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Das Gemeinsame

by René Arcos

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Vorahnung

Mitten in der Nacht war er aufgestanden, die Stirne schweißbedeckt, im ganzen Körper schwere Müdigkeit. Mit offenen Augen starrte er ins Dämmern der entsetzlichen Vision nach. Er hatte mit aller Kraft versucht, seine Blicke auf die Gegenstände zu heften, die das Dunkel mehr ahnen als sehen ließ, dann hatte er sich bis über den Hals in die Wärme des Bettes zurückgeflüchtet, doch der hartnäckige Traum hatte ihn von neuem ergriffen.

Er war kein Dutzendmensch, er glaubte an so manches, und um flüchtigste Dinge stritt er mit Leidenschaft. Es gab Worte, die ihn berauschten; er lächelte mit Behagen, wenn er sie aussprach. Man wußte, daß er sich mit Ausdauer Arbeiten hingab, aber das Ziel seiner Bestrebungen und die Ursache seiner Unruhe war den meisten Menschen unbekannt. Da ihm die Gesetze der Ökonomie fremd waren, verausgabte er sich ohne Rücksicht auf Nutzen. Sein Leben verbrannte um nichts, aber es glich einer Kerze vor heiligem Bildnis in nächtlicher Kirche, denn ein heimliches Feuer wohnte in ihm.

Wie alltäglich war er aufgestanden und hatte sich angekleidet. Er war den gewohnten Gefährten seines Lebens begegnet, und sein Mund war stumm, seine Blicke waren nirgends haften geblieben. Er hatte ein Buch und dann noch eines durchgeblättert, sich gesetzt und wieder erhoben. Zwanzigmal hatte er vom Fenster die Straße oder den Himmel nach geheimem Rat befragt. Immer noch beherrschten ihn beängstigende Bilder.

O Mutter! Welche dunkle verhängnisvolle Macht hat es gewollt, daß du, die du sanft, und ich, der so voll kindlicher Zärtlichkeit war, daß wir niemals Seite an Seite leben konnten. Oh, du weißt nicht, wie groß meine Verzweiflung war, wenn ich nach unseren beklagenswerten Zwistigkeiten durch die Wand des Zimmers dein Weinen vernahm. Geliebte Mutter, schon die Erinnerung an dein Antlitz läßt mich Tränen vergießen. Ach, wenn du doch um die Zähigkeit meiner Reue wüßtest, die Heftigkeit meines Schmerzes, wenn ich deiner gedenke! Du bist auf Erden das einzige Wesen, das ich liebte. Und niemals sagte ich es dir, vielleicht auch wirst du es niemals wissen. Ach, warum? Warum nur! Oft denke ich daran, daß ich dich eines Tages verlieren muß. Ich sehe mich hinter deinen sterblichen Resten schreiten, und solch eine Fülle von Trauer drückt auf mich nieder, daß ich ganz mutlos werde. Wenn du gingest, ehe die letzten Worte, die wir einander sagten, in der Wärme des Verzeihens auslöschten, würde mein Schmerz zur Unerträglichkeit.

Aus unabweisbarem Verlangen, seine Unruhe zu überrennen, war er nach dem Frühstück abgereist.

„Ist Ihnen eine schlechte Nachricht zugekommen?“ hatte man ihn gefragt. „Nein, ich muß meine Mutter aufsuchen, es ist weiter nichts... eine Familienangelegenheit.“


Der Zug fuhr durch die Spätherbstlandschaft dahin, mitten durch tiefen Schlaf, den er nicht aufstörte.

Es war schon lange her, daß er im Vielerlei der Geräusche und Bewegungen den Bahnhof verlassen hatte. Seine Aufregung hatte die Blicke der Zurückbleibenden auf sich gelenkt. Doch ohne Eile und mit aller Kraft hatte er sie mit sich gezogen, bis sie den Körper dem Zuge nachbogen und sogar Tränen aus ihren Augen traten. Die Blicke waren pfeilgleich, wie lange Fäden aus gespanntem Bogen, durch die Luft gefolgt, bis sie einer nach dem anderen zerrissen.

