Texts
Line numbers have been removed from the prose passages. In the verse passages, some unstressed e’s, and a few i’s, were printed with an under-dot: ẹ ị. This usage is not explained. Some under-dots may be flyspecks, and a few umlauts were uncertain.
I Berthold von Regensburg.
His name was properly Berthold Lech. He was the most celebrated preacher of the thirteenth century. He died in Regensburg in 1272. The following extract is from a sermon on Matt. v. 8.
‘Sælic sint die armen: wan daȥ himelrīch ist ir,’ etc. Mit disen aht tugenden sint alle die ze himelrīche komen, die dā sint, und mit den selben aht tugenden müeȥent noch alle die dar komen, die iemer mēr dar komen süln. Nū wil ich die siben under wegen lān und wil niuwen von ir einer sagen, wan alse vil guoter dinge an ir ieglīcher ist; und von ir ieglīcher wære gar vil und gar lanc sunderlīchen ze sagenne; und wie manigiu untugent uns an disen ahte tugenden irret, daȥ würde eht von ieglīcher gar lanc ze sagenne. Wan man eȥ alleȥ in einer predigen niht verenden mac, noch in vieren, noch in zehenen, sō wil ich iu hiute niuwen sagen von den, die ein reine herze habent, und von den man hiute dā liset in dem heiligen ewangelio ‘sælic sint, die reines herzen sint: die werdent got sehende.’A Die sint wol von rehte sælic, die dā got sehent. Ein übergülde ist eȥ aller der sælikeit, diu ie wart oder iemer mēr eht werden mac, swer got ansehende eht wirt, alsō süeȥe und alsō wünneclich ist diu gesiht, die man an got siht. Sō wart nie deheiner muoter ir kint nie sō liep, ān unser frouwen, und solte si eȥ drīe tage ane sehen ān underlāȥ, daȥ si anders niht enpflæge, wan eht si ir liebeȥ kint solte an sehen: si æȥe an dem vierden tage vil gerner ein stücke brōtes. Und wolte ich vil gerner, daȥ ich alsō ein guot mensche wære, als daȥ wār ist, daȥ ich iezuo reden wil. Ob daȥ alsō wære, daȥ man zuo einem menschen spræche, der iezuo bī gote ist, ‘du hāst zehen kint ūf ertrīche, und du solt in koufen allen samt, daȥ sie ēre und guot haben unz an ir tōt, dā mit, daȥ du einigen ougenblic von gotes angesiht tuost, niuwen als lange als einȥ sīn hant möht umbe kēren, und sich danne wider zuo gote, und du solt dīn ougen niemer mēr von im kēren’: der mensche entæte sīn niht. Alse wār, herre, dīn wārheit ist, alse wār ist disiu rede, daȥ er disiu zehen kint unze an ir tōt ē nāch dem almuosen lieȥe gēn, ē danne er sich die kleine wīle von gote wolte wenden. In habent die engel wol sehzic hundert jār an gesehen, und sehent in hiute als gerne als des ērsten tages. Und sie sint ouch alle samt sam des ērsten tages, dō sie got an sehende wurden. Dō wart ir deheiner sīt nie eltlīcher danne des ērsten tages, und sint doch sider wol sehzic hundert jār alt. Swelher hundert jār alt würde under uns, der wære den liuten alse smæhe an ze sehenne von ungestaltheit und von dem gebresten, den daȥ alter an im hæte gemaht: sō mālet man die engele—dā sehet ir wol, swā man sie mālt, daȥ man sie eht anders niht enmālt wan als ein kint von fünf jāren, als junclich, oder von sehsen. Wan alle, die got sehent, die werdent niemer eltlīcher, die in in himelrīche sehent in sīnen freuden und in sīnen ēren. Ūf ertrīche sehen wir in alle tage in sīnem gewalte. Dehein irdenischer muot noch irdenisch līp möhte daȥ niht erlīden, daȥ in dehein irdenisch ouge iemer an gesehen möhte in sīnen freuden und in sīnen ēren, als er ze himelrīche ist. Wir sagen iu ettewenne ein glīchnisse, wie schœne got sī. Seht, alleȥ daȥ wir iemer gesagen künnen oder mügen, daȥ ist rehte dem glīche, als obe ein kint uns solte sagen, ob eȥ müglich wære, von aller der wirde und von aller der gezierde, die diu werlt hāt, von der liehten sunnen, von den liehten sternen, von edelre gesteine craft und von ir maniger slahte varwe, von der edelen würze craft und von dem edelen gesmacke, und von der rīchen gezierde, die man ūȥer sīden und ūȥer golde machet in dirre werlte, und von maniger hande süeȥen stimme, die diu werlt hāt, von vögelīn sange und von seitenspil, und von maniger hande bluomen varwe, und von aller der gezierde, die disiu werlt hāt. Alse unmügelich unde alse unkuntlīchen eime kinde dā von ze redenne ist, als unkunt ist ouch uns dā von ze redenne, von der unsegelīchen wünne, diu dā ze himel ist, und von dem wünneclīchen antlütze des lebendigen gotes. Wan alliu diu freude, diu dā ze himele ist, der ist niht wan von dem schīne, der von unsers herren antlütze gēt. Und rehte als alle sternen ir lieht von der sunnen nement, alsō habent alle heiligen ir gezierde und ir schōnheit von gote, und engele und alleȥ himelische her. Reht als alle die sternen des himeles, der māne und die planēten, grōȥ und kleine, die habent alle samt ir lieht von der sunnen, diu uns dā liuhtet: und alsō hāt alleȥ himelischeȥ her, engel und heiligen, die hœhsten und die minnesten, die habent alle samt ir freude und ir wünne und ir gezierde und die ēre und die wirde und ouch die schœnde, daȥ habent sie alle samt von der angesihte gotes, daȥ sie got an sehent. Die engele, die dā unser hüetent, die sehent in ze aller zīt an, als ob sie bī im wæren. Wan alliu diu freude, diu in himelrīche ist, diu diuhte sie ze nihte, solten sie got niht an sehen. Und dā von ‘sælic sint, die reines herzen sint; wan sie werdent got sehende.’ Nu sehent, wie sælic die sint, die dā reineȥ herze tragent. Ir, junge werlt, die noch unbewollen sint mit sünden, behaltent iuwer herze vor allen tœtlīchen sünden, sō werdent ir got sehende in solīchen freuden und in sō grōȥen ēren, die ouge nie gesach oder ōre nie gehōrte, alse sant Paulus dā sprichet; und alse sant Johannes sprichet: ‘wær eȥ mügelich, daȥ man eȥ alleȥ samt geschrīben möhte, sō möhte diu werlt diu buoch in ir niht behalten, dā eȥ an gestüende, daȥ ich gesach. Und alleȥ, daȥ ich gesach, daȥ was niht wan got alleine.’ Und dar umbe möhten wir doch gerne ze dem himelrīche komen und drumbe arbeiten. Ob uns niht diu minne und diu liebe dar twünge, der wir gote schuldic sīn, seht, sō möhten wir dar umbe dar komen, durch daȥ wunder, daȥ dā ist. Eȥ ist maniger vor mir: der im von sō getāner freude seite, daȥ si jenhalp meres wære, er füere gar gerinclīchen dar von hinnen über mer, niuwen daȥ erȥ gesæhe. Sō möhtent ir hundertstunt gerner dar umb arbeiten, daȥ irȥ iemer mēre ēwiclīchen nieȥen soltet. Die vil wünneclīchen angesiht des almehtigen gotes und der himelischen küniginne ze der zeswen sīner sīten in guldīner wæte, die möhtet ir gerne an sehen. Wan würde iu einiger anblic, sō wære in alliu diu freude und diu ēre und aller der wollust, den diu werlt ie gewan, daȥ wær iu hinne für als widerzæme und ouch alse unmære, reht als sant Paulus dā sprach. Nu hœret wie er sprach; er sprach: ‘alliu diu ēre und diu freude und daȥ gemach, diu disiu werlt ie gewan von keisern und von künigen, wider der freude, diu in himelrīch ist; als widerzæme einem wære ein diep an einem galgen, als kurz einem diu wīle dā mite wære, daȥ er einen erhangen man triuten solte, wider aller der freude, die diu werlt hāt: alse widerzæme ist mir diu freude aller der werlte wider der ēwigen freude.’ Ei wol iuch wart, daȥ iuch iuwer muoter ie getruoc, die sō getāne freude süln besitzen. Der ist, ob got wil, vil maniger vor mīnen ougen. Ouch ist maniger, der vil kleine freude dar für nimt hie ūf ertrīche, und daȥ dem guoten sante Paulen gar versmāhte, des wirt im der tūsentste teil niht. Und die habent übel kouft, die sō übergrōȥe freude gebent umb ein sō kurzeȥ freudelīn in dirre werlte. Die habent übel gevarn; wan sie habent weder hie noch dort niht. Als ich iezuo sprach, rehte in glīcher wīse, rehte alse alle sternen des himeles ir lieht von der sunnen habent, alsō hāt alleȥ himelisch her ir lieht von dem wāren sunnen, sīt danne unser herre der wāre sunne und daȥ wāre lieht ist, alse der guote sant Johannes dā sprichet. Der hei et in daȥ wāre lieht; als ouch daȥ vil wār ist: wan er ist daȥ wāre lieht, daȥ niemer mēr verlischet. Und alle, die von sīme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch niemer mēre von der schōnheit, die sie von dem wāren sunnen hānt. Und als vil diu sunne liehter und gelpfer ist, danne wir dā sehen, rehte als vil diu liehtes und glastes über alle sterne hāt, die an dem himel stēnt: als vil hāt der wāre sunne in himelrīche schīnes und glastes mēr über alle engele und ist geschœnet und gewirdet an allen ēren, alse billich ist. Und dā von sint sie sælic, die ein reineȥ herze habent; wan si werdent got sehende.
II The Swabian Lantrehtbuoch.
This work was compiled by David von Augsburg, about 1280 A.D.
Hie hebet sich an daȥ Lantrehtbuoch.
Herre got, himelischer vater, durch dīne milte güete geschüefe du den menschen in drīvaltiger werdikeit. Diu ērste, daȥ er nāch dir gebildet ist. Daȥ ist ouch ein alsō hōhiu werdikeit, der dir alleȥ menschlich künne sunderlīchen immer danken sol. Wan des haben wir gar michel reht, vil lieber herre, himelischer vater, sīt du uns zuo dīner hōhen gotheit alsō werdiclīchen geedelt hāst. Diu ander werdikeit, dā du, herre got, almähtic schepfer, den menschen zuo geschaffen hāst, daȥ ist diu, daȥ du alle dise werelt, die sunnen unde den mānen, die sterne unde diu vier element, viur, waȥȥer, luft unde die erden, die vogel in den lüften, die vische in dem wāge, diu tier in dem walde, die würme in der erden, golt unde edel gesteine, der edeln würze süeȥen smac, der bluomen liehte varwe, der boume fruht unde ēt alle crēatūre: daȥ hāst du, herre, alleȥ dem menschen ze nutze unde ze dienste geschaffen durch die triuwe unde durch die minne, die du ze dem menschen hetest. Diu dritte werdikeit, dā du, herre, den menschen mit gewirdet unde geedelt hāst, daȥ ist diu, daȥ der mensche die wirde unde die ēre, die vreude unde die wünne immer mit dir ēwiclīchen nieȥen sol. Der werelde dienst unde nuz hāst du, herre, dem menschen umbe sust gegeben ze einer manunge unde ze einem vorbilde. Sīt des sō vil ist, des du, herre, dem menschen umbe sust gegeben hāst, dā bī sol der mensche nu trahten, sō mege des wol gar übermæȥiclīchen vil sīn, des du dem menschen umbe sīnen dienst geben wilt. Unde dar umbe sol ein iegelīch mensche got dienen mit ganzen triuwen; wan der lōn ist alsō übermæȥiclīchen grōȥ, daȥ in herzen sin nie betrahten möhte noch menschen zunge nie gesprechen möhte, noch ougen sehen künde in nie beliuhten, noch ōre nie gehœren. Daȥ wir nu got der hōhen werdikeit gedanken unde den grōȥen lōn verdienen, des helfe uns der almähtige got. āmen.
