann die Schleuse des Siels geöffnet, so daß das während der Flut in einem Sammelbecken binnendeichs aufgestaute Wasser nach See zu abfließen kann. Wo ein Siel ist, da wohnt ein Sielwärter; wo einer wohnt, siedelt sich leicht ein anderer an. So entstehen die Dörfer mit der Endung Siel: Mariensiel, Rüstersiel, Karolinensiel, Neuharlingersiel etc. Im weiteren Sinne ist Siel irgend eine Wasserleitung, eine Abzugsrinne, ein Zuleitungsrohr etc. etc. In diesem Sinne kommt sile = aqueductus schon in der Historia de fundatione monasterii Rastedensis vor, die 1290-1310 etwa geschrieben ist. — In dem Worte Siel steckt der Begriff von seihen, althochdeutsch sihan. Aus diesem Zeitwort, das die Bedeutung „Wasser durchlassen‟ hat, mag, wie Doornkaat vermutet, erst ein Substantivum sihila, ein Etwas was Wasser durchläßt, gebildet worden sein, was dann in sila kontrahiert wurde, dessen offene Endsilbe leider, wie bei so vielen altfriesischen Wörtern, geschwunden ist, so daß nun die einsilbigen Leute bei der Aussprache eines solchen Wortes den Mund nicht mehr aufzutun brauchen.

Sill, das. Hauptsächlich in der Verbindung Luksill gebraucht: die Schwelle. Das niederdeutsche Wort sülle, sül, mittelniederdeutsch sul, sulle, sille; niederländisch sulle: angelsächsisch syll, englisch sill, norwegisch svill, althochdeutsch swella, swelli, kommen mit dem gotischen sulja, Sohle, von einer Wurzel sval = schwellen. Man hat zunächst an eine Anschwellung der Haut unter den Füßen zu denken, sodann wird Sohle als Träger und Grundbalken einer Tür gebraucht im Sinne einer Anschwellung, einer Erhöhung; was für ein Luksill an Bord besonders zutreffend ist, denn das ist besonders hoch, damit überkommende Seeen nicht in die unteren Schiffsräume laufen.

Sirene, die, ist ein Nebelsignalapparat, der einen weithin heulenden Ton von sich gibt und Schiffen im Nebel die Nähe des Landes kund tut. Die Benennung ist zwar nicht ganz sinngemäß, da diese Sirene das gerade Gegenteil beabsichtigt wie die klassischen Sirenen, aber doch insofern glücklich gewählt, als jeder gleich weiß, was darunter zu verstehen ist. — Wie sich ein althochdeutscher Physiologus eine Sirene vorstellte, sehen wir aus einer Wiener Handschrift des elften Jahrhunderts: „In demo mere sint uunderlihu unihtir, diu heizzent sirene unde onocentauri. Sirene sint meremannin unde sind uuibe gelih unzin ze demo nabilin, dannan uf vogele, unde mugin vile scono sinen (singen). So si gesehint man an demo mere varin, so sinen sio vilo scono, unzin si des uunnisamin lides so gelustigot uuerdin, daz si inslafin. So daz mermanni daz gesihit, so verd ez in unde brichit si.‟

Skiff, das. Dabovich nennt so, S. 1237, ein für eine Person eingerichtetes Outrigger-Boot. Im Allgemeinen aber heißt so — englisch skiff, französisch esquiff, deutsch sonst Schiff — „any small boat. In merchant ship’s boats the skiff is next in size to the launch or long-boat, and is used for towing, running out a kedge etc.‟ Die Form des Wortes läßt auf nordischen Ursprung der Sache schließen.

Skorbut, der, eine glücklicherweise unter dem Einfluß der besseren Schiffsverpflegung unserer Zeit ihrer Schrecken beraubte Krankheit der Seeleute bei längeren Seetörns. Das Wort hieß zwar mittellateinisch scorbutus, stammt aber aus dem Niederländischen, wo scheur Riß heißt. Skorbut heißt neuniederländisch scheurbuik, aber die lateinische Form scorbutus zeigt, daß es früher scheurbut geheißen haben muß, also nichts mit Bauch zu tun hatte, sondern Hautriß bedeutete. Die Form scheurbuik ist volksetymologische Anlehnung an buik = Bauch, und daraus ist bei der Aufnahme ins Hochdeutsche durch Mißverständnis Scharbock geworden; da ist Skorbut denn doch deutlicher.

Sitzer, der, s. Spant.

Sliding gunter. Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem sliding gunter Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das moderne Lust-und Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden nur selten geführt, am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel ist von dreieckiger Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge untergeschlagen, die vermöge zweier Eisenringe an dem verhältnismäßig niedrigen Maste auf und niederfährt oder gleitet, daher auch Gleitsegel genannt. Das Wort kommt mit der Sache aus England und bezieht sich — ursprünglich wohl scherzweise — auf Edmund Gunter und dessen Sliding-rule, „a sliding scale corresponding to logarithms for performing the multiplication and division of numbers without dividers.‟ — Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht.

sloopen ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen Teile zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche Wort slopen heißt schleifen, abtragen, niederreißen. Es ist unser hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl sprachlich als begrifflich.

Sodraum, der, = Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend mit Bilge. Das sich hier sammelnde Wasser heißt wie Bilge-und so auch Sodwasser. Sod und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die rauschende Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so bedeutet Sod die siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den Wellen gerüttelt und geschüttelt wird. Im Uebrigen heißt sod im Niederdeutschen Brunnen, von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen, aufbrausen, aufwallen, aufquellen; „wie Brunnen von brennen und Welle von wallen.‟ Vergl. Bilge am Ende.

Sog, der, heißt in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser. Eigentlich heißt so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines Schiffes, der Piek; der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe. Weiterhin hat sich dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von diesem Teile des Schiffes als bewegtes, schäumendes Wasser bei der Fahrt hinter sich gelassen wird. Das Wort sog ist zwar niederdeutsch, aber da Zug sonst überall im Niederdeutschen tog heißt, so ist hochdeutsche Entlehnung anzunehmen.

Soldatenloch, das. „Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur Stütze der Marsstenge nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die erforderliche Spreizung zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung der Takelage erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige Öffnung, das sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach den Seiten hin vergrößern läßt und den Zweck hat, das Auflegen des stehenden Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu ermöglichen.‟ (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungeübte Leute, z. B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht außen herum an den Püttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch, das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung sind, der Zimmermann habe besonders für sie dieses Loch gelassen. — Wie jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses häufig in der Form Soldatengat.

Sonnensegel, das, ein aus Segeltuch hergestelltes Schutzdach gegen die Sonne. Das Bedürfnis, sich gegen die brennenden Strahlen zu schützen, ist schon immer empfunden worden, und man hat daher von jeher ähnliche Vorrichtungen getroffen. Die alten Friesen scheinen sich einfach an Deck ein Zelt aufgeschlagen zu haben; sie hatten das Wort dendeschyp (tentschip) = Zeltschiff; doch könnte auch ein Schiff mit einem Leinwanddach gemeint sein.

Sorgleine, die, ist eine am Ruder angebrachte Leine oder Kette, die an Deck fährt oder sonst zugänglich ist und den Zweck hat, für den Fall, daß die übrigen Einrichtungen zum Steuern aus irgend einem Grunde nicht gebrauchsfähig wären, das Ruder wenigstens noch einigermaßen regieren zu können. Darum ist auf jeder Seite des Ruders eine Sorgleine befestigt. Der Name schon deutet den Zweck an: er ist eine Fürsorge für den Fall der Not, schweren Sturmes, Gefechtes etc. etc.

sorren s. zurren.

Spake, die, ein hölzerner Hebebaum zum Drehen des Spills, ] zum Bewegen der Kanonen und vielerlei anderen Verrichtungen an Bord gebräuchlich. Sie muß „handlich‟ sein, sich mit der Hand regieren lassen; tut sie das, so führt sie den Namen Handspake. Neuerdings hört man unter dem Einfluß des zur See fahrenden hochdeutschen Mannes auch Handspeiche. Und in der Tat ist die Radspeiche und die Handspake dasselbe. Altenglisch heißt spake, angelsächsisch space, spaca, mittelniederdeutsch speke, althochdeutsch speicha, die Radspeiche, radius. Das althochdeutsche spahha bezeichnete ein abgebrochenes Stück Holz; und diese allgemeine Bedeutung entsprach in den Anfangszeiten der Kultur sowohl dem was wir Spake als dem was wir Speiche und auch dem was wir Spiker (s. d.) nennen.

Spant, das. Die Spanten sind oft und zutreffend die Rippen des Schiffes genannt worden, die am Kiel wie an einem Rückgrat festsitzen. Röding kannte noch die Form Spann. Aber auch ohne sie würde sich die Etymologie von selbst ergeben, da die Spanten vom Kiel ausgespannt werden. Die Wurzel von spannen bedeutet ziehen, die ursprüngliche Bedeutung von Spant ist also „etwas auseinander Gezogenes, auseinander Gespanntes‟. — Ein Spant besteht aus dreierlei Stücken. Unten am Kiel sind die Bauchstücke befestigt, auf ihnen sitzen die Sitzer; daran schließen sich nach Bedarf die Auflanger. Das Bauchstück heißt auch Lieger; ihm eben entsprechen die Sitzer.