Ein wenig später hatte das Lokomotivenungeheuer, fröhlich pfeifend, die offenen Felder erreicht.

Die Reisenden drängten die schon ferne Traurigkeit der Abfahrt in ihr Gedächtnis zurück und musterten sich gegenseitig. Irgendwelche Betrachtungen, Dank und Entschuldigung wechselnd, streckten sie ihre Worte wie Hände einander entgegen. Die Reisenden, die noch eine weite Fahrt vor sich hatten und die ganze Nacht im Abteil verbringen mußten, nisteten sich sorgsam ein, standen auf, öffneten Taschen und veränderten unaufhörlich ihre Lage.

Die Gespräche waren rasch verflattert, hatten sich schließlich auf zwei oder drei Reisende beschränkt, einige Worte waren noch durch die Tür entflogen, dann war nichts mehr hörbar, als das Hineilen des Zuges, Pfeifen, der Lärm der Räder, des Puffers, der Achsen und Bremsen.

Männer und Frauen schlummerten in der drückenden Schwüle des Abteils.


Er war es, der seine Worte sparte und seine ganze Aufmerksamkeit der Landschaft zuwandte, wie sie ihm der dahineilende, in den Stationen nur atemholende Zug aufrollte.

Der Strahl des Sonnenunterganges veränderte alle Dinge, als sein Auge wieder die kleine Haltestelle wahrnahm, die in der Landschaft verloren dalag. Gewöhnlich kam man nicht mit diesem Zuge, man zog den rascheren Abendzug vor.

Niemand außer ihm stieg aus, niemand stieg ein. Aus den Türen beugten sich neugierig einige Köpfe vor, wenige Schritte weit trug er noch die Erinnerung der Gesichter mit, denen sein Blick begegnet war.

Keinerlei Gefährt wartete am Ausgang. So hatte er denn eine gute Wegstunde vor sich. Er schloß die Augen und sog diese reine Luft ein, die ihm nun wiedergegeben war. „Vorwärts also!“ Er machte sich auf den Weg.

Die letzte Abendröte des Himmels kämpfte gegen große Massen violetten Dunkels. Ein rosiges, hinsterbendes Licht färbte die Straßen, die Wiesen, die aufgepflügten Äcker und die abgemähten Felder. Die Landstraße ging bergab, bergan.

Er war bisher gegangen, ohne rings etwas zu sehen, bis die Abendfrische ihn frösteln machte und er seine Augen hob, um sie selbsttätig umherschweifen zu lassen. Rasch gab er ihrer Neugier nach. Er stand an der Flanke eines Hügels, der ein Tal überragte. In der Ebene unten sah er am Rande eines gelbgoldigen Flußbettes einen Maierhof mit seinen Nebengebäuden. Ein fast unsichtbarer Rauch stieg langsam gegen den Himmel, der nun in blassem Blau schimmerte; eine kaum fühlbare Brise hatte die Wolken hinweggefegt.

Er war ergriffen. Soweit Auge und Ohr reichen konnten, stieg etwas Lächelndes und Friedliches mit dem durchsichtigen Rauch hinan — stieg — denn es war nichts Bewegungsloses, wie etwa eine lastende Ruhe auf der Erde, sondern ein Lebendiges, ein Lebhaftes und Strahlendes, das an eine sehr langsame und feiervolle Himmelfahrt gemahnte. Das ganze Weltall war nur mehr ein wohl angemessener Rahmen um dieses Schauspiel, und die Bäume, die in ihre Blätter eingenistet waren, schienen eine Freude, uralt und unergründlich wie die Welt selbst, in sich zu wahren.

Er setzte sich auf die Böschung, pflückte ein Gras und kaute daran. Dann glaubte er das Geräusch eines Wagens zu vernehmen und erhob sich.