Sīt uns got in sō hōher werdikeit geschaffen hāt, sō wil er ouch, daȥ wir werdeȥ leben haben, unde daȥ wir einander wirde unde ēre erbieten, triuwe unde wārheit, niht haȥ unde nīt einander tragen. Wir sullen mit fride unde mit suone under einander leben. Fridlich leben hāt unser herre got liep. Wan er kom von himelrīche ūf erderīche durch anders niht wan durch den rehten fride, daȥ er uns einen rehten fride schüefe vor der ēwigen marter, ob wir selben wellen. Unde dā von sungen die engel ob der krippen: ‘Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis’—‘Gots ēre in dem himel unde guot fride ūf der erden allen den, die guoten willen habent ūf erderīche!’ Dō unser herre got hie ūf erderīche gie, sō was daȥ ie sīn ellich wort: ‘Pax vobis!’ daȥ sprichet: ‘der fride sī mit iu!’ unde alsō sprach er alle zīt zuo sīnen jungern unde zuo andern liuten. Unde dā bī suln wir merken, wie rehte liep der almehtige got den rehten vride hāt. Wan dō er von erderīche wider ūf zuo himel fuor, dō sprach er aber zuo sīnen jungern: ‘der vride sī mit iu!’ unde enphalh dem guoten Sant Pēter, daȥ er phleger wære über den rehten fride, unde gap im den gewalt, daȥ er den himel ūf slüȥȥe allen den, die den fride hielten, unde swer den fride bræche, daȥ er dem den himel vor beslüȥȥe. Daȥ ist alsō gesprochen: ēt alle, die diu gebot unsers herren zebrechent, die habent ouch den rehten fride gebrochen. Daȥ ist ouch von gote reht, swer diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ man dem den himel vor besliuȥet, sīt uns got nu geholfen hāt, daȥ wir mit rehtem leben unde mit fridlīchem leben daȥ himelrīch verdienen mügen. Wan daȥ was niht vor gotes geburt, swie wol der mensche tæt in aller der werelde, sō mohte er doch ze dem himelrīch niht komen. Got geschuof des ērsten himel unde erden, dar nāch den menschen unde sazte in in daȥ paradys. Der zebrach die gehōrsam uns allen ze schaden; dar umbe gienge wir irre sam diu hirtelōsen schāf, daȥ wir in daȥ himelrīch niht mohten, unz an die zīt, daȥ uns got den wec dar wīste mit sīner marter, unde dar umbe solde wir got immer loben unde ēren von allem unserm herzen unde von aller unserre sēle unde von aller unserre maht, daȥ wir nu sō wol ze den ēwigen freuden kæmen, ob wir wolden; daȥ hie vor manigen heiligen patriarken unde prophēten tiure was. Diu genāde unde diu sælikeit ist uns kristen liuten nu widervaren, daȥ wir nu wol daȥ himelrīch mugen verdienen. Unde swer des niht entuot unde diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ richet er billīchen an im.
Von vrīen liuten.
Wir zelen drīer hande vrīen. Der heiȥent eine sempervrīen: daȥ sint die vrīen herren, als fürsten unde die ander frīen ze man hānt. Sō heiȥent die andern miter vrīen: daȥ sint die, die der hōhen vrīen man sint. Die driten vrīen daȥ sint die vrīen lantsæȥen, die gebūren, die dā vrī sint. Der hāt ieglīcher sīn sunder reht, als wir her nāch wol bescheiden.
Von tiutscher liute ēren.
Die tiutschen kiesent den künic: daȥ erwarb in der künic Karl. Swenne er gewīhet wirt unt ūf den stuol ze Ache gesetzet wirt mit der willen, die in erwelt hānt, sō hāt er küniclīchen gewalt unde namen.—Den künic kiuset man ze rihter umbe eigen unde umbe lēhen unde über ieglīches menschen līp unde umbe alleȥ, daȥ vür in ze klagen kumet. Der keiser mac in allen landen niht gesīn, unde mac alleȥ ungerihte niht verrihten. Dā von līhet er den fürsten unde andern herren wereltlīch gerihte. An die vierten hant mac dehein gerihte nimmer komen mit rehte, dā man umbe menschenbluot rihten sol ode umbe alle vrevel.
III Hartman von Ouwe.
He was born somewhere between 1160-1170, in the neighbourhood of Rottenburg in Swabia, and died about 1220.
The following extract is taken from Paul’s edition: Der Arme Heinrich, Halle, 1882.
Ein ritter sō gelēret was
daȥ er an den buochen las
swaȥ er dar an geschriben vant.
der was Hartman genant,
5
dienstman was er ze Ouwe.
er nam im mange schouwe
an mislīchen buochen:
dar an begunde er suochen
ob er iht des funde
10
dā mite er swære stunde
möhte senfter machen,
und von sō gewanten sachen
daȥ gotes ēren töhte
und dā mite er sich möhte
15
gelieben den liuten.
nu beginnet er in diuten
ein rede die er geschriben vant.
dar umbe hāt er sich genant,
daȥ er sīner arbeit
20
die er dar an hāt geleit
iht āne lōn belībe,
und swer nāch sīnem lībe
sī hœre sagen oder lese,
daȥ er im bittende wese
25
der sēle heiles hin ze gote.
man seit, er sī sīn selbes bote
unde erlœse sich dā mite,
swer über des andern schulde bite.
Er las ditze mære,
30
wie ein herre wære
ze Swāben geseȥȥen:
an dem enwas vergeȥȥen
deheiner der tugende
die ein ritter in sīner jugende
35
ze vollem lobe haben sol.
man sprach dō niemen alsō wol
in allen den landen.
er hete ze sīnen handen
geburt und dar zuo rīcheit:
40
ouch was sīn tugent vil breit.
swie ganz sīn habe wære,
sīn geburt unwandelbære
und wol den fürsten gelīch,
doch was er unnāch alsō rīch
45
der gebürte und des guotes
sō der ēren und des muotes.
Sīn name der was erkennelich,
und hieȥ der herre Heinrich,
und was von Ouwe geborn.
50
sīn herze hāte versworn
valsch und alle törperheit,
und behielt ouch vaste den eit
stæte unz an sīn ende.
ān alle missewende
55
stuont sī ēre und sīn leben.
im was der rehte wunsch gegeben
ze werltlīchen ēren:
die kunde er wol gemēren
mit aller hande reiner tugent.
60
er was ein bluome der jugent,
der werlte fröude ein spiegelglas.
stæter triuwe ein adamas,
ein ganziu krōne der zuht.
er was der nōthaften fluht,
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ein schilt sīner māge,
der milte ein glīchiu wāge:
im enwart über noch gebrast.
er truoc den arbeitsamen last
der ēren über rücke.
70
er was des rātes brücke,
und sanc vil wol von minnen.
alsus kund er gewinnen
der werlte lop unde prīs.
er was hübesch und dar zuo wīs.
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Dō der herre Heinrich
alsō geniete sich
ēren unde guotes
und frœlīches muotes
und werltlīcher wünne
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(er was für al sīn künne
geprīset unde geēret),
sīn hōher muot wart verkēret
in ein leben gar geneiget.
an im wart erzeiget,
85
also ouch an Absolōne,
daȥ diu üppige krōne
werltlīcher süeȥe
vellet under füeȥe
ab ir besten werdekeit,
90
als uns diu schrift hāt geseit.
eȥ spricht an einer stete dā,
‘mēdiā vītā
in morte sumus’:
daȥ bediutet sich alsus,
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daȥ wir in dem tōde sweben
sō wir aller beste wænen leben.
Dirre werlte veste,
ir stæte, unde ir beste
unde ir grœste magenkraft,
100
diu stāt āne meisterschaft.
des muge wir an der kerzen sehen
ein wāreȥ bilde geschehen,
daȥ sī zeiner aschen wirt
enmitten dō sī lieht birt.
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wir sīn von brœden sachen.
nū sehent wie unser lachen
mit weinen erlischet.
unser süeȥe ist vermischet
mit bitterre gallen.
110
unser bluome der muoȥ vallen
so er allergrüenest wænet sīn.
an hern Heinrīche wart wol schīn,
der in dem hœhsten werde
lebet ūf dirre erde,
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derst der versmæhete vor gote.
er viel von sīme gebote
ab sīner besten werdekeit
in ein versmæhelīcheȥ leit:
in ergreif diu miselsuht.
120
dō man die swæren gotes zuht
gesach an sīnem lībe,
manne unde wībe
wart er dō widerzæme.
nū sehent wie genæme
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er ē der werlte wære,
und wart nū alse unmære
daȥ in niemen gerne an sach:
alse ouch Jōbe geschach,
dem edeln und dem rīchen,
130
der ouch vil jæmerlīchen
dem miste wart ze teile
mitten in sīme heile.
Und dō der arme Heinrich
alrēst verstuont sich
135
daȥ er der werlte widerstuont,
als alle sīne gelīchen tuont,
dō schiet in sīn bitter leit
von Jōbes gedultikeit.
wan eȥ leit Jōb der guote
140
mit gedultigem muote,
do eȥ ime ze līdenne geschach,
durch der sēle gemach.
den siechtuom und die smācheit
die er von der werlte leit,
145
des lobet er got und fröute sich.
dō tet der arme Heinrich
leider niender alsō:
wan er was trūrec unde unfrō.
sīn swebendeȥ herze daȥ verswanc,
150
sīn swimmendiu fröude ertranc,
sīn hōchvart muoste vallen,
sīn honic wart ze gallen,
ein swinde vinster donreslac
zerbrach im sīnen mitten tac,
155
ein trüebeȥ wolken unde dic
bedaht’ im sīner sunnen blic.
er sente sich vil sēre
daȥ er sō manege ēre
hinder im müeste lāȥen.
160
verfluochet und verwāȥen
wart vil ofte der tac
dā sīn geburt ane lac.
Ein wēnic fröuwet er sich doch
von eime trōste dannoch:
165
wan im wart dicke geseit
daȥ disiu selbe siecheit
wære vil mislich
und etelīchiu gnislich.
des wart vil maneger slahte
170
sīn gedinge und sīn ahte.
er gedāhte daȥ er wære
vil līhte genisbære,
und fuor alsō drāte
nāch der arzāte rāte
175
gegen Munpasiliere.
dā vant er vil schiere
niht wan den untrōst
daȥ er niemer würde erlōst.
Daȥ hōrte er vil ungerne,
180
und fuor gegen Sālerne
und suochte ouch dā durch genist
der wīsen arzāte list.
den besten meister er dā vant.
der seite ime zehant
185
ein seltsæne mære,
daȥ er genislich wære
und wære doch iemer ungenesen.
dō sprach er ‘wie mac daȥ wesen?
diu rede ist harte unmügelich.
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bin ich gnislich, sō genise ich:
und swaȥ mir für wirt geleit
von guote oder von arbeit,
daȥ trūwe ich vollebringen.’
‘nū lāt daȥ gedingen’
195
sprach der meister aber dō:
‘iuwẹrre sühte ist alsō
(waȥ frumet daȥ ichȥ iu kunt tuo?):
dā hœret arzenīe zuo:
des wæret ir genislīch.
200
nu enist ab nieman sō rīch
noch von sō starken sinnen
der sī müge gewinnen.
des sint ir iemer ungenesen,
got enwellẹ der arzāt wesen.’
205
Dō sprach der arme Heinrich
‘war umbe untrœstent ir mich?
jā hān ich guotes wol die kraft:
ir enwellent iuwer meisterschaft
und iuwer reht ouch brechen
210
und dar zuo versprechen
beidiu mīn silber und mīn golt,
ich mache iuch mir alsō holt
daȥ ir mich harte gerne ernert.’
‘mir wærẹ der wille unrewert’
215
sprach der meister aber dō:
‘und wærẹ der arzenīe alsō
daȥ man sī veile funde
oder daȥ man sī kunde
mit deheinen dingẹn erwerben,
220
ich enlieȥe iuch niht verderben.
nu enmac des leider niht sīn:
dā von muoȥ iu diu helfe mīn
durch alle nōt sīn versaget.
ir müesent haben eine maget
225
diu vollen ērbære
und ouch des willen wære
daȥ sī den tōt durch iuch lite.
nu enist eȥ niht der liute site
daȥ eȥ iemen gerne tuo.
230
sō hœrt ouch anders niht dar zuo
niwan der megede herzen bluot:
daȥ wærẹ für iuwer suht guot.’
Nu erkantẹ der arme Heinrich
daȥ daȥ wære unmügelich
235
daȥ iemen den erwürbe
der gerne für in stürbe.
alsus was im der trōst benomen
ūf den er dar was komen,
und dar nāch für die selben frist
240
hāt er ze sīner genist
dehein gedinge mēre.
des wart sīn herzesēre
alsō kreftic unde grōȥ
daȥ in des aller meist verdrōȥ,
245
ob er langer solte leben.
nū fuor er heim und begunde geben
sīn erbe und ouch sīn varnde guot,
als in dō sīn selbes muot
und wīser rāt lērte,
250
da erȥ aller bestẹ bekērte.
er begundẹ bescheidenlīchen
sīn armen friunde rīchen
und trōste ouch frömde armen,
daȥ sich got erbarmen
255
geruochte über der sēle heil:
gotes hiusern viel daȥ ander teil.
alsus sō tet er sich abe
bescheidenlīchen sīner habe
unz an ein geriute:
260
dar flōch er die liute.
disiu jæmerlīchẹ geschiht
diu was sīn eines klage niht:
in klageten elliu diu lant
dā er inne was erkant,
265
und ouch von vrömden landen
die in nāch sage erkanden.
Der ē ditz geriute
und der eȥ dannoch biute,
daȥ was ein frīer būman
270
der vil selten ie gewan
dehein grōȥ ungemach,
daȥ andẹrn gebūren doch geschach,
die wirs geherret wāren,
und sī die niht verbāren
275
beidiu mit stiure und mit bete.
swaȥ dirrẹ gebūre gerne tete,
des dūhte sīnen herren gnuoc:
dar zuo er in übertruoc
daȥ er dehein arbeit
280
von frömdem gewalte leit.
des was deheiner sīn gelīch
in dem lande alsō rīch.
zuo deme zōch sich
sīn herrẹ, der arme Heinrich.
285
swaȥ er in het ē gespart,
wie wol daȥ nū gedienet wart
und wie schōne er sīn genōȥ!
wan in vil lützel des verdrōȥ
swaȥ im geschach durch in.
290
er hete die triuwe und ouch den sin
daȥ er vil willeclīche leit
den kumber und die arbeit
diu ime ze līdenne geschach.
er schuof ime rīch gemach.