Spardeckschiff, das, s. Schiff.

Speedykessel, der, s. Kessel.

Speiback, die. Eins der schlimmsten Vergehen wider die Schiffsordnung ist das Andeckspucken. Da aber Tabak kauende Leute öfters genötigt sind zu spucken, so hat man hie und da runde flache Holzgefäße — Backen — aufgestellt, die mit Sand gefüllt sind und das vorstellen, was man hochdeutsch einen Spucknapf nennt.

Speigat, das, heißt ein Gat, ein Loch in der Bordwand in der Höhe des Oberdecks, im Wassergang, durch das das Schiff das Wasser, das durch Sturzwellen übergekommen ist, das Regenwasser, das Deckwaschwasser gleichsam ausspeit. Nach Röding hätte früher jedes Deck seine Speigaten gehabt. Er schreibt: „Auf Kriegsschiffen haben die Speygaten des untern Decks an der äußersten Seite des Schiffes eine Mamiering, um zu verhindern, daß die See, insonderheit wenn das Schiff auf der Seite liegt, nicht hineinstürze.‟ Das war trotzdem nicht ohne Gefahr, und darum sind diese Speigaten mit Recht abgeschafft worden. — Bekanntlich hat man bei der Gotik die Wasserspeier mit vieler Sorgfalt behandelt und ihnen die Gestalt von in Stein gehauenen wilden Tieren, aus deren Rachen das Wasser herausfließt, gegeben. — Mittelniederdeutsch spegat; in einem von v. Liliencron herausgegebenen alten historischen Volksliede kommt die Stelle vor, daß infolge eines feindlichen Kanonenschusses „dat blod al ut den spegaten flot.‟

Speisewasser, das, hat seinen Namen nicht daher, daß etwa mit ihm die Speisen gekocht würden, was mit Trinkwasser geschieht, sondern es ist das getrennt von diesem in besonderen Tänks aufbewahrte, zum Kochen und Trinken nicht geeignete Süßwasser, das zum Speisen der Kessel, sowie für Bade-und Waschzwecke bestimmt ist.

Spesen, die, nur in der Mehrzahl gebräuchlich, sind die Kosten für Fracht, Beförderung, Kommission, Schiffsversicherung, Hafenabgaben, Zoll u. s. w., also im Allgemeinen: Handlungsunkosten die auf eine Ware kommen. Wörtlich: Ausgaben; italienisch spese, Unkosten, Mehrzahl von spesa = Aufwand; aus dem mittellateinischen spensa, Aufwand, Lebensmittel; lateinisch expensa, Ausgabe.

Spiegel, der, ist der vom Heckbalken und den Randsomhölzern begrenzte Teil des Hecks; er war früher ganz flach, wie er es bei großen Beibooten jetzt noch ist. Bei hohen Schiffen mit entsprechend hohem Heck hatte er Fenster, in denen sich, wenn das Schiff in ruhigem Wasser vor Anker lag, die Wellen spiegelten. Bei niedrigeren Schiffen wurden die Fenster nur durch Holzwerk und entsprechende Malerei angedeutet. Man kennt diese gemalten Fenster als nicht gerade hervorragende Kunstleistungen. Aber eines lag dem Künstler stets nahe: der Gedanke daran, daß, wenn sie wirkliche Fenster wären, sich das Meer darin spiegeln müßte, und so versuchten sie es mit ihrer Kunst, das sich spiegelnde Wasser auf den geschilderten Fenstern zur Darstellung zu bringen.

Spier, die, ist eine Stange, die an Bord vielfach Verwendung findet, z. B. als Backspier, an welcher im Hafen die Beiboote festgemacht werden, als Leesegelsspier u. s. w. Ursprünglich eine „dünne Stange,‟ eigentlich eine dünne, schwanke, kleine Spitze, ein Grashalm. Die Bedeutung hat sich also ähnlich entwickelt wie die von Bram. Spierstaude = spiraea ist als Tautologie anzusehen. — Hernach = Sparren; französisch (1704) esparres, éparres. In Groningen haben sie ein Zeitwort bespieren, jemanden ein (rechtliches) Hindernis in den Weg legen, ursprünglich eine Spier vor einen Weg machen, zum Zeichen, daß er verboten ist; hochdeutsch: „Ich werde ihm ein Stöckchen davor stecken‟. Altfriesisch spiri = hasta, Speer. Bremer Wörterbuch: „Spier, eine jede kleine Spitze, und in Sonderheit die zarte Gras-oder Kornspitze, welche eben aus der Erde kommt‟. Daher denn auch: Kleinigkeit, ein wenig, ein bischen, etwas Geringes. — Aus germanischer Wurzel spir, platzen, schwellen, wachsen, treiben, sprossen.

Spiker, der, ist jetzt gleichbedeutend mit Nagel, heißt aber eigentlich Holznagel, ja ursprünglich — s. Spake — nur ein Stück Holz, dann ein als Bolzen oder Nagel zugespitztes Stück Holz. Man spricht hochdeutsch von einem Speichernagel; tautologisch, denn in diesem „Speicher‟ steckt Speiche (Spake) = ein Stück Holz, ein Zapfen, ein „Zweck‟, der als Nagel dient. Die ersten Nägel waren von Holz und hießen hochdeutsch Speicher, niederdeutsch Spiker. Letzteres hat sich, wie überhaupt im Niederdeutschen, so auch in der Seemannssprache erhalten, während im Hochdeutschen Speicher auf diesem Wege verschwunden ist: Speicher, Speichernagel, Nagel.

Spill, das, ist die Vorrichtung zum Ankerlichten und auch zum Hissen sonstiger besonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen die Last gehißt werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird dieses gedreht, so daß sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill wickelt. Auf großen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie einigermaßen der Neuzeit entsprechen; auf älteren ein Gangspill, auf den alten, kleinen ein Bratspill oder eine Windas (s. d.). Spill ist Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Bratspill eine liegende Spindel, die wie ein Bratspieß gedreht wird; Dampfspill eine stehende Spindel von starkem Bau; desgleichen das Gangspill, das gedreht wird, indem man Spillspaken in die Öffnungen steckt, mit denen die Matrosen in die Runde gehen. — Ein eigentümliches Schicksal hat das romanische Wort für Spill gehabt. Es heißt englisch capstan, französisch cabestan, aus dem Spanischen stammend, wo es cabrestante heißt. Man hatte ursprünglich einen Bock (cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel, die cabria hieß. Als man dieses Werkzeug verbesserte und die cabria aufrecht stellte, nannte man sie cabrestante, stehende Winde. Soweit wäre die Sache in Ordnung. Aber die Niederländer brachten sie in Verwirrung. Schon bei Kilian ist ein capestant daraus geworden, und 1702 heißt das Spill kaapsta-ander, und daraus machten die Deutschen einen Kopfständer. Doch hatte schon vorher im Mittelniederdeutschen eine andere Verdunkelung stattgefunden, und zwar in kapstange. In einer Livländischen Urkunde vom Jahre 1407 wird als Merkzeichen eines verschollenen Schiffes angegeben: „unde de kapstange si boven spitz und beneden, dar id touwe umme geit, gelike dicke.‟ — Zu dieser Stelle bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-) Bande zu Schiller und Lübben S. 176: „Kapstange kann schwerlich capstan sein, da dieses (ein Gangspill) oben gerade einen dicken Kopf hat, weshalb es auch Kopfständer verdeutscht wird. Es wird Signalstange bedeuten, vergl. kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit Tauen befestigt wird, gleich dick sein.‟ Ich kann dem nicht beistimmen. Wie soll das verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein? Kapinge, das zum Vergleich herangezogen wird, heißt überdies Bake, wie die Bremer Urkunde von 1400 besagt: „ok moghen de Bremere kennynge weten onde kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum, Sandbank, „Plate‟ vor der Weser) ofte op dat rode zand.‟ An Bord führt man keine Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings für gewöhnlich einen dicken Kopf hat, so wird eben als besonderes Kennzeichen jenes verschollenen Schiffes angegeben, daß sein Spill oben spitz war. Es hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken Teile noch irgend eine spitz zulaufende Verzierung.