Er durchquerte einen kleinen Fichtenwald, der so dunkel war, daß er unwillkürlich seine Hände aus der Tasche zog. Er drehte den Kopf nach rechts und nach links. Er lebte mit einemmal in einer Art Exzeß im Innersten seines Ichs. Einmal wandte er sich aufmerksam, horchte auf und ward lebhaft bewegt. Er hatte schon den Wald verlassen, als er, die Augen aufschlagend, auf dem Gipfel einer kahlen Erhöhung einen Baum entdeckte, einsam und riesenhaft, der sich sehr stark von jenem Teil des Himmels abhob, wo die letzten Strahlen der Sonne verdämmerten, und der wie in tragischer Geste seine Zweige in alle Richtungen warf. Ein unangenehmer Eindruck machte sich ihm fühlbar, und er sah die nächtlichen Bilder wieder. Gelesenes, das von Vorahnungen handelte, die später die Tatsachen bestätigten und die ihm nichtssagend erschienen waren, gingen ihm aufs neue durch den Kopf. Sein Urteilsvermögen beschäftigte sich nicht mit diesen Geschichten, sein Verstand hatte nichts übrig für sie. Wenn sie auch plötzlich an der Oberfläche seiner Erinnerungen erschienen, er schenkte ihnen deshalb nicht mehr Aufmerksamkeit. Aber hinter den Gedanken, die in seiner Stirn lebten, nahe den Augen oder ferner, vielleicht viel ferner, meinte er unklar das Vorhandensein einer drückenden Erinnerung zu spüren.

Die Nacht war herabgesunken. Er schritt hin und dachte dabei, daß der Mensch im Dämmern beseelter sei. Ein Gefühl voll Ernst und Tiefe erregte ihn. Er fühlte sich einer Majestät zugehörig, die er sich fortan zu wahren versprach. Er bedauerte, so oft knabenhaft, ja selbst frivol gewesen zu sein. Wie hatte er sich doch diesen schalen Vergnügungen hingeben können! Er dachte mit Verachtung und Unbehagen an diese fraglichen Gefährten seiner Zerstreuungen.

Nun näherte er sich. Hier war es, wo er im dichten Gras, unweit des Grenzsteines, auf den er sich, um zu lesen, gesetzt, eine kleine Schere verloren hatte, ein Andenken, das ihm lieb war, und während er so hinging, forschte er das Dunkel ab. Das Glockengeläute kam bis zu ihm heran. Er erbebte: schon so nahe war er! Da hatte er Angst, und seine Brust schnürte sich zusammen. Er horchte erschrocken. Ein Begräbnis oder eine Hochzeit? Wer kann das unterscheiden! Als er klein war, hatte er, zum Fenster hinausgelehnt, oft diesen Glocken gelauscht. Er war nur Kind gewesen, und schon hatte Unzufriedenheit in seinem Gemüt gewohnt. Die Stirn an die Scheiben gepreßt, hatte er bei Einbruch der Nacht die Bäume, hauptsächlich jene Akazie betrachtet, die sie alle überragte. Die Gärten waren voller Schatten gewesen, und wenn er die Augen hob, hatte er die Unendlichkeit grenzenlos vor sich herfliehen gefühlt. Anders als mit dem Gedanken hätte er diesen Raum füllen wollen, über den Hügeln schweben mögen, um für immer sein Leben jenem Zentrum des Weltalls zu verschwistern, das seine Augen und sein Instinkt da oben im funkelnden Himmel errichtet hatten. Er hatte vor Traurigkeit gefroren, ein so Geringes gegenüber dem Großen zu sein, das er ahnte. Seine Mutter hatte ihn dann gerufen: diese gütige Lampe, die willkommenbietende, der Anblick der vertrauten Möbel beschwichtigten bald in ihm die Bedrückung, die die Weite und der Abend ausgeströmt.

Seither hatte er den Vorsatz und dann die Gewohnheit angenommen, sich zwecklose Betrachtungen zu untersagen. Die Stadtglocken beunruhigten ihn längst nicht mehr, und er verhöhnte böse jede romantische Schwermut. Wenn es ihm dennoch manches Abends widerfuhr, unbeweglich im Dunkel am Fenster zu sitzen, bis er allmählich alle Erdenschwere verlor, so geschah dies in einer fortgesetzten Steigerung seiner Seele nach oben, in einem Aufschwellen seines ganzen Wesens, das nach jeder Rückkehr in sich selbst die Fülle der Gegenwart wieder entdeckte.