295
Got hete dem meiger gegeben
nāch sīner ahte ein reineȥ leben.
er hete ein wol erbeiten līp
und ein wol werbendeȥ wīp,
dar zuo het er schœniu kint,
300
diu gar des mannes fröude sint,
unde hete, sō man saget,
undẹr den kinden eine maget,
ein kint von ahte jāren:
daȥ kunde wol gebāren
305
sō rehte güetlīchen:
sī wolte nie entwīchen
von ir herren einen fuoȥ:
umb sīne hulde und sīnen gruoȥ
sō diente si ime alle wege
310
mit ir güetlīchen pflege.
sī was ouch sō genæme
daȥ sī wol gezæme
ze kinde deme rīche
an ir wætlīche.
315
Die andern heten den sin
daȥ sī ze rehter māȥe in
wol gemīden kunden:
sō flōch sī zallen stunden
zuo ime und niender anders war.
320
sī was sīn kurzewīle gar.
sī hete gar ir gemüete
mit reiner kindes güete
an ir herren gewant,
daȥ man sī zallen zīten vant
325
undẹr ir herren fuoȥe.
mit süeȥer unmuoȥe
wonte sī ir herren bī.
dar zuo sō liebte er ouch sī
swā mite sō er mohte,
330
und daȥ der meide tohte
zuo ir kintlīchen spil,
des gab der herre ir vil.
ouch half in sēre daȥ diu kint
sō līhte ze gewenenne sint.
335
er gewan ir swaȥ er veile vant,
spiegel unde hārbant,
gürtel unde vingerlīn
und swaȥ kinden liep solte sīn.
mit dienste brāhte er s’ ūf die vart
340
daȥ sī im alsō heimlich wart
daȥ er sī sīn gemahele hieȥ.
diu guote maget in lieȥ
belīben selten eine:
er dūhte sī vil reine.
345
swie starke ir daȥ geriete
diu kindische miete,
iedoch geliebte irȥ aller meist
von gotes gebe ein süeȥer geist.
Ir dienst war sō güetlich.
350
dō dō der arme Heinrich
driu jār dā getwelte
unde im got gequelte
mit grōȥem jāmer den līp,
nū saȥ der meier und sīn wīp
355
unde ir tohter, diu maget
von der ich iu ē hān gesaget,
bī im in ir unmüeȥekeit
und begunden klagen ir herren leit.
diu klage tet in michel nōt:
360
wan sī vorhten daȥ sīn tot
sī sēre solte letzen
und vil gar entsetzen
ēren unde guotes
und daȥ herters muotes
365
würde ein ander herre.
si gedāhten alsō verre
unz dirre selbe būman
alsus frāgen began.
Er sprach ‘lieber herre mīn,
370
möht eȥ mit iuwern hulden sīn,
ich frāgte vil gerne,
sō vil ze Sālerne
von arzenīen meister ist,
wie kumet daȥ ir deheines list
375
ze iuwerme ungesunde
niht gerāten kunde?
herre, des wundert mich.’
dō holtẹ der arme Heinrich
tiefen sūft von herzen
380
mit bitterlīchem smerzen:
mit solher riuwe er dō sprach
daȥ ime der sūft daȥ wort zerbrach.
‘Ich hān disen schemelīchen spot
vil wol gedienet umbe got.
385
wan dū sæhe wol hie vor
daȥ hōh offen stuont mīn tor
nāch werltlīcher wünne
und daȥ niemen in sīnem künne
sīnen willen baȥ hete dan ich:
390
und was daȥ doch unmügelich,
wan ich enhete niht gar.
dō nam ich sīn vil kleine war
der mir daȥ selbe wunschleben
von sīnen gnāden hete gegeben.
395
daȥ herze mir dō alsō stuont
als alle werlttōren tuont,
den daȥ saget ir muot
daȥ sī ēre unde guot
āne got mügen hān.
400
sus troug ouch mich mīn tumber wān,
wan ich in lützel ane sach
von des genāden mir geschach
vil ēren unde guotes.
dō dō des hōhen muotes
405
den hōhen portenærẹ bedrōȥ,
die sælden porte er mir beslōȥ.
dane kum ich leider niemer in:
daȥ verworhte mir mīn tumber sin.
got hāt durch rāche an mich geleit
410
ein sus gewante siecheit
die niemen mag erlœsen,
nū versmæhent mich die bœsen,
die biderben ruochent mīn niht.
swie bœse er ist der mich gesiht,
415
des boeser muoȥ ich dannoch sīn.
sīn unwert tuot er mir schīn:
er wirfẹt diu ougen abe mir.
nū schīnet ērste an dir
dīn triuwe die dū hāst,
420
daȥ dū mich siechen bī dir lāst
und von mir niht enfliuhest.
swie dū mich niht enschiuhest,
swie ich niemen liep sī danne dir,
swie vil dīns heiles stē an mir,
425
du vertrüegest doch wol mīnen tōt.
nū wes unwert und wes nōt
wart ie zer werlte merre?
hie vor was ich dīn herre
und bin dīn dürftige nū.
430
mīn lieber friunt, nu koufest dū
und mīn gemahele und dīn wīp
an mir den ēwigen līp
daȥ dū mich siechen bī dir lāst.
des dū mich gefrāget hāst,
435
daȥ sage ich dir vil gerne.
ichn kunde ze Sālerne
einen meister niender vinden
der sich mīn underwinden
getörste oder wolte.
440
wan dā mite ich solte
mīner sühte genesen,
daȥ müeste ein solhiu sache wesen
die in der werlte nieman
mit nihte gewinnen kan.
445
mir wart niht anders dā gesaget
wan ich müeste haben eine maget
diu vollen manbære
und ouch des willen wære
daȥ sī den tōt durch mich lite
450
und man sī zuo dem herzen snite,
und mir wærẹ niht anders guot
wan von ir herzen daȥ bluot.
nū ist genuoc unmügelich
daȥ ir deheiniu durch mich
455
gerne līde den tōt.
des muoȥ, ich schemelīche nōt
tragen unz an mīn ende.
daȥ mirȥ got schiere sende!’
Daȥ er dem vater hete gesagt,
460
daȥ erhōrte ouch diu reine magt:
wan eȥ hete diu vil süeȥe
ir lieben herren füeȥe
stānde in ir schōȥen,
man möhte wol genōȥen
465
ir kintlīch gemüete
hin ze der engel güete.
sīner rede nam sī war
unde marhte sī ouch gar:
sī enkam von ir herzen nie
470
unz man des nahtes slāfen gie.
dō sī zir vater füeȥen lac
und ouch ir muoter, sō sī pflac,
und sī beide entsliefen,
manegen sūft tiefen
475
holte sī von herzen.
umbe ir herren smerzen
wart ir riuwe alsō grōȥ
daȥ ir ougen regen begōȥ
der slāfenden füeȥe,
480
sus erwahte sī diu süeȥe.
Dō sī der trehene enpfunden,
si erwachten und begunden
sī frāgen waȥ ir wære
und welher hande swære
485
sī alsō stille möhte klagen.
nu enwolte sī es in niht sagen,
wan daȥ ir vater aber tete
vil manege drō unde bete
daȥ sī eȥ ime wolte sagen.
490
sī sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.
waȥ möhte uns mē gewerren
danne umb unsern herren,
daȥ wir den suln verliesen
und mit ime verkiesen
495
beide guot und ēre?
wir gewinnen niemer mēre
deheinen herren alsō guot
der uns tuo daȥ er uns tuot.’
Sī sprāchen ‘tohter, dū hāst wār.
500
nū frumet uns leider niht ein hār
unser riuwe und dīn klage:
liebeȥ kint, dā von gedage.
eȥ ist uns alsō leit sō dir.
leider nū enmuge wir
505
ime ze keinen staten komen.
got der hāt in uns benomen:
het eȥ iemen anders getān,
der müese unsern fluoch hān.’
Alsus gesweigẹten sī sī dō.
510
die naht beleip sī unfrō
und morne allen den tac.
swes iemen anders pflac,
diz enkam von ir herzen nie
unz man des andern nahtes gie
515
slāfen nāch gewonheit.
dō sī sich hete geleit
an ir alte bettestat,
sī bereite aber ein bat
mit weinenden ougen:
520
wan sī truoc tougen
nāhe in ir gemüete
die aller meisten güete
die ich von kinde ie vernam.
welch kint getete ouch ie alsam?
525
des einen sī sich gar verwac,
gelebetẹ sī morne den tac,
daȥ sī benamen ir leben
umbe ir herren wolte geben.
Von dem gedanke wart sī dō
530
vil ringes muotes unde frō,
und hete deheine sorge mē,
wan ein vorhtẹ diu tete ir wē,
sō sīȥ ir herren sagte,
daȥ er dar an verzagte,
535
und swenne sīȥ in allen drin
getæte kunt, daȥ sī an in
der gehenge niht enfunde
daȥ mans ir iht gunde.
Des wart sō grōȥ ir ungehabe
540
daȥ ir muoter dar abe
unde ir vater wart erwaht
als ouch an der vordern naht.
sī rihten sich ūf zuo ir
und sprāchen ‘sich, waȥ wirret dir?
545
dū bist vil alwære
daȥ du dich sō manege swære
von solher klage hāst an genomen
der niemen mac zeim ende komen.
war umbẹ lāstu uns niht slāfen?’
550
sus begunden sī sī strāfen.
waȥ ir diu klage töhte,
die niemen doch enmöhte
verenden noch gebüeȥen?
sus wānden sī die süeȥen
555
gesweigen an der selben stunt:
dō was ir wille in vil unkunt.
Sus antwurte in diu maget.
‘als uns mīn herre hāt gesaget,
sō mac man in vil wol ernern.
560
zewāre, ir welt mirȥ danne wern,
sō bin ich ze der arzenīe guot.
ich bin ein maget und hān den muot,
ē ich in sihe verderben,
ich wil ē für in sterben.’
565
Von dirre rede wurden dō
trūric unde unfrō
beide muoter unde vater.
sīne tohter die bat er
daȥ sī die rede lieȥe
570
und ir herren gehieȥe
daȥ sī geleisten möhte,
wand ir diz niht entöhte.
Er sprach ‘tohter, du bist ein kint
und dīne triuwe die sint
575
ze grōȥ an disen dingen.
du enmaht es niht für bringen
als dū uns hie hāst verjehen.
dū hāst des tōdes niht gesehen.
swenn eȥ dir kumet ūf die frist
580
daȥ des dehein rāt ist,
dū enmüeȥest sterben,
und möhtest dūȥ erwerben,
dū lebetest gerner dannoch:
wan dun kæme nie in leider loch.
585
dā von tuo zuo dīnen munt:
und wirstū für dise stunt
der rede iemer mēre lūt,
eȥ gāt dir ūf dīne hūt.’
Alsus sō wānde er sī dō
590
bēdiu mit bete und mit drō
gesweigen: dō enmohter.
sus antwurt ime sīn tohter.
‘Vater mīn, swie tump ich sī,
mir wonet iedoch diu witze bī
595
daȥ ich von sage wol die nōt
erkenne daȥ des lībes tōt
ist starc unde strenge.
swer ouch dannẹ die lenge
mit arbeiten leben sol,
600
dem ist iedoch niht ze wol.
wan swenne er hie geringet
und ūf sīn alter bringet
den līp mit michelre nōt,
sō muoȥ er līden doch den tōt.
605
ist ime diu sēle dannẹ verlorn,
sō wære er beȥȥer ungeborn.
eȥ ist mir komen ūf daȥ zil,
des ich got iemer loben wil,
daȥ ich den jungen līp mac geben
610
umbẹ daȥ ēwige leben.
nū sult ir mirȥ niht leiden.
ich wil mir unde iu beiden
vil harte wol mite varn.
ich mag iuch eine wol bewarn
615
vor schaden und vor leide,
als ich iu nū bescheide.
ir hānt ēre unde guot:
daȥ meinet mīnes herren muot;
wan er iu leit nie gesprach
620
und ouch daȥ guot nie abe gebrach.
die wīle daȥ er leben sol
sō stēt iuwer sache wol:
und lāȥe wir den sterben,
sō müeȥen wir verderben.
625
den wil ich uns fristen
mit alsō schœnen listen
dā mite wir alle sīn genesen.
nū gunnet mirs, wan eȥ muoȥ wesen.’
Diu muoter weinende sprach,
630
dō sī der tohter ernst ersach,
‘gedenke, tohter, liebeȥ kint,
wie grōȥ die arbeite sint
die ich durch dich erliten hān,
und lā mich beȥȥern lōn enpfān
635
dan ich dich hœre sprechen.
dū wilt mīn herze brechen.
senfte mir der rede ein teil.
jā wiltū alleȥ dīn heil
an uns verwürken wider got.
640
wan gedenkest dū an sīn gebot?
jā gebōt er unde bat er
daȥ man muoter unde vater
minne und ēre biete,
und geheiȥet daȥ ze miete
645
daȥ der sēle rāt werde
und lanclīp ūf der erde.
dū gihst, dū wellest dīn leben
umb unser beider fröude geben:
dū wilt uns beiden
650
daȥ leben vaste leiden.
daȥ dīn vater unde ich
gerne leben, daȥ ist durch dich.
a
waȥ solte uns līp unde guot,
b
waȥ solte uns werltlich muot,
c
swenne wir dīn enbæren?
d
dune......
jā soltū, liebiu tohter mīn,
unser beider fröude sīn,
655
gar unsers lībes wünne,
ein bluome in dīme künne,
unsers alters ein stap.
und lāstū uns über dīn grap
gestēn von dīnen schulden,
660
dū muost von gotes hulden
iemer sīn gescheiden:
daȥ koufest an uns beiden.’
a
‘wiltu uns tohter wesen guot,
b
sō soltū rede und den muot
c
durch unsers herren hulde lān,
d
die ich von dir vernomen hān.’