Spinnaker, der. Wenn Rennjachten mit raumem Wind oder achterlicher Brise segeln, so gilt es, wenn sie keine Rahesegel führen, ihnen auf andere Weise die Möglichkeit zu geben, möglichst viel Leinwand vor dem Winde auszubreiten. Dazu hilft ein Spinnaker, „ein großes dreieckiges Segel aus leichtem Baumwollstoff, welches vermittelst eines Falles am Mast gehißt und mittelst eines Spinnakerbaumes, der an dem äußersten Schothorn des Segels befestigt und mit der am inneren Ende befindlichen Gabel gegen den Mast gestützt wird, ausgebreitet wird.‟ (Dick und Kretschmer II. 285/6). Nach der vom Freiherrn von Strombeck in der Marinerundschau (Oktober 1899 S. 1124-1136) veröffentlichten Übersetzung eines Kapitels aus einer englischen Seemannschaft, sitzt der Spinnakerbaum in einem nach der Gestalt Schwanenhals genannten Gelenk, das in eine Spur am Mast eingesetzt wird und der Spur des Spinnakerbaumes zur Aufnahme und Stütze und zum Halt dient. Der Spinnaker findet sich nur auf Rennjachten, kann nur bei leichtem Winde gefahren werden, dient dann aber dazu, jedes Lüftchen aufzufangen und auszunützen. — Wort und Sache sind englisch; ersteres „from spin, in sense of to go rapidly.‟

Spinnekopp, der, ist ein Hilfsmittel zur Befestigung eines Sonnensegels, das von ferne an das Gewebe einer Spinne erinnert. Es ist ein hölzerner Kopf, ein längliches Stück Holz durch das verschiedene Löcher in regelmäßigen Abständen von einander gebohrt sind. Durch diese Löcher werden dünne Taue gezogen und diese in immer weiterer Entfernung am Firsttau des Sommersegels befestigt. Eben dadurch, daß diese das genannte Segel tragenden Taue von zwei Seiten aus verschiedenen Entfernungen in dem hölzernen Kopf zusammenlaufen entsteht der Eindruck, als habe da eine Riesenspinne ihr Werk getrieben.

spinnen wird im Seemännischen wie im Hochdeutschen gebraucht. Besonders zu erwähnen ist daher nur die Redensart: „ein Garn spinnen‟; etwas lang und ausführlich, „mit epischer Breite‟ erzählen, wie es alte Seeleute, wenn sie überhaupt einmal den Mund auftun, lieben. Sie erinnert an die ursprüngliche Bedeutung von spinnen, die auch in dem studentischen Ausdruck spinnen für trinken und in „Spanferkel‟ liegt, nämlich ziehen, in die Länge ziehen und dabei drehen, herausziehen, trinkend ziehen, „einen Zug tun‟, saugen.

Spleetflagge, die, auch wohl Splitflagge, ist eine Flagge bei der ein dreieckiges Stück ausgeschnitten ist, so daß sie in zwei Spitzen endigt. Sie hat den Namen davon, daß sie wie gespalten aussieht, denn split oder splet ist die niederdeutsche Form für Spalt und bedeutet die Stelle, wo oder von wo aus sich etwas spaltet, der Scheidungspunkt zweier Schenkel, Wege, Linien; von spliten oder spleten = spalten, von einer Wurzel spar, spal = auseinandergehen.

Sporn, der, ist die spitz zulaufende Verlängerung des Vorstevens bei Panzerschiffen, die sie in den Stand setzt ein anderes Schiff zu rammen; daher man auch Rammsporn sagt. Der Reiter hat den Sporn hinten, das Schiff vorne, das Eigentümliche der Bedeutung aber ist „mit den Füßen stoßen,‟ daher ist auch Spur damit verwandt. (Kluge 355).

splissen heißt zwei Taue so zusammenfügen und in einanderflechten, daß an der fest zusammengefügten Stelle kein Knoten und auch keine merkliche Verdickung eintritt. Damit solches geschehen könne, muß man zuerst das Gegenteil von Zusammenfügen vornehmen, nämlich die beiden Taue, die mit einander verbunden werden sollen, einzeln mittelst des Marlspikers spalten und auseinander teilen, damit dann die beiden Teile ein jeder mit seinen einzelnen Teilen gegenseitig in einander eingesteckt und durch einander durchgesteckt werden können. Splissen nennt man zunächst eigentlich nur dieses Spalten, dann aber die ganze dazu gehörige Arbeit; hochdeutsch spleißen, mittelhochdeutsch splizen; davon auch Splitter als etwas Gesplissenes. — Mit dem Splissen geht das Knoten Hand in Hand. Die beiden Künste werden dem angehenden Seemann zusammen beigebracht. Deshalb heißt der Unterrichtsgegenstand stehend „Splissen und Knoten‟. Die verschiedenen Knoten kunstgerecht zu machen ist auch wirklich eine Kunst. Der sinnigste und bedeutsamste ist der englische truelove-knot oder truelover’s-knot, ein künstliches, symbolisches Gebilde, das sich ohne Abbildung kaum beschreiben läßt, zumal es verschiedene Arten gibt. Als die Preußische Marine eingerichtet wurde und das Schiffsjungen-Institut ins Leben trat (24. April 1850), wollte man eine Zeit lang sich aufs Vornehme aufspielen und sagte anstatt knoten knüpfen. Das hat aber nicht lange gedauert.

Splitterdeck, das. „Ein in der Richtung der Unterkante des Seitenpanzers liegendes und mit einer stärkeren Beplattung als die gewöhnliche Decksbeplattung versehenes Zwischendeck heißt Splitterdeck.‟ „Es ist in der Regel nur dann vorhanden, wenn sich an der Oberkante des Gürtelpanzers ein Panzerdeck befindet.‟ (Dick u. Kretschmer). Es hat die Bestimmung, die unter ihm gelegenen Räume gegen Splitterwirkung zu schützen.

Sponung, die. Das ostfriesische Zeitwort sponen heißt spalten, abspalten, einkerben. An den Stellen wo ein Balken an den andern anstößt oder mit ihm verbunden werden soll, muß, damit er sich fest anlegt, aus dem einen Balken ein Stück von der Gestalt des anderen herausgeschnitten werden. Dieser Schnitt heißt die Sponung. Nach Doornkaat hängt das Wort mit Spahn zusammen, denn auch diesem liegt der Begriff des Gespaltenen zu Grunde.

Spriet, das, eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein sogenanntes Sprietsegel ausspannt und der schräg liegende Baum, der als Mast angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet heißt. — Es kommen in Spriet zwei Begriffe zusammen. An sich bedeutet es, als von sprießen stammend, als etwas Gesprossenes, einen Baum, eine Stange, einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoralis, angelsächsisch spreot = Stange, Pfahl, Spieß; niederdeutsch spret. „Als der Schwedenkönig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbiörn schlagen sollte, opferte Styrbiörn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er einen großen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel (reyrsproti) in die Hand, ihn über das feindliche Heer mit den Worten zu schießen: „Odin hat euch alle!‟ Als das geschah, erschien ein Wurfspeer in der Luft, flog über Styrbiörns Schlachtreihen und schlug sein Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blindheit.‟ (Simrock, Myth. 176) — Sodann aber spielt, weil, wie erwähnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum Ausspannen gebraucht wird, auch der Begriff spreizen dazwischen. Man kann die Begriffe aber so auseinander halten, daß man sagt: bei Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im Vordergrunde; beide aber stammen von der germanischen Wurzel sprut, emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelsächsisch sprutan, englisch sprit; niederländisch spruiten.

Spring, der, auch Sprung, ist der Auflauf des Vor-und Hinterschiffes im Vergleich zum Mittelschiff, so daß dieses der niedrigste Teil des Schiffes ist; die Erhebung des Decks nach vorn und hinten zu. Diese Erhöhung hat Einfluß auf die Freibordhöhe. Das Wort kommt von springen im Sinne der Architektur. Wie man sagt: „die Ecke springt vor‟, so ist hier gedacht: „das Deck springt höher.‟

Spring, der. Wenn man aus irgend einem Grunde das Schiff nicht so liegen haben will wie es sich, von der Strömung abgesehen, von selbst zum Winde legt; wenn man also nicht haben will, daß der Wind von vorne kommt, sondern, besserer Ventilation oder — beim Kohlen-Übernehmen — grösserer Reinlichkeit wegen, von der Seite; oder wenn nicht Raum genug da ist um in der gewöhnlichen Weise vor Anker zu liegen; oder man will als Kriegsschiff seine Breitseite gegen eine feindliche Stellung kehren — so gibt man dem Schiffe die gewünschte Lage dadurch, daß man das Hinterteil mit Hilfe einer ausgebrachten Trosse dreht. Diese Trosse kann an der eigenen Ankerkette oder an einem Ducdalben oder einer Boje oder sonstwie festgemacht werden. Man sagt dann: „das Schiff liegt auf dem Spring‟, „ist auf den Spring geholt.‟ Unter den schier zahllosen Dingen und Begriffen, die im Englischen mit Spring bezeichnet werden, befindet sich auch diese Trosse, „a rope passed out of a ships stern, and attached to a cable proceeding from her bow, when she is at anchor. It is intended to bring her broadside to bear upon some object.‟

Springflut, die. Das Gegenteil von Nipflut. Während diese letztere die Flut zur Zeit der Mondviertel bedeutet, da die Flut am niedrigsten ist, bedeutet Springflut die höchste Flut wie sie zur Zeit des Vollmondes und Neumondes einzutreten pflegt. Man hat Spring für englisch ausgeben wollen. Es ist deutsch, niederdeutsch. In Ostfriesland heißt Spring das Aufspringen, Aufsteigen, Aufquellen, Aufwallen von Wasser; in Holland spring Quelle, Springbrunnen, Springflut, Ursprung. Aus „entspringen‟ und „Springbrunnen‟ sehen wir, daß auch im Neuhochdeutschen das althochdeutsche Spring, sprinc, = Quell, nicht ganz geschwunden ist. — Wie gedankenlos man zuweilen mit der Sprache umgeht beweist der Ausdruck, den man hören und auch lesen kann: Springebbe, der aber ganz mechanisch und äußerlich ohne Rücksicht auf den Sinn von Spring als einfacher Gegensatz von Springflut gebildet worden ist. — „Dat de Mahn de Ebbe und Floht regeret, und de Vorloping des Getides verorsaket, ys jetzunder by ein jeder, und insunderheit by den Seefahrenden genoch bekandt, welckes Natur und Egenschop ys beschreben van Renates descartes, in dem Anfang sinder begehrden Wyßheit, int veerde Deel, dar He anwiset, dat erenehr de Mahn full, offt nie ys, dat alßdenn de Flothen höger, und de Ebben syder fallen, welckes by uns ein Sprinckstrohm genöhmet werd‟... „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Lübeck 1673.