Vor ihm strahlten Lichter auf. Dies war der Marktflecken, den seine Mutter bewohnte. Von seiner Höhe überragte er ein ganzes Gebiet von Ebenen, Flüssen und weißen Landstraßen. Die Häuser wuchsen mit dem Felsen zusammen, der sie trug. Die Kirche war ganz oben, Gott so nahe als möglich.

Er kam durch einen Garten, wo Wäsche aufgehängt war. Die Unzahl der Sterne machte den Schatten durchscheinend, und man sah, wie die Grashalme sich regten. Er vernahm ein Geräusch. Ein ihm unbekannter Hund sprang aus seiner Hütte, schnupperte an ihm, ohne zu bellen. Eine große Angst übermannte ihn. Mit jedem Blick in diesen Garten, der ihm so vertraut gewesen, lächelte ihm eine Erinnerung, die in seinem Gedächtnis schlummerte. Die Dinge schienen ihm da so voll von einem verborgenen, fremdartigen Leben, das er nie vermutet hatte. Er hielt inne, und sogleich ward er der unendlichen Stille der Nacht in all ihrer Größe bewußt. Ja, vielleicht war es die Gewalt dieser Ruhe gewesen, die seinen Schritten Einhalt geboten. Lange sog er den Duft ein, dem die Kühle der Stunde eine unirdische Reinheit verlieh.

Als er die Hand auf die Türklinke legte, kam wieder alle Angst über ihn. Irgend etwas ging für ihn von dieser Tür aus, eine Art feindseliger Gegenwart. Er öffnete die Tür, durchschritt den von einer Petroleumlampe erhellten Gang und stieg die Treppe hinan. Der staubige Althäusergeruch erweckte manche Erinnerung in ihm. Vom ersten Stock vernahm er Kinderlachen, und er blieb stehen, weniger um zu horchen, als um einen Augenblick noch zu zögern. Sein Herz schlug sehr stark, und eine plötzliche Müdigkeit machte seine Knie zittern. Aus Furcht, überrascht zu werden, schritt er weiter. Die zweite und letzte Lampe des Stiegenhauses ward sichtbar. Da sie qualmte, drehte er sie herunter. Bei jedem Schritt wurden ihm die Schuhe schwerer. Er blieb oft stehen und sah, die Hand auf dem Gitter, in den Schacht der Treppe oder in sich selbst hinab. Wieder durchlebte er seinen nächtlichen Traum, der gewiß tragischer war als alle Wirklichkeit. Sicherlich hatte er noch große Angst vor dem, was er gesehen hatte, aber bald hatte er sich wieder in der Gewalt; und wenn er es ersehnt hatte, seine Mutter zu sehen, so geschah das aus Gründen, die schließlich mit jener nächtlichen Episode nichts zu tun hatten. Eine Gewißheit würgte ihn jetzt. Er würde eine bedrückende Nachricht vernehmen. Aber was?... Was?... Oh, was denn nur?