Si sprach ‘muoter, ich getrūwe dir
und mīnem vater her ze mir
665
aller der genāden wol
der vater unde muoter sol
leisten ir kinde,
als ich eȥ wol bevinde
an iu allertegelich.
670
von iuwern gnāden hān ich
die sēle und einen schœnen līp.
mich lobet man unde wīp,
und alle die mich sehende sint,
ich sī daȥ schœneste kint
675
daȥ sī zir lebene haben gesehen.
wem soll ich der genāden jehen
niuwan iu zwein nāch gote?
des sol ich ze iuwerm gebote
iemer vil gerne stān:
680
wie michel reht ich des hān!
muoter, sæligeȥ wīp,
sīt ich nū sēle unde līp
von iuwern genāden hān,
sō lāntȥ an iuwern hulden stān
685
daȥ ich ouch die beide
von dem tiuvel scheide
und mich gote müeȥe geben.
jā ist dirre werlte leben
niuwan der sēle verlust.
690
ouch hāt mich werltlīch gelust
unz her noch niht berüeret,
der hin zer helle füeret.
nū wil ich gote genāde sagen
daȥ er in mīnen jungen tagen
695
mir die sinne hāt gegeben
daȥ ich ūf diz brœde leben
ahte harte kleine.
ich wil mich alsus reine
antwürtẹn in gotes gewalt.
700
ich fürhte, solt ich werden alt,
daȥ mich der werlte süeȥe
zuhte under füeȥe,
als sī vil manegen hāt gezogen
den ouch ir süeȥe hāt betrogen:
705
sō würde ich līhte gote entsaget.
gote müeȥe eȥ sīn geklaget
daȥ ich unz morne leben sol:
mir behaget diu werlt niht sō wol.
ir meiste liep ist herzeleit
710
(daȥ sī iu für wār geseit),
ir süeȥer lōn ein bitter nōt,
ir lancleben ein gæher tōt.
wir hān niht gewisses mē
wan hiute wol und morne wē
715
und ie ze jungest der tōt.
daȥ ist ein jæmerlīchiu nōt.
eȥ enschirmet geburt noch guot,
schœne, sterke, hōher muot,
eȥ enfrumt tugent noch ēre
720
für den tōt niht mēre
dann ungeburt und untugent.
unser leben und unser jugent
ist ein nebel unde ein stoup,
unser stæte bibent als ein loup.
725
er ist ein vil verschaffen gouch
der gerne in sich vaȥȥt den rouch,
eȥ sī wīp oder man,
der diz niht wol bedenken kan
und ouch der werlt nāch volgende ist.
730
wan uns ist über den fūlen mist
der pfeller hie gespreitet:
swen nū der blic verleitet,
der ist zuo der hellẹ geborn
unde enhāt niht mē verlorn
735
wan beidiu sēle unde līp.
nu gedenkent, sæligeȥ wīp,
müeterlīcher triuwe
und senftent iuwer riuwe
die ir dā habent umbe mich:
740
so bedenket ouch der vater sich.
ich weiȥ wol daȥ er mir heiles gan.
er ist ein alsō biderber man
daȥ er erkennet wol daȥ ir
unlange doch mit mir
745
iuwer fröude mügent hān,
ob ich joch lebende bestān.
belībe ich āne man bī iu
zwei jār oder driu,
sō ist mīn herre līhte tōt,
750
und kument in sō grōȥe nōt
vil līhte von armuot
daȥ ir mir alsolheȥ guot
zeinem man niht mugent geben,
ich enmüeȥe alse swache leben
755
daȥ ich iu lieber wære tōt.
nu verswīgẹ wir aber der nōt,
daȥ uns niht enwerre
und uns mīn lieber herre
were und alsō lange lebe
760
unz daȥ man mich zeim manne gebe
der rīche sī unde wert:
sō ist geschehen des ir dā gert
und wænent mir sī wol geschehen.
anders hāt mir mīn muot verjehen.
765
wirt er mir liep, daȥ ist ein nōt:
wirt er mir leit, daȥ ist der tōt.
wan sō hān ich iemer leit
und bin mit ganzer arbeit
gescheiden von gemache
770
mit maneger hande sache
diu den wīben wirret
und sī ze fröuden irret.
nū setzt mich in den vollen rāt
der dā niemer zergāt.
775
mīn gert ein frīer būman
dem ich wol mīnes lībes gan.
zwāre, dem sult ir mich geben,
sō ist geschaffet wol mīn leben.
im gēt sīn pfluoc harte wol,
780
sīn hof ist alles rātes vol,
da enstirbet ros noch daȥ rint,
da enmüent diu weinenden kint,
da enist ze heiȥ noch ze kalt,
dā wirt von jāren niemen alt,
785
der alte wirt junger,
da enist frost noch hunger,
da enist deheiner slahte leit,
da ist ganziu fröude ān arbeit.
ze dem wil ich mich ziehen
790
und solhen bū fliehen
den daȥ fiur und der hagel sleht
und der wāc abe tweht,
mit dem man ringet unde ie ranc.
swaȥ man daȥ jār alse lanc
795
dar ūf gearbeiten mac,
daȥ verliuset schiere ein halber tac.
den bū den wil ich lāȥen:
er sī von mir verwāȥen.
ir minnent mich: deist billich.
800
nū sihe ich gerne daȥ mich
iuwer minne iht unminne.
ob ir iuch rehter sinne
an mir verstān kunnent
und ob ir mir gunnent
805
beide guotes unde ēren,
sō lāȥet mich kēren
ze unserm herren Jēsū Krist,
des gnāde alsō stæte ist
daȥ sī niemer zergāt,
810
unde ouch zuo mir armen hāt
alsō grōȥe minne
als zeiner küniginne.
ich sol von mīnen schulden
ūȥ iuwern hulden
815
niemer komen, wil eȥ got.
eȥ ist gewisse sīn gebot
daȥ ich iu sī undertān,
wan ich den līp von iu hān:
daȥ leist ich āne riuwe.
820
ouch sol ich māne triuwe
an mir selber niht brechen.
ich hōrte ie daȥ sprechen,
swer den andern fröuwet sō
daȥ er selbe wirt unfrō,
825
und swer den andern krœnet
und sich selben hœnet,
der triuwen sī ze vil.
wie gerne ich iu des volgen wil
daȥ ich iu triuwe leiste,
830
mir selber doch die meiste.
welt ir mir wenden mīn heil,
sō lāȥ ich iuch ein teil
ē nāch mir geweinen,
ich enwelle mir erscheinen
835
wes ich mir selber schuldic bin.
ich wil iemer dā hin
da ich volle fröude vinde.
ir hānt doch mē kinde:
diu lānt iuwer fröude sīn
840
und getrœstent ir iuch mīn.
wan mir mac daȥ nieman erwern,
zwāre, ich enwelle ernern
mīnen herren unde mich.
muoter, jā hōrte ich dich
845
klagen unde sprechen ē,
eȥ tæte dīme herzen wē,
soltest dū ob mīme grabe stān.
des wirst du harte wol erlān:
dū stāst ob mīme grabe niht.
850
wan dā der tōt geschiht,
daȥ enlāt dich niemen sehen:
eȥ sol ze Sālerne geschehen.
a
dā sol uns viere der tōt
b
lœsẹen von aller slahte nōt.
des tōdes des genese wir,
und ich doch verre baȥ dan ir.’
855
Dō sī daȥ kint dō sāhen
ze dem tōde sō gāhen,
und eȥ sō wīslīchen sprach
unde menschlich reht zerbrach,
si begunden ahten under in
860
daȥ die wīsheit und den sin
niemer erzeigen kunde
dehein zunge in kindes munde.
sī jāhen daȥ der heiliggeist
der rede wære ir volleist,
865
der ouch sante Niklauses pflac
dō er in der wagen lac
und in die wīsheit lērte
daȥ er ze gote kērte
sīne kintlīche güete:
870
und bedāhtẹn sich in ir gemüete
daȥ sī niht enwolden
sī wenden noch ensolden
des sī sich hete an genomen:
der willẹ sī ir von gote komen.
875
von jāmẹr erkalte in der līp,
dō der meiger und sīn wīp
an dem bette sāȥen
und vil gar vergāȥen
durch des kindes minne
880
der zungen und der sinne
sā ze der selben stunde.
ir enwederȥ enkunde
einic wort gesprechen.
daȥ gegihtẹ begunde brechen
885
die muoter von leide.
sus gesāȥen sī beide
riuwic unde unfrō
unz sī sich bedāhten dō
waȥ in ir trūren töhte:
890
sō man ir doch niht enmöhte
benemen ir willen unde ir muot,
sō enwære in niht alsō guot
sō daȥ sī irs wol gunden,
wan sī doch niht enkunden
895
ir niemer werden āne baȥ;
enpfiengen sī der rede haȥ,
eȥ möhte in umbe ir herren
vil harte wol gewerren,
und verviengen anders niht dā mite.
900
mit vil willeclīchem site
sprāchen sī beide dō
daȥ sī der rede wæren frō.
Des fröute sich diu reine maget.
dō eȥ vil kūme was getaget
905
dō gie sī dā ir herre slief.
sīn trūtgemahele ime rief,
sī sprach ‘herre, slāfent ir?’
‘nein ich, gemahele, sage mir,
wie bistū hiute alsō fruo?’
910
‘herrẹ, dā twinget mich derzuo
der jāmer iuwerr siecheit.’
er sprach ‘gemahelẹ, daȥ ist dir leit:
daȥ erzeigest du an mir wol,
als eȥ dir got vergelten sol.
915
nune mag es dehein rāt sīn.’
‘entriuwen, lieber herre mīn,
iuwer wirt vil guot rāt.
sīt eȥ alsus umbe iuch stāt
daȥ man iu gehelfen mac,
920
ichn gesūme iuch niemer tac.
herre, ir hānt uns doch gesaget,
ob ir hetent eine maget
diu gernẹ den tōt durch iuch lite,
dā soltent ir genesen mite.
925
diu wil ich weiȥgot selbe sīn:
iuwer leben ist nützer dan daȥ mīn.’
Dō gnādẹte ir der herre
des willen harte verre.
und ervollẹten im diu ougen
930
von jāmer alsō tougen.
er sprach ‘gemahelẹ, ja ist der tōt
iedoch niht ein senftiu nōt,
als dū dir līhte hāst gedāht.
du hāst mich des wol innen brāht,
935
möhtestū, dū hülfest mir.
des genüegẹt mich wol von dir.
ich erkenne dīnen süeȥen muot:
dīn wille ist reine unde guot.
ichn sol ouch niht mē von dir gern.
940
dū maht mich des niht wol gewern
daȥ dū dā gesprochen hāst.
die triuwe die du an mir begāst,
die sol dir vergelten got.
ditz wærẹ der lantliute spot,
945
swaȥ ich mich für dise stunde
arzenīen underwunde,
und mich doch niht vervienge
wan als eȥ doch ergienge.
gemahele, dū tuost als diu kint
950
diu dā gæhes muotes sint:
swaȥ den kumet in den muot,
eȥ sī übel oder guot,
dar zuo ist in allen gāch,
und geriuwẹt sī sēre dar nāch.
955
gemahele, alsō tuost ouch dū.
der rede ist dir ze muote nū:
der d e von dir nemen wolte,
sō manȥ danne enden solte,
so geriuweȥ dich vil līhte doch.’
960
und daȥ sī sich ein teil noch
baȥ bedæhte des bat er.
er sprach ‘dīn muoter und dīn vater
die enmugen dīn niht wol enbern.
ich sol ouch niht ir leides gern
965
die mir ie gnāde tāten.
swaȥ sī dir beide rāten,
liebẹ gemahele, daȥ tuo.’
hie mite lachete er dar zuo,
wan er lützel sich versach
970
daȥ doch sider dō geschach.
Sus sprach er zuo der guoter.
der vater und diu muoter
sprāchen ‘lieber herre,
ir hānt uns vil verre
975
geliebet und geēret:
daȥ enwærẹ niht wol bekēret,
wir engültenȥ iu mit guote.
unser tohter ist ze muote
daȥ sī den tōt durch iuch dol:
980
des gunne wir ir harte wol.
eȥ ist hiutẹ der dritte tac
daȥ sī uns alleȥ ane lac
daȥ wir ir sīn gunden:
nū hāt sīȥ an uns funden.
985
nū lāȥe iuch got mit ir genesen:
wir wellen ir durch iuch entwesen.’
Do im sīn gemahele dō bōt
für sīnen siechtuom ir tōt
und man ir ernest ersach,
990
dō wart dō michel ungemach
und jæmerlīch gebærde.
manc mislīchiu beswærde
huop sich dō under in,
zwischẹn dem herren unde in drin.
995
ir vater unde ir muoter die
erhuoben michel weinen hie:
des weinens tet in michel nōt
umb ir vil lieben kindes tōt.
nū begunde ouch der herre
1000
gedenken alsō verre
an des kindes triuwe,
und begreif in ein riuwe,
daȥ er sēre weinen began,
und zwīvelte vaste dran
1005
weder eȥ beȥȥer getān
möhte sīn oder verlān.
von vorhten weinte ouch diu maget:
sī wānde er wære dran verzaget.
sus wārens alle unfrō.
1010
sī gerten keines dankes dō.
Ze jungest dō bedāhte sich
ir herrẹ, der arme Heinrich,
und begunde sagen in
grōȥe gnāde allen drin
1015
der triuwen und des guotes
(diu maget wart rīches muotes
daȥ ers gevolgẹte gerne),
und bereitẹ sich ze Sālerne
sō er schiereste mohte.