Stab, der eines Kriegsschiffes, wird gebildet von den Offizieren und höheren Beamten. Im Mittelhochdeutschen war stap = Stab, wie jetzt der Feldmarschallstab das Zeichen hoher militärischer Gewalt, das Zeichen amtlicher, besonders auch richterlicher Gewalt. „Der Stab‟ im neuzeitlichen Sinne sind die Gehilfen, die ausführenden Kräfte, die ein Befehlshaber um sich versammelt hält, auch wenn er nicht grade den Stab im mittelalterlichen Sinne als Abzeichen seiner Amtsgewalt trägt, wie die Polizisten in England noch heute tun. — Stabsarzt, Stabsingenieur, Stabszahlmeister sind jetzt lediglich Bezeichnungen eines Dienstgrades.

Staden, der, ist leider kein eigentliches Seemannswort, weil nur von oberdeutschen Schiffern gebraucht; Straßburg, Basel, Zürich haben ihre Staden. Es bedeutet das Wort Flußufer, eine Stelle wo man stehen und wo man Güter hinstellen kann. Von der indogermanischen Wurzel sta = stehen, von der auch Gestade kommt. Betrübenderweise schon mehrfach durch quai verdrängt, (Limmatquai in Zürich). Wenn man noch wenigstens, da Quai ursprünglich ein niederdeutsches Seemannswort war, die Form Kai oder Kaje gewählt hätte.

Stag, das, ein dickes Tau, durch das jeder Mast und jede Stenge ihre Befestigung nach vorne erhält, während die Wanttaue zur Befestigung der Masten nach beiden Seiten und nach hinten zu dienen. Die Stage halten die Masten hauptsächlich beim Stampfen des Schiffes, die Wanten beim Schlingern. Jeder Mast und jede Stenge hat ein Stag; es fährt um den Top und von da nach dem Fuß des nächstvordern Mastes oder der nächstvordern Stenge, beim Vortop oder bei einmastigen Schiffen nach den entsprechenden Stellen des Vorgeschirrs. — Niederländisch stag, isländisch, norwegisch, schwedisch, dänisch stag; englisch stay, französisch étai, spanisch und portugiesisch estay. Das Wort kommt von stan = stehen, als etwas, was etwas stehen macht, stützt; mittelniederdeutsch staeden, staeyen; bei Kilian staede, staye, Stütze, Hilfe. — Aber nicht nur zur Stütze der segeltragenden Masten und Stengen dienen die Stage, sie tragen nebenbei auch selbst Segel, dreieckige, Stagsegel genannt, die näher bezeichnet und benannt werden nach den Stagen an denen sie fahren. — Wenn man das Schiff wendet so gehen die Stagsegel von der einen Seite über das Stag auf die andere Seite; daher man das Wenden auch nennt „über Stag gehen.‟ — Staglaterne ist eine Laterne, die am Vorstengestag gehißt wird, hoch in der Mitte zwischen beiden Positionslaternen, zum Zeichen daß das Schiff unter Dampf ist. Auch die Ankerlaterne wird in ähnlicher Weise, doch niedriger, gehißt, zum Zeichen, daß das Schiff vor Anker liegt. — Über Stagläufer s. Läufer. — Ein schöner dichterischer Ausdruck für Pferd findet sich in der Edda: stagstjorn-marr, Stagsteuermähre, also ein Pferd das Stag und Steuer hat, dem der Zaum und Zügel als Halt dient und die Richtung angibt. — Stagtalje, Stagtakel erklären sich von selbst. — Von Stag ist seemännisch ein Zeitwort gebildet: stagen = stützen. — Wasserstag heißt das Stag des Bugspriets nach dem Vorsteven zu, weil es so nahe am Wasser, das dem Wasser nächste Stag, ist. — Es gibt auch noch einen von „wenden‟ verschiedenen Sinn von „über Stag gehen‟, nämlich den von „fallen, umfallen‟; wenn das Schiff z. B. plötzlich sehr „überholt‟, sich unvermutet sehr auf die Seite legt, so geht etwas das nicht fest, seefest gezurrt ist „über Stag‟, d. h. es verliert seinen Halt, seine Stütze, sein Gleichgewicht und fällt um.

staken wird seemännisch für die Tätigkeit zur Fortbewegung eines kleineren Fahrzeuges in seichtem Wasser mit Hilfe von Staken oder Stangen gebraucht. Der Stakende stößt mit der Stake in den Grund und stößt so das Schiff vorwärts. Das niederdeutsche stake = Stange ist uns Hochdeutschen in dem Worte Stacket, Zaun von Pfählen, durchgeschnittenen Stangen, geläufig.

Standarte, die, die Flagge des Landesherrn und der Mitglieder seines Hauses, im Großtop gehißt, die Gegenwart der Genannten an Bord anzeigend. Mittelhochdeutsch stanthart; bei Stieler 1691 Standart, mitttelniederdeutsch standart, bei Kilian standaerd = vexillum, signum; altfranzösich estendart, neufranzösisch étendart, spanisch estandarte, provençalisch estendart; italienisch stendardo, mittellateinisch standarda, vom lateinischen Zeitwort extendere = ausbreiten. Ursprünglich eine Reiterfahne.

stampfen, s. schlingern.

Stander, der.

1. Eine dreieckige Signalflagge, s. Standarte.

2. Verschieden von 1, auch der Ableitung nach, ist Stander, niederländisch staander, ein „Stehender‟, nämlich ein stehendes Tau oder eine stehende Kette zum Tragen und Halten von Lasten, z. B. Drehreepstander, Kohlenstander. Stehend ist aber, wie Kohlenstander beweist, nicht im Sinne von „aufrecht stehend‟ gemeint, sondern im Sinne von „fest stehend‟, im Gegensatz zu laufend, zu „laufendem Gut‟ als „stehendes Gut‟ betrachtet.

3. Stander, der, oder Ständer, eine aufrecht stehende Stütze aus (hohlem) Eisen, an Stellen wo sie beim Exerzieren, im Gefecht u. s. w. hinderlich sind, beweglich und abnehmbar.

Die beiden Stander 2. und 3. kommen von stan, stehen; Stander unter 1. von extendere, ausbreiten, entfalten.

Stänge, die, ist die Verlängerung des Mastes nach oben in der Reihenfolge Marsstänge, Bramstänge, Öberbramstänge. Eine vielgebrauchte Nebenform dazu ist Stenge, wie Stänge selbst Nebenform zu Stange ist. Eine Diminutivform zu Stange ist Stengel. Die Verlängerung des Bugspriets heißt nicht Stänge, sondern Baum, Klüverbaum, Außenklüverbaum oder Jagerbaum.

Stapel, der, ist das Gestell, das Gerüst, die Unterlage von hölzernen Stapelklötzen auf dem der Kiel eines im Bau (oder im Dock) befindlichen Schiffes ruht. Ist das Schiff fertig, so wird es vom Stapel gelassen, es läuft vom Stapel, sein Stapellauf findet statt. Zur Erklärung geht man wohl am besten auf das altfriesische stapul, stapel zurück, das den Block bedeutete, auf dem ein Kopf oder eine Hand abgehauen wurde, den Richtblock. Es ist also Stapel die aus dergleichen Stapeln errichtete Unterlage, auf der das Schiff beim Bau aufliegt. Weil nun diese Stapelklötze in gerader, geordneter Reihe liegen, so heißt stapeln etwas z. B. Holz, geordnet hinlegen oder hinsetzen, und zwar nicht bloß in einer Reihe, sondern wenn es die Ordnung erfordert auch auf einen Haufen; daher „ein Vermögen aufstapeln‟, besonders auch Güter aufstapeln, namentlich gelöschte Ladungen, die aufzunehmen gewisse Städte das Vorrecht vor anderen hatten, das sogenannte Stapelrecht, wie es lange Zeit Emden für die Ems besaß. Daher niederländisch staapel-plaats (1704 bei Aubin), ein öffentlicher Handelsplatz, wohin die Kaufleute gewisser Gegenden ihre Waren bringen müssen um sie zum Verkauf auszustellen. Das Bremer Wörterbuch erklärt stapel mit „Haufe, nämlich ein ordentlicher gelegter Haufe in richtiger Reihe‟, so wie die Stapelklötze liegen. Das Wort kommt von einem alten Thema stap, von dem das altsächsische Zeitwort stapan = setzen, stellen stammt. Kilian übersetzt stapel mit stabulatio, sedes, statio. Auch sonst kommt das Wort im Mittelniederdeutschen in zahlreichen Bedeutungen vor, z. B. auch in der von „Haublock eines Knochenhauers.‟

stauen.