Aber dies geruhsame Haus, in dem gelacht wurde, schien kein solches Drama erlebt zu haben. War indes dieser Friede, einzig von der Unterhaltung der Kinder unterbrochen, nicht ein neuer Beweis? Er stellte sich in diesem Augenblick die Wohnung seiner Mutter vor. Fremde gingen von einem Zimmer ins andere und sprachen mit gedämpften Stimmen. Von neuem erschien ihm ein quälendes Bild. Auf den Fußspitzen stieg er die letzten Stufen empor. Er horchte, an die Tür gedrängt; unten ging wieder das Lachen an. Seine Brust war ihm wie in zu enger Kleidung eingeschnürt, sein Hals, wie umdrosselt, tat ihm weh. Er strich über die Tür hin, denn es war eher ein Streichen als ein Klopfen und ein so leises, daß kaum die ängstliche Schwinge eines Vögelchens davor erschrocken wäre. Er wartete. Nichts. Er war darüber froh, bedeutete es doch eine Gnadenfrist. Da er nun alles erfahren würde, hatte er keine Eile. Er atmete leise, mit Methode und besonderem Genuß, so wie man etwas kostet, das man liebt. Es war finster, aber wenn er den Blick hob, sah er durch eine Scheibe ein großes Stück gestirnten Himmels und erkannte das Sternbild der Kassiopeia. Wie Wasser vom Springbrunnen fiel die unendliche Stille von den vier Türen des Flures, und er blieb unbeweglich stehen, über sich das Raunen nächtlicher Mächte. Er wußte wohl, daß man sein Klopfen nicht gehört haben konnte, aber er wartete noch, um die Zeit, da noch Zweifel gestattet war, auszudehnen. Dies dauerte kaum einige Sekunden. Nun klopfte er entschlossen und erschrak über das Geräusch. Da rührte es sich, man kam. Die Tür wurde geöffnet, und ein großes Viereck von Licht fiel in das Dunkel. Seine Mutter stand vor ihm. Er zitterte vor Staunen und konnte kein Wort hervorbringen.

„Du bist es!“ sagte sie mit leisem Zurückweichen. Und als er mit gesenktem Kopf verharrte: „So tritt doch ein.“

Sie hatten kaum zwanzig Worte miteinander gewechselt.

Seine Mutter hatte ihre Arbeit wieder aufgenommen und nähte unter der Lampe. Sie beobachtete eine scheue Zurückhaltung und wartete auf die Worte, die er hartnäckig unterdrückte, wie man auf einen Chok wartet. Und sie sammelte ihre Gedanken zum Widerstand.

Er saß abseits vom Tische. Die Lampe, deren tütenförmiger Schirm das Licht dämpfte, beleuchtete nur seine Hände und Knie. Sein ganzer Oberkörper verlor sich im Dunkel, das der unsichtbare Plafond nicht aufhielt. Und für Augenblicke floh er in dies Dunkel so tief und lange hinein, daß das Zurückfinden in dies Zimmer, in dem er saß, und vor diese Dinge, in die Wirklichkeit dieser Lampe, für ihn das Erlebnis einer tatsächlichen Rückkehr bedeutete. Seine Mutter war da. Er konnte ihr stilles Antlitz betrachten, ihre schönen grauen Haare, ihre hellen Augen, die unmittelbar ihre ganze Seele ausdrückten. Von der Lampe strahlte eine stille Glückseligkeit aus, und wenn er den Blick ihr zuwandte, war er von einem unvergleichlichen Wohlsein umfangen. Er rekelte sich vor Zufriedenheit. Im Geist sah er die Gesichter seiner Freunde. Nie hatte er sie so geliebt. Er lächelte ihnen zu, als ob sie gegenwärtig wären. Wie freudig hätte er jenem, der ihm so viel Übles angetan, jetzt einen festen verzeihenden Händedruck gespendet. Sein ganzes Wesen zerschmolz im Verlangen, gut zu sein.

Er hatte einen lächerlichen Traum gehabt. Seine Mutter! Seine gute Mutter, die er so sehr liebte! Er konnte sich nicht satt sehen an ihr. Selbstsüchtig genoß er seine unbegründete Angst. Er schob den Augenblick des Gefühlsergusses hinaus, ja, er bedurfte nicht mehr dieser Entladung.

Nur mit den Lippen antwortete er auf die Fragen, die ihm seine Mutter stellte, ohne daß hinter seinen Worten sein heimlicher Gedankengang unterbrochen wurde.

Aber einen Augenblick schwieg er so andauernd, daß seine Mutter ihn ansah. Und da er seiner Tränen sich nicht mehr enthalten konnte, da ein unüberwindliches Schluchzen seinen Hals aufschwellte, streckte seine Mutter ihm die Arme entgegen: „Lieber Junge! Dir ist vergeben, weil du heimgekehrt bist.“

Und er verschwieg seinen Traum.

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