1020
swaȥ ouch der megede tohte,
daȥ wart vil schiere bereit:
schœniu pfert und rīchiu kleit,
diu sī getruoc nie vor der zīt:
hermin unde samīt,
1025
den besten zobel den man vant,
daȥ was der megede gewarit.
Nū wer möhte volgesagen
die herzeriuwe und daȥ klagen,
der muoter grimmigeȥ leit
1030
und ouch des vater arbeit?
eȥ wærẹ wol undẹr in beiden
ein jæmerliīcheȥ scheiden,
dō sī ir liebeȥ kint von in
gefrumten sō gesundeȥ hin
1035
niemer mē ze sehenne in den tōt,
wan daȥ in senftet ir nōt
diu reine gotes güete,
von der doch daȥ gemüete
ouch dem jungen kinde quam
1040
daȥ eȥ den tōt gerne nam.
eȥ was āne ir rāt kōmen:
dā von wart von ir herzẹn genomen
alliu klage und swære,
wan eȥ anders wunder wære
1045
daȥ in ir herze niht zerbrach.
ze liebe wart ir ungemach,
daȥ sī dar nāch deheine nōt
liten umbe ir kindes tōt.
IV Walther von der Vogelweide.
The exact dates of his birth and death are unknown. His chief poems were written between the years 1187 and 1230.
The best edition of his works is: Walther von der Vogelweide, herausgegeben und erklärt von W. Wilmanns, Halle, 1883 (2nd edit.).
1.
Ir sult sprechen: ‘willekomen!’
der iu mære bringet, daȥ bin ich.
Alleȥ daȥ ir habt vernomen,
daȥ ist gar ein wint: nū frāget mich.
5
Ich wil aber miete:
wirt mīn lōn iht guot,
sō sage ich iu vil līhte, daȥ in sanfte tuot.
seht, waȥ man mir ēren biete.
Ich wil tiuschen frouwen sagen
10
solhiu mære, daȥ si deste baȥ
Al der werlte suln behagen:
āne grōȥe miete tuon ich daȥ.
Waȥ wold’ ich ze lōne?
si sint mir ze hēr;
15
sō bin ich gefüege und bite si nihtes mēr
wan daȥ si mich grüeȥen schōne.
Ich hān lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
Übel müeȥe mir geschehen,
20
künde ich ie mīn herze bringen dar,
Daȥ im wol gevallen
wolde fremeder site.
nū waȥ hülfe mich, ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht gāt vor in allen.
25
Von der Elbe unz an den Rīn
und her wider unz an Ungerlant
Mügen wol die besten sīn,
die ich in der werlte hān erkant.
Kan ich rehte schouwen
30
guot gelāȥ und līp,
sam mir got, sō swüere ich wol, daȥ hie diu wīp
beȥȥer sint danne ander frouwen.
Tiusche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu wīp getān.
35
Swer si schiltet, derst betrogen:
ich enkan sīn anders niht verstān.
Tugent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: da ist wünne vil:
40
lange müeȥe ich leben dar inne!
2.
Owē war sint verswunden alliu mīniu jār!
ist mir mīn leben getroumet oder ist eȥ wār?
daȥ ich ie wānde, daȥ iht wære, was daȥ iht?
dar nāch hān ich geslāfen und enweiȥ es niht.
45
Nū bin ich erwachet, und ist mir unbekant,
daȥ mir hie vor was kündic als mīn ander hant.
liut unde lant, dā ich von kinde bin erzogen,
die sint mir fremde worden, reht’ als eȥ sī gelogen:
Die mīne gespilen wāren, die sint træge und alt;
50
bereitet ist daȥ velt, verhouwen ist der walt:
wan daȥ daȥ waȥȥer fliuȥet, als eȥ wīlent flōȥ,
für wār ich wāndẹ mīn ungelücke würde grōȥ.
mich grüeȥet maneger trāge, der mich bekande ē wol.
diu werlt ist allenthalben ungenāden vol.
55
als ich gedenke an manegen wünneclīchen tac,
die sint mir enpfallen gar als in daȥ mer ein slac,
iemer mēre owē!
Owē wie jæmerlīche junge liute tuont!
den vil unriuweclīche ir gemüete stuont,
60
die kunnen niuwan sorgen: owē wie tuont si sō?
swar ich zer werlte kēre, dā ist nieman frō:
Tanzen unde singen zergāt mit sorgen gar.
nie kristenman gesach sō jæmerlīchiu jār.
nū merket, wie den frouwen ir gebende stāt;
65
die stolzen ritter tragent dörperlīche wāt.
Uns sint unsenfte brieve her von Rōme komen,
uns ist erloubet trūren und fröude gar benomen.
daȥ müet mich inneclīchen (wir lebten ē vil wol),
daȥ ich nū für mīn lachen weinen kiesen sol.
70
diu wilden vogellīn betrüebet unser klage:
waȥ wunders ist, ob ich dā von vil gar verzage?
waȥ spriche ich tumber man durch mīnen bœsen zorn?
swer dirre wünne volget, der hāt jene dort verlorn
iemer mēre, owē!
75
Owē wie uns mit süeȥen dingen ist vergeben!
ich sihe die gallen mitten in dem honege sweben.
diu werlt ist ūȥen schœne, wīȥ, grüen’ unde rōt
und innen swarzer varwe, vinster sam der tōt.
Swen si nū habe verleitet, der schouwe sīnen trōst:
80
er wirt mit swacher buoȥe grōȥer sünde erlōst.
dar an gedenket, ritter! eȥ ist iuwer dinc;
ir traget die liehten helme und manegen herten rinc,
Dar zuo die vesten schilte und diu gewīhten swert.
wolte got, wær ich der sigenünfte wert,
85
sō wolte ich nōtic man verdienen rīchen solt.
joch meine ich niht die huoben noch der hērren golt:
ich wolte selbe krōne ēweclīchen tragen;
die möhte ein soldenære mit sīme sper bejagen.
möht ich die lieben reise gevaren über sē,
90
sō wolte ich denne singen ‘wol’ und niemer mēre ‘owē,’
niemer mēre ‘owē!’
3.
Dō der sumer komen was
und die bluomen durch daȥ gras
wünneclīche ensprungen,
95
aldā die vogele sungen,
dār kom ich gegangen
an einen anger langen,
dā ein lūter brunne entspranc;
vor dem walde was sīn ganc,
100
dā diu nahtegale sanc.
Bī dem brunnen stuont ein boum,
dā gesach ich einen troum.
ich was zuo dem brunnen
gegangen von der sunnen,
105
daȥ diu linde mære
den küelen schaten bære.
bī dem brunnen ich gesaȥ:
mīner swære ich gar vergaȥ,
schiere entslief ich umbe daȥ.
110
Dō bedūhte mich zehant,
wie mir dienten elliu lant,
wie mīn sēle wære
ze himel āne swære
und der līp hie solte
115
gebāren swie er wolte.
dā enwas mir niht ze wē.
got der waldes, swie’ȥ ergē:
schœner troum enwart nie mē.
Gerne sliefe ich iemer dā,
120
wan ein unsæligiu krā,
diu begonde schrīen.
daȥ alle krā gedīen
alse ich in des günne!
si nam mir michel wunne.
125
von ir schrīenne ich erschrac:
wan daȥ dā niht steines lac,
sō wær’ eȥ ir suontac.
Wan ein wunderalteȥ wīp
diu getrōste mir den līp.
130
die begonde ich eiden.
nū hāt si mir bescheiden
waȥ der troum bediute.
daȥ merken wīse liute;
zwēne und einer daȥ sint drī;
135
dannoch seitẹ si mir dā bī,
daȥ mīn dūme ein vinger sī.
4.
Ich saȥ ūf eime steine
und dahte bein mit beine;
dar ūf satzt ich den ellenbogen;
140
ich hete in mīne hant gesmogen
daȥ kinne und ein mīn wange:
dō dāhte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben.
deheinen rāt kond ich gegeben,
145
wie man driu dinc erwürbe,
der keineȥ niht verdürbe.
diu zwei sint ēre und varnde guot,
daȥ dicke einander schaden tuot;
daȥ dritte ist gotes hulde,
150
der zweier übergulde.
die wolte ich gerne in einen schrīn;
jā leider des enmac niht sīn,
daȥ guot und werltlīch ēre
und gotes hulde mēre
155
zesamene in ein herze komen.
stīg’ unde wege sint in benomen:
untriuwe is in der sāȥe,
gewalt vert ūf der strāȥe,
fride unde reht sint sēre wunt.
160
diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei enwerden ē gesunt.
5.
Ich hōrte ein waȥȥer dieȥen
und sach die vische flieȥen;
ich sach swaȥ in der werlte was,
165
velt unde walt, loup rōr und gras;
swaȥ kriuchet unde fliuget
und bein zer erden biuget,
daȥ sach ich unde sage iu daȥ:
der keineȥ lebet āne haȥ.
170
daȥ wilt und daȥ gewürme
die strītent starke stürme,
sam tuont die vogel under in;
wan daȥ sie habent einen sin:
sie diuhten sich ze nihte,
175
sie enschüefen starc gerihte:
sie kiesent künege unde reht,
sie setzent hērren unde kneht.
sō wē dir, tiuschiu zunge,
wie stēt dīn ordenunge,
180
daȥ nū diu mucke ir künic hāt
und daȥ dīn ēre alsō zergāt!
bekērā dich, bekēre!
die zirken sint ze hēre,
die armen künege dringent dich:
Philippe setze en weisen ūf und heiȥ sie treten hinder sich!
6.
Ich sach mit mīnen ougen
man unde wībe tougen,
dā ich gehōrte und gesach
swaȥ iemen tet, swaȥ iemen sprach.
190
ze Rōme hōrte ich liegen
und zwēne künege triegen.
dā von huop sich der meiste strīt,
der ē was oder iemer sīt,
daȥ sich begonden zweien
195
die pfaffen unde leien.
daȥ was ein nōt vor aller nōt:
līp unde sēle lac dā tōt,
die pfaffen striten sēre:
doch wart der leien mēre.
200
diu swert sie legeten dernider
und griffen zuo der stōle wider:
sie bienen die sie wolten
und niuwet den sie solten.
dō stōrte man diu goteshūs.
205
ich hōrte verre in einer klūs
vil michel ungebære:
dā weinde ein klōsenære,
er klagete gote sīniu leit:
‘ōwē, der bābest ist ze junc: hilf, hērre, dīner Kristenheit!’
7.
210
Diu krōne ist elter dan der künec Philippes sī:
dā muget ir alle schouwen wol ein wunder bī,
wie s’ ime der smit sō ebene habe gemachet.
sīn keiserlicheȥ houbet zimt ir alsō wol,
daȥ sie ze rehte nieman guoter scheiden sol.
215
ir dwedereȥ daȥ ander niht enswachet.
sie liuhtent beide ein ander an,
daȥ edele gesteine wider den jungen man:
die ougenweide sehent die fürsten gerne.
swer nū des rīches irre gē,
220
der schouwe, wem der weise ob sīme nacke stē:
der stein ist aller fürsten leitesterne.
8.
Mir ist verspart der sælden tor:
dā stēn ich als ein weise vor,
mich hilfet niht swaȥ ich dar an geklopfe.
225
wie möhte ein wunder grœȥer sīn?
eȥ regent beidenthalben mīn,
daȥ mir des alles niht enwirt ein tropfe.
des fürsten milte ūȥ Ōsterrīche
freut dem süeȥen regen gelīche
230
beidiu liute und ouch daȥ lant.
er ist ein schœne wol gezieret heide,
dar abe man bluomen brichet wunder:
und bræche mir ein blat dar under
diu sīn vil milte rīchiu hant,
235
sō möhte ich loben die süeȥen ougenweide.
hie bī sī er an mich gemant.
9.
Ich hān mīn lēhen, al die werlt! ich hān mīn lēhen!
nū enfürhte ich niht den hornunc an die zēhen
und wil alle bœse hērren deste minre vlēhen.
240
der edel künec, der milte künec hāt mich berāten,
daȥ ich den sumer luft und in dem winter hitze hān.
mīn’ nāhgebūren dunke ich verre baȥ getān:
sie sehent mich niht mēr an in butzen wīs, alsō sie tāten.
ich bin ze lange arm gewesen ān’ mīnen danc.
245
ich was sō volle scheltens, daȥ mīn ātem stanc.
daȥ hāt der künec gemachet reine und dar zuo mīnen sanc.
10.
Ōwē hovelīcheȥ singen,
daȥ dich ungefüege dœne
solten ie ze hove verdringen!
250
daȥ sie schiere got gehœne!
ōwē, daȥ dīn wirde alsō geliget,
des sint alle dīne friunde unfrō.
daȥ muoȥ eht sō sīn, nū sī alsō:
frō Unfuoge, ir habt gesiget.
255
Der uns freude wider bræhte,
diu reht und gefüege wære,
hei wie wol man des gedæhte,
swā man von im seite mære!
eȥ wær’ ein vil hovelīcher muot,
260
des ich iemer gerne wünschen sol.
frouwen unde hērren zæme eȥ wol:
ōwē daȥ eȥ nieman tuot!
Die daȥ rehte singen stœrent,
der ist ungelīche mēre
265
danne die eȥ gerne hœrent.
des volg’ ich der alten lēre:
ich enwil niht werben ze der mül;
dā der stein sō riuschend’ umbe gāt
und daȥ rat sō manegẹ unwīse hāt,
270
merket wer dā harpfen sül!
Die sō frevellīchen schallent,
der muoȥ ich vor zorne lachen,
daȥ s’ in selben wol gevallent
mit als ungefüegen sachen.