1. Wasser stauen heißt es irgendwie hemmen, daß es nicht weiter fließen kann, abdämmen, durch einen Damm am Fließen hindern, zum Stehen bringen.

2. Waren in einem Schiffsraum unterbringen, niedersetzen, aufstellen, ihnen den richtigen Stand und die rechte Stelle geben, sie sachgemäß unterbringen, sie so legen oder stellen, daß sie nicht über Stag gehen. — Im übertragenen Sinne: viel essen.

Beide Bedeutungen kommen in der einen überein „stehen machen‟. Niederdeutsch stauen; mittelniederdeutsch stouwen, stowen, auch in der Zusammensetzung understouwen. In einem Hansischen Vertrag von 1442 heißt es: „Unde de schipher schal deme kopmanne de vittallige (Lebensmittel) understouwen, unde schal sulven nene vittallige offte kopmansgud up den averlope (Overlop zwischen Back und Schanze) voren‟. Altenglisch steowin und stowin, englisch stow; althochdeutsch stowan, stouwan, stuwan; mittelhochdeutsch stouwen = hemmen, stauen, stehend machen; aus einer Wurzel sta, stu = stehen.

Stechbolzen, der, ist ein einfaches Tauende mit einem Auge an der einen Seite. Die Stechbolzen dienen dazu, den Teil des Segels der durch die Reeftaljen an die Rahe herangeholt ist an diese festzustecken. Das Wort ist Verhochdeutschung von Stekbolzen. Stek ist etwas was durch Durchstecken eines Taues durch ein Auge entstanden ist. Bolzen ist ein Etwas, das nach dem Ende hin verdickt ist; der Stechbolzen ist durch das Auge verdickt.

Stechschwert, das, s. Schwert.

Stehendes Gut, s. Stander 2.

Steife, die, s. Metacentrum.

Stek, der. Wenn man das Ende eines Taues mit dem Tau selbst zusammensteckt nachdem dieses um den zu befestigenden Gegenstand gelegt ist, und zwar so zusammensteckt, daß durch das Durchstecken des Endes eine Schlinge entsteht, die nicht schliert wenn Kraft darauf kommt, also nicht sich zum Knoten zusammenzieht, sondern leicht löslich bleibt, so hat man einen Stek gemacht. Man kann ihn auf verschiedene Weise machen. Je nachdem er gemacht ist oder nach dem Zwecke des Gebrauches hat er verschiedene Namen. Ankerstek, der Stek mit dem das Ankertau am Röring des Ankers befestigt wird; Fischerstek der, mit dem man Säcke zum Ein-und Ausladen befestigt; Schotenstek, mit dem man die Schot an das Schothörn festmacht; Trompetenstek zur einfachen Verkürzung eines zu langen Taus, das man nicht abschneiden will; Zimmerstek, um Rundhölzer beim Hissen gelegt; Sackstek, um zwei Taue an einander zu binden, u. a. m. Ein Palstek (s. d.) ist ein Stek mit dem man eine Troß um einen Pfahl, einen Dücdalben legt. Das Nähere gehört in das Gebiet der speziellen Seemannschaft. Das Wort steht als niederdeutsche Form für Stich, es ist gewählt, weil das Ende durchgesteckt wird; stecken aber ist Faktitivum zu stechen.

Stell, das, ist ein echt seemännischer kurzer, knapper Ausdruck für Zusammenstellung. Man spricht von einem Stell Segel, das bedeutet eine Zusammenstellung von Segeln, so daß von jedem Segel das an Bord geführt wird, ein Exemplar vertreten ist; ebenso von einem Stell Flaggen etc. etc. Es bedeutet also das was wir im Hochdeutschen mit dem Fremdworte Sortiment bezeichnen.

Stelling, die, ist ein Gestell, das aus einigen Querhölzern mit Brettern darüber besteht und an Tauen schwebt, so wie es die Maler haben wenn sie ein Haus anstreichen. An Bord gebraucht man eine Stelling um außenbords die Nahten zu kalfatern, die Außenbordwand zu malen, die Stängen zu schrapen u. s. w. Es heißt eigentlich Stelling, nicht sowohl weil es steht, sondern man sich darauf stellen kann; meist aber sitzen die Matrosen darauf und lassen die Beine herunterbaumeln.

Stenge, s. Stänge.

Stern, der, s. steuern.

Steuerbord, die rechte Seite des Schiffes von vorn bis hinten, die ganze rechte Seite und zwar von hinten aus gesehen, in der Richtung der Fahrt betrachtet. Es ist der Bord über den in alter Zeit gesteuert wurde als dies noch mit einem Riemen oder einer Pagaie geschah. Vergl. Backbord. Steuerbord heißt in Holland stuurboord, sprich stürboord. Von da haben es die Franzosen übernommen mit der Aussprache stirbord und haben daraus durch Umstellung (Metathesis nennen es die Schriftgelehrten) stribord gemacht. Weil nun stribord die rechte Schiffsseite ist, so haben es nachher etliche aus dem Lateinischen deuten wollen, als ob es eine Abkürzung von dextribord wäre, und dextribord hat es auch eine Zeit lang auf französisch geheißen, bis man sich besann und wieder zu stribord zurückkehrte; da man ja in der französischen Seemannssprache schon so viele deutsche Seemannswörter hatte, kam es auf eins mehr auch nicht an. — Mittelniederdeutsch sturbord; Seebuch (1400): „De dar wil segelen to Kalkesorde de sal laten dat twedeel van dem watere an backbort van eme unde dat dorde deel an sturbort.‟ — Lucas Jansson Waghenaer, 1588 im „Spiegel der Zeevaerdt‟ hat stuyerboort: „... so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eylant daer een Kercxken op staet.‟

Steuerbordwache, s. Wache.

Steuermann, der, war früher der Mann der steuerte, indem er am Stern sitzend mit einem Ruder freihändig dem Fahrzeug die Richtung gab. In der Edda heißt er stjori = Lenker, angelsächsisch steorman, altenglisch steores mon, althochdeutsch stiurman, mittelhochdeutsch stiure, stiurman; (stieurmeier heißt dagegen Steuereinnehmer); althochdeutsch und mittelhochdeutsch auch scifmeister, Schiffsmeister. — Jetzt steuert der Steuermann nicht mehr, er ist (wohl auch nicht grade respektvoll „Stürke‟ genannt) auf Handelsschiffen der Mann, der die Navigierung besorgt, nachdem er auf einer Steuermannsschule die Prüfung bestanden hat; auf Kriegsschiffen ist er ein Deckoffizier, der mit seinen Steuermannsmaaten und Steuermannsgasten das Navigationsressort unter Aufsicht und Verantwortung des Navigationsoffiziers verwaltet. Das Steuern besorgen auf dem Schiffe die Rudergänger, im Boot der Bootssteurer.

steuern, ein Schiff, ein Boot lenken. Altenglisch steoren; angelsächsisch steoran, stieran, styran; althochdeutsch stiuran; altfriesisch stiura, stiora, isländisch styra. Gothisch stiurjan; mittelhochdeutsch stiuren. Zur Erklärung geht man passend von dem niederdeutschen Eigenschaftswort stur aus, das „stark‟ bedeutet, und vergleicht dazu die Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen stiuren: stützen, lenken, leiten, lindern, beschränken, Einhalt tun, mäßigen, treiben, stoßen, bedrängen, unterstützen, helfen, wozu verhelfen, versehen mit, beschenken, ausstatten, als Abgabe entrichten, Steuer zahlen, Steuer auflegen, erheben. Dann leuchtet die Annahme Schades doch sehr ein, daß das althochdeutsche stiuri, stark, der Ursprung und Grundbegriff von steuern sei. Ein Starker mußte das Ruder führen, ja der Stärkste wird es geführt haben in einer Zeit, wo man weder Pinne noch Rad besaß, sondern der Steuernde saß im Heck, oder vielmehr in dem von stiuren den Namen führenden Stern, und lenkte mit dem Ruder (daher Steuerruder, stiurruodar, was damals paßte, jetzt aber nicht mehr gesagt werden kann, seemännisch auch nicht gesagt wird) fest und sicher das Fahrzeug durch Klippe und Brandung, indem er das Ruder aus freier Hand regierte. — Von dieser Tätigkeit des Regierens bis zu einem wirklichen Regiment war nur ein Schritt. In Zeiten wo es gilt, richtet sich der Blick aller auf den Stärksten, Mutigsten, Kühnsten. Der Stärkste am Ruder ward wie von selbst der Führer, der Herr, der Häuptling, der Herzog der anderen; er kam ans Staatsruder, an die Regierung, angelsächsisch steor, styr; altenglisch steore; althochdeutsch stiura; wie man denn im Niederländischen noch heute jedes Regiment bestuur nennt: gemeentebestuur, huisbestuur, scheepsbestuur, staatsbestuur, stadsbestuur, ja jeden Vereinsvorstand. So erklärt sich auch Steuer als Abgabe. Zunächst freiwillige Abgabe an den Stärkeren zur Unterstützung bei seinem Aufwand für das gemeine Wesen, gegeben auf seine Bitte hin. Daraus ward dann nach und nach ein Herkommen, ein Sitte; und wie es von der bede zur sede ging, so ging es nach und nach von der sede zur wede, zum Gesetz. Daneben aber blieb das Geschenkmäßige in Aussteuer und Haussteuer, wie mundartlich ein Hochzeitsgeschenk noch heute genannt wird, Geschenk ins (neue) Haus. — Wie die beiden Begriffe steuern und regieren zusammenhängen sieht man aus dem Teuthonista: stuyren: regieren een scheep of anderswat, oder sonst etwas; ja bereits im Beówulf finden wir styrian sowohl für lenken als auch für feststellen, ordnen. — Das Steuer, also das was man seemännisch jetzt Ruder nennt, die Steuervorrichtung, hieß mittelniederdeutsch stur, stür; davon kommt die mittelniederdeutsche, auch im niederdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch noch vorhandene Wendung „over sture‟, rückwärts, „over stür gan‟, zunächst vom Schiff = „über den Achtersteven gehen‟, rückwärts getrieben werden, dann auch bildlich: „den Krebsgang gehen.‟