275
die tuont sam die frösche in eime sē,
den ir schrīen alsō wol behaget,
daȥ diu nahtegal dā von verzaget,
sō si gerne sunge mē.
Der unfuoge swīgen hieȥe,
280
waȥ man noch von freuden sunge,
und sie abe den bürgen stieȥe,
daȥ si dā die frōn iht twunge!
wurden ir die grōȥen höve benomen,
daȥ wær’ alleȥ nāch dem willen mīn:
285
bien gebūren lieȥe ich sie wol sīn,
dannen ist s’ ouch here komen.
11.
Der rīfe tet den kleinen vogelen wē,
daȥ sie niht ensungen.
nū hōrte ich s’aber wünneclīche als ē:
290
nū ist diu heide entsprungen.
dā sach ich bluomen strīten wider den klē,
weder ir lenger wære.
mīner frouwen seite ich disiu mære.
Uns hāt der winter kalt und ander nōt
295
vil getān ze leide.
ich wānde, daȥ ich iemer bluomen rōt
sæhe an grüener heide.
joch schāte eȥ guoten liuten, wære ich tōt,
die nāch freuden rungen
300
und ie gerne tanzten unde sprungen.
Versūmde ich disen wünneclīchen tac,
sō wær’ ich verwāȥen
und wære an freude ein angestlīcher slac:
dennoch müese ich lāȥen
305
al mīne freude, der ich wīlent pflac.
got gesegen’ iuch alle:
wünschet noch, daȥ mir ein heil gevalle.
12.
Wīp muoȥ ēt iemer sīn der wībe hōhste name
und tiuret baȥ dan frouwe, als ich’ȥ erkenne.
310
swā nū deheiniu sī, diu sich ir wīpheit schame,
diu merke disen sanc und kiese denne.
under frouwen sint unwīp,
under wīben sint sie tiure:
wībes name und wībes līp
315
die sint beide vil gehiure.
swie’ȥ umb’ alle frouwen var,
wīp sint alle frouwen gar.
zwīvellop daȥ hœnet,
als under wīlen frouwe: wīp dēst ein name der s’alle krœnet.
13.
320
Sō die bluomen ūȥ dem grase dringent,
same sie lachen gegen der spileden sunnen,
in einem meien an dem morgen fruo,
und diu kleinen vogellīn wol singent
in ir besten wīse die sie kunnen,
325
waȥ wünne mac sich dā genōȥen zuo?
eȥ ist wol halb ein himelrīche.
suln wir sprechen, waȥ sich deme gelīche,
sō sage ich, waȥ mir dicke baȥ
in mīnen ougen hāt getān,
330
und tæte ouch noch, gesæhe ich daȥ.
Swā ein edeliu schœne frouwe reine
wol gekleidet unde wol gebunden
durch kurzewīle zuo vil liuten gāt,
hovelīchen hōchgemuot, niht eine,
335
umbe sehendẹ ein wēnic under stunden:
alsam der sunne gegen den sternen stāt:
der meie bringe uns al sīn wunder,
waȥ ist dā sō wünneclīches under
als ir vil minneclīcher līp?
340
wir lāȥen alle bluomen stān,
und kapfen an daȥ werde wīp.
Nū wol dan, welt ir die wārheit schouwen,
gēn wir zuo des meien hōchgezīte!
der ist mit aller sīner krefte komen.
345
seht an in und seht an werde frouwen,
wedereȥ daȥ ander überstrīte,
daȥ beȥȥer spil ob ich daȥ habe genomen.
ōwē der mich dā welen hieȥe,
deich daȥ eine durch daȥ ander lieȥe,
350
wie rehte schiere ich danne küre!
hēr Meie, ir müeset merze sīn,
ē ich mīne frouwen dā verlüre.
14.
Swie wol der heide ir manicvaltiu varwe stāt,
sō wil ich doch dem walde jehen,
355
daȥ er vil mēre wünneclīcher dinge hāt.
noch ist dem velde baȥ geschehen.
sō wol dir, sumer, sus getāner emȥekeit!
sumer, daȥ ich iemer lobe dīne tage,
mīn trōst, sō trœste ouch mīne klage:
360
ich sage dir, waȥ mir wirret:
diu mir ist liep, der bin ich leit.
Ich mac der guoten niht vergeȥȥen noch ensol,
diu mir sō vil gedanke nimet.
die wīle ich singe, wil ich vinden iemer wol
365
ein niuwe lop, daȥ ir gezimet.
nū habe ir diȥ für guot (sō lobe ich danne mē):
eȥ tuot in den ougen wol, daȥ man sie siht,
und daȥ man ir vil tugende giht,
daȥ tuot wol in den ōren.
370
sō wol ir des! sō wē mir, wē!
15.
In einen zwīvellīchen wān
was ich geseȥȥen und gedāhte,
ich wolte von ir dienste gān,
wan daȥ ein trōst mich wider brāhte.
375
trōst mag eȥ rehte niht geheiȥen, ouwē des!
eȥ ist vil kūme ein kleineȥ trœstelīn,
sō kleine, swenne ich’ȥ iu gesage, ir spottet mīn;
doch fröwet sich lützel ieman, er enwiȥȥe wes.
Mich hāt ein halm gemachet frō:
380
er giht, ich süle genāde vinden.
ich maȥ daȥ selbe kleine strō,
als ich hie vore sach von kinden.
nū hœret unde merket, ob si’ȥ denne tuo:
‘si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.’
385
swie dicke ich’ȥ tete, sō was ie daȥ ende guot.
daȥ trœstet mich: dā hœret ouch geloube zuo.
16.
Nieman kan beherten
kindes zuht mit gerten:
den man z’ēren bringen mac,
390
dem ist ein wort als ein slac.
dem ist ein wort als ein slac,
den man z’ēren bringen mac:
kindes zuht mit gerten
nieman kan beherten.
395
Hüetet iuwer zungen,
daȥ zimt wol den jungen;
stōȥ den rigel für die tür,
lā kein bœse wort dar für.
lā kein bœse wort dar für,
400
stōȥ den rigel für die tür:
daȥ zimt wol den jungen,
hüetet iuwer zungen.
Hüetet iuwer ougen
offenbāre und tougen:
405
lāt sie guote site spehen
und die bœsen übersehen;
und die bœsen übersehen
lāt sie, guote site spehen:
offenbāre und tougen
410
hüetet iuwer ougen.
Hüetet iuwer ōren,
oder ir sīt tōren:
lāt ir bœsiu wort dar in,
daȥ gunēret iu den sin.
415
daȥ gunēret in den sin,
lāt ir bœsiu wort dar in,
oder ir sīt tōren:
hüetet iuwer ōren.
Hüetet wol der drīer
420
leider alze frīer:
zungen ougen ōren sint
dicke schalchaft, z’ēren blint.
dicke schalchaft, z’ēren blint
zungen ougen ōren sint:
425
leider alze frīer
hüetet wol der drīer.
17.
Junc man, in swelher aht dū bist,
ich wil dich lēren einen list:
dū lā dir niht ze wē sīn nāch dem guote:
430
lā dir’ȥ ouch niht z’unmære sīn.
und volges dū der lēre mīn,
sō wis gewis, eȥ frumt dir an dem muote.
die rede wil ich dir baȥ bescheiden.
lāst dū dir’ȥ ze sēre leiden,
435
zergāt eȥ so ist dīn freude tōt:
wilt aber dū daȥ guot ze sēre minnen,
dū maht verliesen sēle und ēre.
dā von sō volge mīner lēre:
leg’ ūf die wāge ein rehteȥ lōt
440
und wig ouch dar mit allen dīnen sinnen,
als eȥ diu māȥe eht ie gebōt.
18.
Die väter hānt ir kint erzogen,
dar an sie beide sint betrogen:
sie brechent dicke Salomōnes lēre:
445
der sprichet, swer den besmen spar,
daȥ der den sun versūme gar:
des sint die ungebatten gar ān’ ēre.
hie vor dō was diu werlt sō schœne,
nū ịst sie worden alsō hœne.
450
des enwas niht wīlent ē:
die jungen hānt die alten sō verdrungen.
nū spottet alse dar der alten!
eȥ wirt iu selben noch behalten.
beitet unz iuwer jugent zergē:
455
swaȥ ir nū tuot, daȥ rechent iuwer jungen,
daȥ weiȥ ich wol und weiȥ noch mē.
19.
Wer zieret nū der ēren sal?
der jungen ritter zuht ist smal,
sō pflegent die knehte gar unhövescher dinge
460
mit worten und mit werken ouch.
swer zühte hāt, der ist ir gouch.
nemt war, wie gar unfuoge für sich dringe!
hie vor dō berte man die jungen,
die dā pflāgen frecher zungen;
465
nū ist eȥ ir werdekeit:
sie schallent unde scheltent reine frouwen.
wē ir hiuten unde ir hāren,
die niht kunnen frō gebāren
sunder wībe herzeleit!
470
dā mac man sünde bī der schande schouwen,
die maneger ūf sich selben leit.
20.
Swer āne vorhte, hērre got,
wil sprechen dīniu zehen gebot
und brichet diu, daȥ ist niht rehtiu minne.
475
dich heiȥet vater maneger vil:
swer mīn ze bruoder niht enwil,
der sprichet starkiu wort ūȥ krankem sinne.
wir wahsen ūȥ gelīchem dinge:
spīse frumet uns, diu wirt ringe,
480
sō si durch den munt gevert.
wer kan den hērren von dem knehte scheiden
swa ẹr ir gebeine blōȥeȥ fünde,
und hæte er ir joch lebender künde,
sō gewürme daȥ fleisch verzert?
485
im dienent kristen, juden unde heiden,
der elliu lebendiu wunder nert.
21.
Ōwē daȥ wīsheit unde tugent,
des mannes schœne noch sīn jugent
niht erben sol, sō ie der līp erstirbet!
490
daȥ mac wol klagen ein wīser man,
der sich des schaden versinnen kan.
Reinmār, waȥ guoter kunst an dir verdirbet!
dū solt von schulden iemer des genieȥen,
daȥ dich des tages wolte nie verdrieȥen,
495
du’n spræches ie den frouwen wol und guoten wībes siten.
des suln sie iemer danken dīner zungen.
und hætest niht wan eine rede gesungen:
‘sō wol dir, wīp, wie reine ein nam!’, dū hætest an gestriten
ir lobe, daȥ elliu wīp dir iemer gnāden solten biten.
22.
500
Dēswār, Reinmār, dū riuwes mich
michels harter denne ich dich,
obe dū lebtes unde ich wære erstorben
ich wil’ȥ bī mīnen triuwen sagen:
dich selben wil ich lützel klagen,
505
ich klage dīn edelen kunst, daȥ s’ist verdorben.
dū kundest al der werlte freude mēren,
sō du’ȥ ze guoten dingen woltest kēren.
mich riuwet dīn wol redender munt und dīn vil süeȥer sanc,
daȥ der verdorben ist bī mīnen zīten.
510
daȥ dū niht eine wīle mohtest bīten!
sō leiste ich dir geselleschaft: mīn singen ist niht lanc.
dīn sēle müeȥe wol gevarn und habe dīn zunge danc.
V Reinmar.
Reinmar, often called Reinmar der Alte, was by birth an Alsatian. He spent many years of his active life as Court poet at Vienna, where he was extremely popular. Next to his rival Walther von der Vogelweide he was the most prolific and important lyrical poet of his period, cp. ll. 487-512, pp. 132-3. He died some time during the first decade of the thirteenth century. See Burdach, Reinmar der Alte und Walther von der Vogelweide, Leipzig, 1880, and Bartsch, Deutsche Liederdichter des zwölften his vierzehnten Jahrhunderts, Stuttgart, 1879.
1
‘Sī koment underwīlen her
die baȥ dā heime möhten sīn.
Ein ritter des ich lange ger,
bedæhte er baȥ den willen mīn,
5
sō wære er z’allen zīten hie,
als ich in gerne sæhe.
owē des, waȥ suochent die
die nīdent daȥ ob iemen guot geschæhe?’
Mir ist geschehen daȥ ich niht bin
10
langer vrō wan unz ich lebe.
sī wundert wer mir schœnen sin
und daȥ hōhgemüete gebe
daȥ ich zer werlte niht getar
ze rehte alsō gebāren,
15
nie genam ich vrowen war,
ich wære in holt die mir ze māȥe wāren.
2
Ein rede der liute tuot mir wē:
da enkan ich niht gedulteclīchen zuo gebāren.
nu tuont si’ȥ alle deste mē:
20
sī frāgent mich ze vil von mīner frouwen jāren
und sprechent welher tage sī sī,
dur daȥ ich ir sō lange bin gewesen mit triuwen bī;
sī jehent daȥ es möhte mich verdrieȥen.
nu lā daȥ aller beste wīp
25
ir zühtelōser vrāge mich genieȥen.
3
Sī jehent, der sumer der sī hie,
diu wunne diu sī komen
und daȥ ich mich wol gehabe als ē.
nu rātet unde sprechet wie:
30
der tōt hāt mir benomen
daȥ ich niemer überwinde mē.
waȥ bedarf ich wunneclīcher zīt,
sīt aller vröuden hērre Liutpolt in der erde līt,
den ich nie tac getrūren sach?
35
eȥ hāt diu werlt an ime verlorn
daȥ ir an manne nie
sō jæmerlīcher schade geschach.
‘Mir armen wībe was ze wol,
dō ich gedāhte an in
40
wie mīn heil an sīnem lībe lac.
daȥ ich des nū niht haben sol,
des gāt mit sorgen hin
swaȥ ich iemer mē geleben mac.
mīner wunnen spiegel derst verlorn
45
den ich mir hete ze sumerlīcher ougen weide erkorn,
des muoȥ ich leider ænic sīn.
dō man mir seite er wære tōt,
zehant wiel mir daȥ bluot
von herzen ūf die sēle mīn.
50
Die fröide mir verboten hāt
mīns lieben hērren tōt
alsō deich ir mēr enberen sol.
sīt des nu niht mac werden rāt,
in ringe mit der nōt,
55
daȥ mīn klagedeȥ herze ist jāmers vol,
diu in iemer weinet, daȥ bin ich,
wan er vil sælic man, jā trōste er wol ze lebenne mich.
der ist nu hin: waȥ töhte ich hie?
wis ime genædic, hērre got,
60
wan tugenthafter gast
kam in dīn ingesinde nie.’
4
Ich welte ūf guoter liute sage
und ouch durch mīnes herzen rāt
ein wīp von der ich dicke trage
65
vil manige nōt diu nāhe gāt.
die swære ich z’allen zīten klage,
wand eȥ mir kumberlīche stāt.
ich tet ir schīn den dienst mīn:
wie möhte ein grœȥer wunder sīn,
70
daȥ sī mich des engelten lāt?
Ze rehter māȥe sol ein man
beidiu daȥ herze und al den sin
ze stæte wenden, ob er kan:
daȥ wirt im līhte ein guot gewin.
75
swem dā von ie kein leit bekan,
der weiȥ wol wie’ch gebunden bin.
ich gloube im wol, als er mir sol.
von schulden ich den kumber dol:
ich brāhte selbe mich dar in.
5
80
‘Er hāt ze lange mich gemiten
den ich mit triuwen nie gemeit.
von sīner schulde ich hān erliten
daȥ ich nie grœȥer nōt erleit.
sō lebt mīn līp nāch sīnem lībe.
85
ich bin ein wīp, daȥ im von wībe
nie liebes mē geschach, swie mir von im geschæhe.
mīn ouge in gerner nie gesach dann ich in hiute sæhe.’
Mir ist vil liebe nu geschehen,
daȥ mir sō liebe nie geschach.
90
sō gerne hān ich sī gesehen
daȥ ich sī gerner nie gesach.
ich scheide ir muot von schwachem muote:
sī ist sō guot, ich wil mit guote
ir lōnen, ob ich kan, als ich doch gerne kunde.
95
vil mēre fröiden ich ir gan dann ich mir selben gunde.
6
Wol mich lieber mære,
diu ich hān vernomen,
daȥ der winter swære
welle ze ende komen.
100
kūme ich des erbeiten mac,
want ich fröide niht enpflac
sīt der kalte rīfe lac.
Mich enhaȥȥet niemen,
ob ich bin gemeit.
105
Weiȥ got, tuot eȥ iemen,
deist unsælekeit,
wande ich schaden niht enkan.
swes ot sī mir wole gan,
waȥ wil des ein ander man?
110
Solte ich mīne liebe
bergen unde heln,
sō müest ich ze diebe
werden unde steln.
sinneclīch ich daȥ bewar.
115
mīn gewerbe ist anderswar,
ich gē dannen oder dar.
Sō sī mit dem balle
trībet kindes spot,
daȥ’s iht sēre valle,
120
daȥ verbiete got.
megde, lāt iur dringen sīn:
stōȥet ir mīn frouwelīn,
so’st der schade halber mīn.
7
Ich sach vil wunneclīche stān
125
die heide mit den bluomen rōt,
der vīol der ist wol getān:
des hāt diu nahtegal ir nōt
wol überwunden diu sī twanc.
zergangen ist der winter lanc.
130
ich hōrte ir sanc.
Dō ich daȥ grüene loup ersach,
dō lieȥ ich vil der swære mīn.
von einem wībe mir geschach
daȥ ich muoȥ iemer mēre sīn
135
vil wunneclīchen wol gemuot.
eȥ sol mich alleȥ dunken guot
swaȥ sī mir tuot.
Sī schiet von sorgen mīnen līp,
daȥ ich dekeine swære hān.
140
wan āne sī vier tūsent wīp
dien heten’s alle niht getān.
ir güete wendet mīniu leit.
ich hān sī mir ze friunt bereit,
swaȥ iemen seit.
145
Mir’n mac niht leides widerstān:
des wil ich gar ān angest sīn.
ergienge eȥ als ich willen hān,
sō læge’s an dem arme mīn.
daȥ mir der schœnen wurde ein teil,
150
daȥ diuhte mich ein michel heil,
und wære ouch geil.
Deich ir sō holdeȥ herze trage,
daȥ ist in sumelīchen leit.
dar umbe ich niemer sō verzage:
155
sī vliesent alle ir arebeit.
waȥ hilfet sī ir arger list?
si’n wiȥȥen wie’ȥ ergangen ist
in kurzer frist.
8
Mīn ougen wurden liebes alsō vol,
160
dō ich die minneclīchen ērst gesach,
daȥ eȥ mir hiute und iemer mē tuot wol.
ein minneclīcheȥ wunder dō geschach:
sī gie mir alse sanfte dur mīn ougen
daȥ sī sich in der enge niene stieȥ.
165
in mīnem herzen sī sich nider lieȥ:
dā trage ich noch die werden inne tougen.
Lā stān, lā stān! waȥ tuost du, sælic wīp,
daȥ du mich heimesuochest an der stat,
dar sō gewalteclīche wībes līp
170
mit starker heimesuoche nie getrat?
genāde, frowe! ich mac dir niht gestrīten.
mīn herze ist dir baȥ veile danne mir:
eȥ solde sīn bī mir, nu’st eȥ bī dir:
des muoȥ ich ūf genāde lōnes bīten.
9
175
Ze fröiden nāhet alle tage
der werlte ein wunneclīchiu zīt,
ze senfte maniges herzen klage
die nu der swære winter gīt.
von sorge ich dicke sō verzage,
180
swenn alsō jæmerlīche līt
diu heide breit. daȥ ist mir leit.
diu nahtegal uns schiere seit
daȥ sich gescheiden hāt der strīt.
10
Sō wol dir, wīp, wie reine ein nam!
185
wie sanfte er doch z’erkennen und ze nennen ist!
eȥ wart nie niht sō lobesam,
swā du’ȥ an rehte güete kērest, sō dū bist.
dīn lop mit rede nieman wol volenden kan.
swes dū mit triuwen pfligest wol, der ist ein sælic man
190
und mac vil gerne leben.
dū gīst al der werlte hohen muot:
maht dū ouch mir ein wēnic freude geben?
VI Ulrich von Lichtenstein.
Ulrich von Lichtenstein came of a better-class Styrian family, and was born about the year 1200 and died in 1275 or 1276. He was one of the best representatives of the later Court lyrical poets. For editions of his works, see Lachmann, Ausgabe der Dichtungen Ulrichs von Lichtenstein, Berlin, 1841; Bechstein, Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst, Leipzig, 1887. The following extracts are taken from Bartsch, Deutsche Liederdichter des zwölften bis vierzehnten Jahrhunderts, Stuttgart, 1889.
1 Ein tanzwīse, und ist diu vierde wīse.
In dem walde süeȥe dœne
singent kleiniu vogellīn.
an der heide bluomen schœne
blüejent gegen des meien schīn.
5
alsō blüet mīn hōher muot
mit gedanken gegen ir güete,
diu mir rīchet mīn gemüete
sam der troum den armen tuot.
Eȥ ist ein vil hōch gedinge
10
den ich gegen ir tugenden trage,
daȥ mir noch an ir gelinge,
daȥ ich sælde an ir bejage.
des gedingen bin ich vrō.
god geb’ daȥ ich’ȥ wol verende,
15
daȥ sie mir den wān iht wende
der mich freut sō rehte hō.
Sie vil süeȥe, valsches āne,
vrī vor allem wandel gar,
lāȥe mich in liebem wāne
20
die wīl eȥ niht baȥ envar;
daȥ diu vreude lange wer,
daȥ ich weinens iht erwache,
daȥ ich gegen dem trōste lache
des ich von ir hulden ger.
25
Wünschen unde wol gedenken
dēst diu meiste vreude mīn.
des sol mir ir trōst niht wenken,
sie enlāȥe mich ir sīn
mit den beiden nāhen bī,
30
sō daȥ sie mit willen gunne
mir von ir sō werder wunne
daȥ sie sælic immer sī.
Sælic meie, du aleine
trœstest al die welde gar.
35
du und al diu werlt gemeine
vreut mich min dann umb ein hār.
wie möht’ ir mir vreude geben
āne die vil lieben guoten?
von der sol ich trōstes muoten;
40
wan ir trōstes muoȥ ich leben.
2 Ein sincwīse, und ist diu sibende wīse.
Wē war umbe sul wir sorgen?
vreude ist guot.
von den wīben sol man borgen
hōhen muot.
45
wol im der in kan gewinnen
von in! der’st ein sælic man.
freude sol man durch sie minnen,
wan dā līt vil ēren an.
Wir suln tanzen singen lachen
50
durch diu wīp.
dā mit mac ein man gemachen
daȥ sīn līp
wirdet wert, ob er mit triuwen
dienet guoter wībe gruoȥ.
55
swen sīn dienest wil geriuwen,
dem wirt selten kumbers buoȥ.
Mit dem waȥȥer man daȥ, fiuwer
laschet gar:
vinster ist der sunnen tiuwer.
60
beidiu wār
sint diu mære: ir hœret mēre.
habet für wār ūf minen līp:
rehten man von herzen sēre
scheidet nieman wan diu wīp.
65
Owē owē, frowe Minne,
mir ist wē.
nu grīf her wie sēre ich brinne.
kalder snē
müeste von der hitze brinnen
70
diu mir an dem herzen līt.
kanstu, Minne, triuwe minnen,
sō hilfestu mir enzīt.
3 Daȥ ist ein ūȥreise.
Wil iemen nāch ēren die zīt wol vertrīben,
ze sælden sich kēren, bī freuden belīben,
75
der diene ze flīȥe mit triuwen vil schōne
nāch der minne lōne: der ist süeȥe, reine,
vil guot und aleine den guoten gemeine.
Swer volget dem schilde, der sol eȥ enblanden
dem lībe, dem guote, dem herzen, den handen.
80
des lōnet vil hōhe mit guotem gewinne
diu vil werde Minne: diu gīt freud’ und ēre.
wol ir süeȥen lēre! sie kan trœsten sēre.
Der schilt wil mit zühten vil baltlīcheȥ ellen:
er haȥȥet, er schiuhet Schand’ und ir gesellen.
85
got des niht enwelle daȥ man bī im vinde
sō swachlīch gesinde, er wil daȥ die sīnen
ūf ēre sich pīnen, in tugenden erschīnen.
Erg’ unde unfuoge und unfuore diu wilde
gezimt niht dem helme und touc niht dem schilde,
90
der schilt ist ein dach daȥ niht schande kan decken.
sīn blic tæt’ enblecken an ēren die weichen,
von vorhten erbleichen: diu varwe ist ir zeichen.
Hōchgemuote frouwen, ir sült wol gedenken:
getriuwen gesellen vil stæte āne wenken
95
den minnet, den meinet, mit herzen, mit muote,
daȥ in iwer huote behalte, behüete
mit liebe, mit güete, vrī vor ungemüete.
Sie ist āne schulde mir haȥlīch erbolgen
der ich ze dienste dem schilde wil volgen.
100
nu hān ich für zürnen noch für herzen sēre
niht ander schilt mēre wan den trōst aleine,
daȥ ich sie baȥ meine dann ie wīp deheine.
Gein ir langen kriege setz’ ich mīn gedulde:
sō stē gein ir haȥȥe ze wer mīn unschulde.
105
mīn wer gein den valschen daȥ sol sīn mīn triuwe
vil süeȥe āne riuwe: mīn kampflīch gewæte
für ir nīdetæte daȥ sol sīn mīn stæte.
4 Ditz ist der leich.
Got füege mir’ȥ ze guote:
ich bin noch in dem muote
110
daȥ ich wil guoten wīben
mit dienest āne valschen muot immer bī belīben.
dā von rāt’ ich einen rāt
der allen wol gemuoten mannen tugentlīchen stāt.
Ich rāt’ iu, ēre gerende man,
115
mit triuwen, als ich beste kan:
ob ir welt werende freude hān,
sō sīt den wīben undertān
mit triwen āne valschen muot.
ir güete ist alsō rehte guot,
120
swer in mit triwen dienest tuot,
den kunnen sie wol machen frō.
der werlde heil gar an in līt:
ir güete ist freuden hōchgezīt,
ir schœne sō vil freuden gīt,
125
dā von diu herze stīgent hō.
Werdekeit
sunder leit
kunnen sie wol friunden geben.
swem sō sī
130
witze bī,
der sol nāch ir hulden streben
unde zinsen in sīn leben:
daȥ rāte ich ūf die triwe mīn.
swer ēren sælic welle sīn
135
und rīche an hōhem muote,
der sol mit triwen guotiu wīp
reht minnen als sīn selbes līp.
vil guot vor allem guote
ist der wībe güete, unde ir schœne schœne ob aller schœne.
140
ir schœne ir güete ir werdikeit ich immer gerne krœne.
an ir schœne und an ir güete stāt mīn heil und ouch mīn wunne.
wær’ guoter wībe schœne niht, wie selten ich gewunne
deheinen ēren gernden muot.
wol mich daȥ sie sint alsō guot,
145
daȥ man hāt von ir güete
sō hōhen trōst für senediu leit.
ir schœne, ir güete, ir werdikeit
gīt mir vil hōch gemüete.