Stert, der, ist ein kurzes Tauende das an einem Block — der darum Stertblock heißt — befestigt, gesplißt ist und an dem der Block irgendwo, wo er grade gebraucht werden soll, festgebunden werden kann. Einen ähnlichen Stert hat die Ankerboje zum Anfassen, die Leesegelspier zum Befestigen. Stert heißt im Niederdeutschen Schwanz, das althochdeutsche sterz, mundartlich noch heute als Sterz im Gebrauch. Der Ausdruck kommt von der Ähnlichkeit; ein Block mit einem Stert sieht einem kurzen dicken Tier mit einem langen Schwanze ähnlich. — Im Mittelniederdeutschen war stert, wie es scheint, ein sehr beliebtes Wort, man wandte es sogar, weniger fein als deutlich, auf Menschen an: „Id syn itlike lude, die ore kleidere so kort maken, dat men sie achter in den stert mach syn.‟ Hirsch, Danziger Handelsgeschichte, berichtet aus dem Jahre 1447 von deutschen Seeleuten die den englischen gram waren: „vnd also in tauernen sittende seyden se, se wulden den Engelschen de sterte vor dem ersse aff houwen.‟ Im Redentiner Osterspiel von 1464 sagt der Teufel Oberster Lucifer zu seinen Unterteufeln: „De krugerschen myt ereme tappen Unde ok den monnik mit syner cappen. De holdet alle bi deme sterte.‟ — Im Seebuch (1400) wird stert als Bezeichnung des spitzen Ausläufers eines Sandes, einer Sandbank gebraucht: „Item van den sulven sande strecket eyn stert aff, de het de Speyt‟... „Unde buten der Seynis sal he vinden 55 vadem, unde komet nicht neyer by nachte, umme des stertes willen, wente he strecket verne in de see.‟

Steven, der, ist ein starker auf und nieder stehender Balken am Bug und am Heck, der an diesen Stellen die Gestalt des Schiffes bestimmt; den Lauf des Bugs vorne und die Form des Hecks hinten; vorn heißt er Vorsteven, hinten Achtersteven; an den Steven stoßen die Seitenplanken der beiden Borde an und sind mit ihm durch eine Sponung verbunden. Früher kannte man es nicht anders als daß der Vorsteven weit überkragte, auslud oder überschoß, oft um den achten Teil der ganzen Schiffslänge. Dem modernen Dampfschiffsbau blieb es vorbehalten, den Vorsteven zurückspringen oder wenigstens senkrecht verlaufen zu lassen; für das Auge des Seemanns keine Verschönerung. Auch ist bei den großen neuen eisernen oder stählernen Schiffen der Steven längst kein Balken mehr, sondern eine in einem Stück gegossene Eisen-oder Stahlmasse. — Das Wort Steven gehört in das weitverbreitete Gebiet der Wurzel sta = stehen, und zwar so daß Stab und Stamm dabei mitspielen und einmal mehr Stab, das andere Mal mehr Stamm in den Vordergrund tritt. Altsächsisch stamn, ein aus einem Stamm (Einbaum!) gefertigtes oder mit einem Stamm (Steven) versehenes Fahrzeug. Altfriesisch stef, stev, Pfahl, Stab, Grenzpfahl, vor allen Dingen ein Kreuzpfahl, an dem jemand zum Beweise seiner Unschuld eine gewisse Zeit unbeweglich mit ausgebreiteten Armen stehen mußte. Hielt er die gesetzte Zeit nicht aus, so wurde er sachfällig. Auch standen beide Parteien am Kreuze, und der es am längsten aushalten konnte, erhielt die triumphante Sentenz, wie Wiarda mitteilt. Dieses Ordale genannte examen crucis hat übrigens Ludwig der Fromme schon abgeschafft. — Angelsächsisch stafn, stefn, stemn = Baumstamm und Steven. Steven ist also der Teil des Schiffes der durch einen Stamm Festigkeit erhält, durch ihn verstärkt und versteift ist. Das bezieht sich allerdings besonders auf das Vorderteil des Schiffes. Aber es war in alten Zeiten schon so und ist auch heute noch so, daß, wenn kurzweg von Steven die Rede ist, man zuerst und hauptsächlich an den Vorsteven denkt. Schon in der Edda hieß stafn das Vorderteil des Schiffes und stafn-tjald war ein daselbst aufgeschlagenes Zelt. Auch die alten Friesen sagten stewen und meinten den Vorsteven; Emsiger Land-Recht: „Huarsoma annen ut smit eter stewene, that ma hine eter stiure wither haut‟, wenn man jemanden beim Vorderteile des Schiffes auswirft, daß man ihn beim Hinterteile wiederkriegt. Das war auch im Mittelniederdeutschen so: Hamburger Chronik: „vnd synt de Hamborger vnd Bremer myt schepen tor seewert gerucket... vnd weg genamen, wat en vor steuen gekamen is.‟

Steward, der. Diese Bezeichnung des „Kellners‟ bezw. Ökonomen an Bord sieht sehr englisch aus, stammt aber von deutschen Eltern ab. Sie bedeutet ursprünglich einen Viehhüter. Das mag den Earls of Leicester, in deren Familie das Amt eines Lord high steward als das vornehmste im Lande erblich war, schon nicht mehr bewußt gewesen sein, aber Tatsache ist, daß das Wort angelsächsisch stigeward und stiward, altenglisch styward hieß und eine Zusammensetzung des altdeutschen Wortes stiga, Schweinestall, Schafstall, überhaupt Stall und wart Wärter ist. Insofern in alten Tagen, wie es Walter Scott im Ivanhoe an Cedrik und seinem Wambo so meisterhaft geschildert hat, der Viehstand eines vermögenden Mannes das Hauptstück seines Vermögens ausmachte, auch in jenen unruhigen und rechtsunsicheren Tagen ein energischer, mutiger, kampfgeübter Mann als Wächter, Hüter und Verteidiger dieses Besitzstandes nötig war, war dieses Amt gar nicht so unwichtig, und es nimmt uns nicht Wunder, daß solch ein Viehhüter sich allmählich zu höherem ausgewachsen hat. So gut wie der Marschall sich gefallen lassen muß, daß sein Amtstitel Pferdeknecht bedeutet, so gut kann es jeder Steward mit ansehen, daß er vom Stallknecht abstammt. Was man übrigens damals unter einem Stall verstand, war aber gewiß nichts weiter als ein Pferch, ein Verschlag von Latten, eine Hürde in die die Tiere des Nachts getrieben wurden. Nur so erklärt sich das sonst befremdliche altdeutsche Wort Stiga. Wir müssen annehmen, daß die Wände des Pferches wie eine Leiter, eine Stiege gestaltet waren und auch zum Steigen benutzt wurden. Ward ist ein weitverbreitetes, gemeingermanisches Wort, von dem auch das wie ein Fremdwort aussehende Garde stammt, auch Münzwardein, Wartefrau und Wirt (gotisch vairdus, sprich wärdus, noch heute wird Wirt vielfach wie Wärd ausgesprochen), wie denn der Begriff Wirt dem von Steward auf einem Kriegsschiffe auch in der Bedeutung sehr nahe kommt. Die ganze Sippe geht zurück auf althochdeutsch wartjan, warten, aufwarten, hüten, pflegen (daher êwart der Priester, der Hüter des Rechtes), gotisch vards, altfriesisch wardia, altenglisch ward, altisländisch vördr. Da das Wort unser deutsches Eigentum ist, so kann uns niemand verwehren es Ste-ward anstatt Stjuward auszusprechen: sprechen es doch selbst die Engländer nur in Folge der falschen Meinung Stjuard aus, daß es aus stew und ard bestände, da es doch aus ste und ward besteht.

stoppen heißt in der Seemannssprache „eine Bewegung aufhalten‟, „machen, daß etwas sich nicht weiter bewegt‟, z. B. eine Maschine, ein laufendes Tau, eine Logleine, eine Ankerkette. Das entsprechende Kommando heißt: „Stopp‟ oder „Stop‟! oft mit einer lang gedehnten scharf betonten Endung e, „Stoppé!‟ Im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt stoppen: stopfen, füllen, voll machen, verstopfen, dicht machen, stehend machen, hemmen, aufhalten, angelsächsisch stoppian, altsächsisch stuppon, althochdeutsch stoppon. Vom lateinischen stuppare, mit stuppa = Werg verstopfen, italienisch stoppare, altspanisch estopar, französisch étouper = „to stop with tow‟. Diese Bedeutung „mit Werg verstopfen‟ führt uns den ursprünglichen Vorgang vor Augen: man verstopfte die Ausflußöffnung irgend eines Flüssigkeitsbehälters mit Werg und versperrte dadurch der Flüssigkeit den Weg, daß sie nicht in Bewegung geraten, daß sie sich nicht aus dem Gefäß herausbewegen konnte, von hier aus entwickelte sich die Bedeutung weiter bis zu dem allgemeinen Begriffe „hemmen.‟ Das Wort ist also mit stauen bedeutungsverwandt. — Bei Kilian wird het schip stoppen sogar noch mit kalfaten wiedergegeben, man dachte damals also noch an das Werg. — Es gibt an Bord verschiedene Arten eine Bewegung zu hemmen. Ein Tau wird mit einem Abstopper abgestoppt, der auch kurz Stopper heißt oder Taustopper, da er ein kurzes Tauende darstellt mit dem ein Tau, das geholt wurde, so lange festgehalten wird bis es belegt ist und sich selbst hält. Besonders wichtig sind, von der Dampfmaschine und ihren Vorrichtungen zum Stoppen abgesehen, die Stopper der Ankerkette. Je nach dem Orte wo sie in Tätigkeit treten oder nach der Weise wie sie arbeiten, spricht man von Zwischendecksstoppern, Decksstoppern, Kneifstoppern, Zungenstoppern und Schlippstoppern.

Stosstalje, die, dient, wie auch der Stoßstander, zum Abstützen der Unterrahen wenn das Schiff heftig schlingert und die Rahen sonst hin-und hergestoßen würden, oder wenn auf die Rahe durch das Hissen einer schweren Last viel Kraft kommt. Diese Taljen und Stander haben also ihren Namen nicht davon, daß sie stoßen, sondern davon, daß sie das Stoßen verhüten sollen. —

Strak, die, ist die Richtung in der etwas verläuft, die Gestalt oder der Zug wie eine Sache sich ausdehnt. So spricht man von einer Decksstrak, einer Spantenstrak, einer Reelingsstrak und meint damit die Linien in denen sich ein Deck etc. etc. hinzieht. Linie, Strich, Zug, Reihe, Streifen, Strecke u. s. w. bedeutet nämlich das niederdeutsche Wort strack, das auch für Landstrich, Gegend gebraucht wird, es kommt von striken = strecken, eine Bewegung, einen Zug machen.

Strand, der, sonst ein Streifen am Meer, der bald von der Flut mit Wasser bedeckt, bald von der Ebbe trocken gelegt wird, der also einmal Land und einmal Wasser ist; so im „Seebuch,‟ 1400, und noch bei Röding 1794. Jetzt aber ziemlich gleichbedeutend mit Küste, namentlich wenn diese flach ist. Allenfalls daß man in Seebädern im besonderen Sinne von einem (sandigen, nicht schlickigen) Badestrande redet. — Auch stranden wird nicht mehr als scharf umgränzter Begriff gebraucht, sondern häufig mit scheitern zusammengeworfen, wiewohl man doch stranden kann ohne zu scheitern, da schon manches gestrandete Schiff aus eigener Kraft oder mit fremder Hilfe wieder flott geworden ist, sogar ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen. — Das Wort Strand ist ziemlich spät aus dem Niederdeutschen ins Neuhochdeutsche übergegangen. — Was die sehr schwierige Deutung des so einsam und allein im weiten Sprachgebiet stehenden Wortes betrifft, so sieht es beinahe so aus als ob die Bedeutung „sandiger (Bade-)Strand‟ die ursprüngliche wäre, indem, wie Doornkaat anzunehmen geneigt ist, ein schallmalendes Thema stradht zu Grunde liegen könnte, daß das Knirschen des Sandes beim Betreten andeuten dürfte.

Strandgut, das, s. Seetriften.

Stratus, s. Cirrus.

Streckbug, der. Beim Kreuzen hat man einen Weg die Segel nach der einen, den anderen Weg sie nach der anderen Seite gedreht; d. h. man hat sie einmal über den Backbord-, das andere Mal über den Steuerbordbug gebraßt und sagt dann: „wir fahren über den Backbord-oder über den Steuerbordbug.‟ Nun geschieht es, daß man über den einen Bug weiter in der Richtung des eigentlichen Kurses vorwärts kommt als über den andern, daß man über den einen Bug eine größere Strecke gewinnt, sich näher dem Ziele entgegenstreckt, darum heißt dieser Bug der Streckbug.

strecken, den Kiel. Hier ist strecken in dem gewöhnlichen hochdeutschen Sinne dieses Wortes gebraucht. Es ist verwandt mit Strak im Sinne von Zug, Richtung, Verlauf. Den Kiel strecken heißt eigentlich ihn grade machen, ihm seine Ausdehnung in der vorgeschriebenen Richtung geben, bedeutet aber im weiteren Sinne alles was zu dem eigentlichen Anfang des wirklichen Baues eines Schiffes, der immer mit dem Kiel beginnt, gehört, die erste an die Öffentlichkeit tretende und etwas von dem zukünftigen Schiffe in die Erscheinung bringende Tätigkeit, nachdem der Zeichensaal und der Schnürboden ihre Schuldigkeit getan haben. Es ist mit dem Strecken des Kiels eine gewisse Feierlichkeit verbunden, und auch in dieser Hinsicht hat die Sache etwas von einer Art Grundsteinlegung an sich.

Strecktau, das, s. Laufstag.

Strich, der. Man hat die Kompaßrose oder -Scheibe in 32 Teile eingeteilt und jeden derselben mit einem Strich bezeichnet und ihm einen Namen gegeben. Diese 32 Striche nennt man ganze Striche. Jeder Strich ist aber noch einmal geteilt, und jeder dieser Teile noch einmal, so daß man auf Viertelstriche genau steuern kann. Das war in alten Zeiten anders. Da nahm man es nicht so genau. Von den Zeiten des „Seebuches‟, 1400, sagt Breusing in der Einleitung: „Die Kompaßangaben im Seebuche gehen nur bis auf ganze Striche und nicht, wie dies jetzt gebräuchlich ist, bis auf Viertelstriche. Soll die Richtung genauer bestimmt werden, so wird der Zusatz „ein wenig nach‟ gebraucht (en luttik tegen norden), womit die Größe eines Viertelstriches gemeint sein wird, oder der Zusatz: „reichlich‟ (wal so nortlik, wal so sutlik), womit die Größe von beinahe einem halben Strich angedeutet sein mag.‟

streichen wird seemännisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes striken gebraucht; angelsächsisch strikan, altenglisch striken, englisch strike, altniederdeutsch strijken, althochdeutsch strichen, altisländisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das hochdeutsche „streichen‟ irgend eine beliebige Bewegung nach irgend einer beliebigen Richtung hin. Im Seemännischen kommt eine Bewegung nach zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwärts und eine rückwärts. Abwärts wurden früher die Segel gestrichen, indem man als Zeichen der Unterwerfung, als Eingeständnis der Niederlage die Rahen fallen ließ, so daß die Segel von selbst mit niedergingen. Da man jetzt im Gefecht keine Segel mehr führt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d. h. es holt sie nieder. — Rückwärts werden die Riemen bewegt auf das Kommando: „Streich!‟ Teils streicht man an Backbord, wenn das Boot sich rascher, als das Ruder es bewirken kann, nach Backbord drehen soll, teils am Steuerbord, wenn es sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils an beiden Seiten, wenn die Fahrt des Bootes plötzlich aufgehalten oder in eine rückläufige Bewegung geändert werden soll. — Im Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so daß es unentschieden bleibt, ob Segel oder Flagge gestrichen wurden, so allgemein bedeutete es „sich gefangen geben‟ Lübische Chronik: „Pawel sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van sich‟, daher denn auch striken ganz allgemein als „nachgeben, klein bei geben‟ gebraucht wurde. 1530: „De heillosen papen weren so trotzig, dat se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer stiff by eren dingen‟; (Lüb. Reformationsgeschichte). So gut streichen bedeutet „aufhören zu kämpfen,‟ so gut könnte es auch bedeuten „aufhören zu arbeiten,‟ und wir hätten, wenn wir das Wort in diesem Sinne gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz für das Fremdwort striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mißhandlungen desselben bis hin zum „Stricke machen‟ ein Ende bereitet wäre; es wird ja ohnehin manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken dem Arbeitgeber gewiß ein böser „Streich‟ gespielt. — Dieses Streichen wirft auch das richtige Licht auf das Wort Zapfenstreich. Die Segel streichen heißt aufhören mit kämpfen, den Zapfen streichen heißt aufhören mit zapfen, so daß der Wirt also den Zapfen zumacht und den Gästen Feierabend gebietet.

Stringer, der, „Längsstringer sind noch weiter (als die Seiten-Kielschweine) seitlich liegende, dem Kielschwein ähnliche Längsverbände. Decksstringer sind auf den Decksbalken an den Bordseiten liegende Platten, welche mit den Balken, der Außenhaut und den Querspanten, verbunden werden.‟ (Dick und Kretschmer, I. 83.) So gibt es auch Kimmstringer und Kastenstringer. Die Bedeutung wird durch die Herkunft des Wortes vom lateinischen stringo klar, das zusammenziehen, also verbinden bedeutet. Ein Stringer ist also ein Verbinder, ein Ding, das einen Verband herstellt; auf deutsch kurzweg „ein Binder.‟ Wir haben das Wort auf dem Umwege über England empfangen, wo stringer bedeutet „in ship-building an inside strake of plank or of plates, secured to the ribs and supporting the ends of the beams.‟

Strom, der, wird seemännisch nicht für einen schiffbaren Fluß gebraucht, der vielmehr Revier (Rivier) heißt, sondern für Meer, für die freie offene See, und zwar nicht oder wenigstens nicht durchgängig mit Beziehung auf Meeresströmungen, ausgenommen in Meeren wo es solche gibt, die Ebbe-und Flutströmungen, s. unten. Strom ist im Munde des Seemanns das, was man im Mittelniederdeutschen sestrom nannte. In einer alten Göttinger Urkunde steht: „... unde de unse unde ok den gemenen copmann uppe dem vryen seestrome groffliken beschediget.‟ Desgleichen in einer anderen: „do dusse lude van Engeren uth Britannien verdreven weren und leghen an den seestrome unde krygeden myt den Britanniern.‟ — Heute sagt man, wenn ein Schiff im Dock oder in einem Binnenhafen lag und es geht in freiem Wasser (wenn es auch ein Hafen ist) an eine Boje oder vor Anker: „Das Schiff verholt auf dem Strom.‟ — Im „Seebuch‟ (1400) ist unter Strom meistens der Flut-und Ebbestrom des Meeres verstanden, wobei hoch strome hohe Flut, Springflut bedeutet: „Jtem van Bervlete to Seynehovede in deme varwege (Fahrwasser) maket lege water westsudwesten mane, und also id is hoch strom, so maket lege water west ton suden mane.‟

Stropp, der, ist ein in sich selbst zurückkehrendes kurzes Tau, ein kurzes Tau ohne Ende, einen Kranz bildend, ein aus einem Stück Tau gemachter Ring, der durch das Zusammensplissen der beiden Enden entstanden ist. Solch ein Stropp wird um einen Block oder um eine Kausch gelegt, auch sieht man oft (aber nie auf Kriegsschiffsbooten) die Riemen eines Bootes am Dollbord mit einem Stropp befestigt; mit einem Stropp, den man um ihn gelegt hat, wird ein Warenbalken oder sonstiges Stückgut gehißt. Es ist also ein zwar unscheinbares, aber sehr wichtiges und nützliches seemännisches Hilfsmittel. Es war auch schon in alten klassischen Zeiten, sogar unter seinem jetzigen Namen bekannt. Lateinisch stroppus, gedrehter Riemen zur Sänfte oder zum Anbinden der Ruder an die Ruderbank, dünner Kranz von Bast gedreht; griechisch strophos, das von Leder oder Hanf zusammengedrehte oder geflochtene Band, der Gurt, das Tragband, Wickelband, Windel; verwandt mit strophe, das Wenden oder Drehen, daher unser Strophe; vom griechischen strepho, estropha, drehen, wenden, biegen, zusammendrehen. Winkelmann, Geschichte der Kunst, führt ein griechisches Wort an, das stroppos heißt und von Festus in der Bedeutung „Kranz‟ aufgeführt wird. Gellius hat das lateinische stroppus als „Band.‟ Grade dieselben Bedeutungen vereinigt das Wort in unser Seemannssprache. Der 560 n. Chr. geborene Erzbischof von Sevilla Isidorus sagt in seinem berühmten Buche Origines s. Etymologiae: „struppi quibus remi ad scalmos alligantur.‟ Als stropp führt Wright es aus dem Altenglischen an; Kilianus kannte es im Mittelniederländischen; im Mittelniederdeutschen war es im Gebrauch für den Strick des Henkers: „hoe gheerne solde een dief, die enen strop om sinen hals hadde... weder gheuen, dat hie ghestolen hadde.‟ Es gab damals auch stropballien, solche Baljen, die mit einem Stropp versehen waren, „dar de Kalk inne vpn thorn gewunden warth.‟ — Italienisch stroppo, französisch 1702 etrope und estrope, jetzt étroppe, portugiesisch estropo. — Bestroppen, etwas mit einem Stropp versehen, z. B. einen Block, und so gebrauchsfertig machen. Daher auch übertragen: „Das werden wir bestroppen,‟ d. h. „das wollen wir machen.‟

Stück, das, war früher ein allgemeiner Ausdruck für Kanone. „Ein Schiff mit 48 Stück.‟ Zu Roedings Zeiten (1794) waren die Kommandos beim Exerzieren mit Stücken an Bord: 1. Stille! 2. Gebt Acht! 3. Macht die Stücken los! 4. Holt die Stücken ein! 5. Nehmt den Windpfropf ab! 6. Platloth ab! 7. Stopft das Zündgat! 8. Kratzer in die Stücken! 9. Wischer in die Stücken! 10. Öffnet die Karduse! 11. Die Kardus in die Stücken! 12. Setzt die Kardus an! 13. Kugel und Propf in die Stücken! 14. Setzt an Kugel und Propf! 15. Den Bohrpfriem in die Zündgaten! 16. Kraut in die Zündgaten! 17. Deckt die Zündgaten! 18. Stücken an Bord! 19. Faßt den Kuhfuß und die Handspake! 20. Pointirt! 21. Blaset die Lunte ab! 22. Nehmt das Platloth ab! 23. Feuer! Seit jener Zeit war die Bezeichnung Geschütz in den Vordergrund getreten, doch so daß Kommando 3 stets „Kanonen los!‟ hieß, da doch das unmittelbar vorhergehende Kommando gelautet hatte: „An die Geschütze!‟ Ganz neuerdings ist durch die Schnellladekanonen das Wort Kanone wieder mehr in den Vordergrund getreten. Stück hat sich aber nie ganz verloren; Stückpforten hat es immer gegeben, und neuerdings ist bei der Kaiserlichen Marine auch die Bezeichnung „Stückmeister‟ in Aufnahme gekommen.

Sturmdeck, s. Deck.

Sturmtor, s. Schleuse.

Sturmtreiber, s. Treiber.

Sturzsee, die, ist eine See im Sinne von Woge oder hoher Welle, die so hoch ist, daß sie über die im Sturme sich neigende Reling oder das Schanzkleid hinweg auf Deck stürzt; um das überkommende Wasser wieder zu entfernen, sind in das Schanzkleid neuerdings größere Öffnungen dicht über dem Deck eingeschnitten; man nennt sie Stürzpforten, weil das Wasser zu diesen Pforten wieder hinausstürzen soll.

stützen kommt in allen hochdeutschen Bedeutungen auch im Seemännischen vor; besonders zu nennen ist daher hier nur der Gebrauch des Wortes beim Steuern. Wenn befohlen war, daß das Ruder nach irgend einer Richtung hin gedreht werden sollte, und es soll nun nicht weiter in dieser Richtung gedreht werden, so wird kommandiert: „stütz!‟ oder: „stütz so!‟ Niederdeutsch stütten, welches oft anstatt stützen zu hören ist, anstatt „stütz so‟ heißt es dann „stütti!‟ wohl auch in Anlehnung an das englische steady, „steer the ship a steady course‟.

Südwester, der, ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch-oder Öltuch-Hut zum Schutze gegen Sturm und Regen. — Grimm erklärt West aus dem gotischen vis = Meeresstille. Für unsere Meere paßt das nicht, würde auch zu dem Südwester nicht stimmen, der seinen Namen gerade davon hat, daß es eben bei Süd-West am meisten stürmt und regnet. Doch heißt vis nicht nur Meeresstille, sondern überhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm vermutet auch eine gotische Form vistr, gegen Abend, adversum occidentem.

Superkargo, s. Cargo.

Süsswasser, das, ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es, daß es in Tänks von Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei es, daß es aus Salzwasser destilliert ist. Früher mußten die Matrosen oft mit vieler Mühe das Regenwasser auffangen. Übrigens sagt der Seemann lieber Frischwasser als Süßwasser, welches doch eigentlich hauptsächlich für die Unterscheidung von Süßwasser- und Salzwasserfischen gebraucht wird.

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