Mīn muot von wīben hōhe stāt.
150
waȥ danne ob mir ir einiu hāt
erzeiget hōhe missetāt?
dēswār des mac wol werden rāt.
Waȥ sie gegen mir hāt getān,
daȥ wil ich gerne wiȥȥen lān
155
mit zühten, als ich beste kan,
ūf genāde guotiu wīp.
ich hān ir driu und zehen jār
gedienet sunder wenken gar,
bī mīnen triwen, daȥ ist wār,
160
daȥ in der zīt mīn seneder līp
nie gewan
sölhen wān,
des mīn stæte wurde kranc.
al mīn gir
165
was gein ir
sleht mit triwen āne wanc.
nu vert entwer ir habedanc
reht als ein rat daȥ umbe gāt
und als ein marder den man hāt
170
in eine lin gebunden.
kund’ ich als sie unstæte sīn,
sō hæt’ ich nāch dem willen mīn
ān sie ein frowen funden.
Ē daz ich mīn ritterlīche stæte bræch’ an guoten wīben
175
ich wold’ ē immer valscher wībe hulde vrī belīben.
ich muoȥ in der stæten wībe dienest sunder lōn verderben
oder ich muoȥ ir stæten herzen liebe alsus erwerben
daȥ ich gewenke nimmer wanc
von in. ir hōhen habedanc,
180
und mag ich den erringen,
sō hān ich alleȥ daȥ ich wil,
süeȥ’ ougen wunne, herzen spil,
vil wunne an allen dingen.
Nu waȥ bedarf mīn seneder līp
185
genāden mēr, ob ich ein wīp
ze frowen vinde alsō gemuot,
diu sich vor wandel hāt behuot
und niht wan daȥ beste tuot?
der sol mīn dienest sīn bereit
190
immer mē,
swie’ȥ ergē,
sunder valsch mit stætikeit.
dā von gewinne ich werdikeit
und alsō freuderīchen sin,
195
des ich getiuret immer bin
an aller hande dingen.
Vind’ ich sie, ich sol sō ritterlīchen nāch ir hulden ringen.
daȥ mir von ir stætikeit muoȥ hō an ir gelingen.
sie muoȥ abr ūf die triwe mīn
200
gar vrī vor allem wandel sīn,
diech mēr mich lāȥe twingen
und ouch in kumber bringen.
jā gehœret man mich nimmer mē
deheines valschen wībes lop gesprechen noch gesingen.
5
205
In dem lufte süeȥem meien,
sō der walt gekleidet stāt,
sō siht man sich schōne zweien
alleȥ daȥ iht liebes hāt,
unde ist mit ein ander vrō.
210
daȥ ist reht: diu zīt wil sō.
Swā sich liep ze liebe zweiet,
hōhen muot diu liebe gīt.
in der beider herzen meiet
eȥ mit vreuden alle zīt.
215
trūrens wil diu liebe niht,
swā man liep bī liebe siht.
Swā zwei liep ein ander meinent
herzenlīchen āne wanc
und sich beidiu sō vereinent
220
daȥ ir liebe ist āne kranc,
die hāt got zesamne geben
ūf ein wunneclīcheȥ leben.
Stætiu liebe heiȥet minne.
liebe, minne, ist al ein:
225
die kan ich in mīnem sinne
niht gemachen wol zuo zwein.
liebe muoȥ mir minne sīn
immer in dem herzen mīn.
Swā ein stæteȥ herze vindet
230
stæte liebe, stæten muot,
dā von al sīn trūren swindet.
stætiu liebe ist alsō guot
daȥ sie stæte freude gīt
stætem herzen alle zīt.
235
Möhte ich stæte liebe vinden,
der wold’ ich sō stæte sīn
daȥ ich dā mit überwinden
wolde gar die sorge mīn.
stæter liebe wil ich gern
240
unde unstæte gar verbern.
6
Disiu liet diu heiȥent vrowen tanz:
diu sol niemen singen, er’n sī vrō.
swer mit zühten treit der freuden kranz,
und dem sīn muot stāt von wīben hō,
245
dem erloube ich sie ze singen wol:
blīdeclīchen man sie tanzen sol.
Trūren ist ze wāre niemen guot
wan dem einen der sīn sünde klaget,
hōhen lop erwirbet hōher muot.
250
guoten wīben hōchmuot wol behaget:
dā von wil ich immer mēre sīn
hōchgemuot durch dich, guot vrowe mīn.
Vreude gibt mir dīn wol redender munt,
hōhen muot dīn reine senfte sit’:
255
vreuden tou mir ūȥ des herzen grunt
kumt von dir in elliu mīniu lit.
got hāt sīnen vlīȥ an dich geleit,
dā von dī lop ēren krōne treit.
Liehtiu ougen, dā bī brūne brā,
260
hāstu und zwei rōtiu wängelīn.
schœne bistu hie und schœne dā.
brūn rōt wīȥ, der drīer varwe schīn
treit dīn hōchgeborner schœner līp.
tugende hāstu vil, guot wīplīch wīp.
265
Daȥ du alsō manege tugende hāst,
dā von bin ich alles trūrens vrī.
sō du alsō schœniu vor mir gāst,
sō ist mir als ich in dem himel sī.
got sō schœnen engel nie gewan
270
den ich für dich wolde sehen an.
VII Das Nibelungen-Lied.
B. Text.
Āventiure XVII.
Wie Kriemhilt ir man klagte und wie er begraben wart.
The following extract is from Bartsch’s edition, Leipzig, 1879.
Dō erbiten si der nahte und fuoren über Rīn.
von heleden kunde nimmer wirs gejaget sīn.
ein tier daȥ si dā sluogen, daȥ weinden edeliu kint.
4
jā muosen sīn engelten vil guote wīgande sint.
Von grōȥer übermüete muget ir hœren sagen,
und von eislīcher rāche. dō hieȥ Hagene tragen
Sīfriden alsō tōten von Nibelunge lant
8
für eine kemenāten dā man Kriemhilde vant.
Er hieȥ in tougenlīchen legen an die türe,
daȥ sin dā solde vinden so si gienge derfüre
him zer mettīne ē daȥ eȥ wurde tac,
12
der diu vrouwe Kriemhilt vil selten keine verlac.
Man lūte dā zem münster nāch gewoneheit.
vrou Kriemhilt diu schœne wahte manige meit:
ein lieht bat si ir bringen und ouch ir gewant.
16
dō kom ein kamerære dā er Sīfriden vant.
Er sah in bluotes rōten: sīn wāt was elliu naȥ.
daȥ eȥ sīn herre wære, nine wesse er daȥ.
hin zer kemenāten daȥ lieht truog an der hant
20
von dem vil leider mære diu vrouwe Kriemhilt ervant.
Dō si mit ir vrouwen zem münster wolde gān,
dō sprach der kamerære ‘jā sult ir stille stān:
eȥ līt vor dem gademe ein ritter tōt erslagen.’
24
dō begonde Kriemhilt vil harte unmæȥlīche klagen.
Ē daȥ si rehte erfunde daȥ iȥ wære ir man,
an die Hagenen vrāge denken si began,
wie er in solde vristen: dō wart ir ērste leit.
28
von ir was allen vreuden mit sīme tōde widerseit.
Dō seic si zuo der erden, daȥ si niht ensprach:
die schœnen vreudelōsen ligen man dō sach.
Kriemhilde jāmer wart unmāȥen grōȥ:
32
do ẹrschrē si nāch unkrefte daȥ al diu kemenāte erdōȥ.
Dō sprach daȥ gesinde: ‘waȥ ob eȥ ist ein gast?’
daȥ bluot ir ūȥ dem munde von herzen jāmer brast.
dō sprach si ‘eȥ ist Sīfrit, der mīn vil lieber man:
36
eȥ hāt gerāten Prünhilt, daȥ eȥ hat Hagene getān.’
Diu vrouwe bat sich wīsen dā si den helt vant.
si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant.
swie rōt eȥ was von bluote, si het in schiere erkant.
40
dō lac vil jæmerlīche der helt von Nibelunge lant.
Dō rief vil trūreclīche diu küneginne milt:
‘owē mir mīnes leides! nu ist dir dīn schilt
mit swerten niht verhouwen: du līst ermorderōt.
44
unt wesse ich wer iȥ het getān, ich riete im immer sīnen tōt.’
Alleȥ ir gesinde klagete und scrē
mit ir lieben vrouwen, wand’ in was harte wē
umb’ ir vil edelen herren, den si dā heten verlorn.
48
dō het gerochen Hagene harte Prünhilde zorn.
Dō sprach diu jāmerhafte: ‘ir sult hine gān
und wecket harte balde die Sīfrides man.
ir sult ouch Sigemunde mīnen jāmer sagen,
52
ob er mir helfen welle den küenen Sīfriden klagen.’
Dō lief ein bote balde da ẹr si ligen vant,
die Sīfrides helede von Nibelunge lant.
mit den vil leiden mæren ir vreude er in benam.
56
si wolden’ȥ niht gelouben unz man daȥ weinen vernam.
Der bote kom ouch schiere dā der künic lac.
Sigemunt der herre des slāfes niht enpflac:
ich wæn’ sīn herze im sagete daȥ im was geschehen,
60
ern möhte sīnen lieben sun lebenden nimmer gesehen.
‘Wachet, herre Sigemunt. mich bat nāch iu gān
Kriemhilt mīn vrouwe. der ist ein leit getān
daȥ ir vor allen leiden an ir herze gāt:
64
daȥ sult ir klagen helfen, wand’ eȥ iuch sēre bestāt.’
Ūf rihte sich dō Sigemunt; er sprach: ‘waȥ sint diu leit
der schœnen Kriemhilde, diu du mir hāst geseit?’
der bote sprach mit weinen: ‘ine kan iu niht verdagen:
68
jā ist von Niderlanden der küene Sīfrit erslagen.’
Dō sprach der herre Sigemunt: ‘lāt daȥ schimpfen sīn
und alsō bœsiu mære durch den willen mīn,
daȥ ir daȥ saget iemen daȥ er sī erslagen:
72
wand’ ine kunde in nimmer unz an mīn ende verklagen.’
‘Welt ir mir niht gelouben daȥ ir mich hœret sagen,
sō muget ir selbe hœren Kriemhilde klagen
unt alleȥ ir gesinde den Sīfrides tōt.’
76
vil sēre erscrac dō Sigemunt: des gie im wærlīchen nōt.
Mit hundert sīnen mannen er von den betten spranc.
si zuhten zuo den handen diu scharpfen wāfen lanc,
si liefen zuo dem wuofe vil jāmerliche dan.
80
dō kōmen tūsent recken des küenen Sīfrides man.
Dō si sō jæmerlīche die vrouwen hōrten klagen,
dō wānden sumelīche, si solden kleider tragen.
janẹ mohten si der sinne vor leide niht gehaben:
84
in wart vil michel swære in ir herzen begraben.
Dō kom der künec Sigemunt da ẹr Kriemhilde vant.
er sprach: ‘owē der reise here in ditze lant.
wer hāt mich mīnes kindes und iuch des iuwern man
88
bī alsō guoten friunden sus mortlīch āne getān?’
‘Hey solde ich den bekennen,’ sprach daȥ vil edele wīp,
‘holt enwurde im nimmer mīn herze unt ouch mīn līp:
ich geriete im alsō leide daȥ die friunde sīn
92
von den mīnen schulden müesen weinende sīn.’
Sigemunt der herre den fürsten umbeslōȥ.
dō wart von sīnen vriunden der jāmer alsō grōȥ
daȥ von dem starken wuofe palas unde sal
96
und ouch diu stat ze Wormeȥ von ir weinen erschal.
Donẹ kunde niemen trœsten daȥ Sīfrides wīp.
man zōch ūȥ den kleidern den sīnen schœnen līp.
man wuosch im sīne wunden unt leit’ in ūf den rē.
100
dō was sīnen liuten von grōȥem jāmere wē.
Dō sprāchen* sīne recken von Nibelunge lant:
‘in sol immer rechen mit willen unser hant.
er ist in dirre bürge, der iȥ hāt getān.’
104
dō īlten nāch wāfen alle Sīfrides man.
Die ūȥ erwelten degene mit schilden kōmen dar,
einlef hundert recken: die hete an sīner schar
Sigemunt der herre. sīnes sunes tōt
108
den wolde er gerne rechen: des gie im wærlīchen nōt.
Sinẹ wessen wen si solden mit strīte dō bestān,
sīne tæten’ȥ Gunther unde sīne man,
mit den der herre Sīfrit an daȥ gejegede reit.
112
Kriemhilt sach si gewāfent: daȥ was ir grœȥlīche leit.
Swie michel wær’ ir jāmer und swie starc ir nōt,
dō vorhte si harte der Nibelunge tōt
von ir bruoder mannen, daȥ si eȥ understuont.
116
si warnt’ si güetlīche sō vriunde liebe vriunde tuont.
Dō sprach diu jāmers rīche: ‘mīn her Sigemunt,
wes welt ir beginnen? iu ist niht rehte kunt.
jā hāt der künic Gunther sō manigen küenen man:
120
ir welt iuch alle vliesen, welt ir die recken bestān.’
Mit ūf erbürten schilden in was ze strīte nōt.
diu edel küneginne bat und ouch gebōt
daȥ siȥ mīden solden, die recken vil gemeit.
124
dō siȥ niht lāȥen wolden, daȥ was ir wærlīchen leit.
Si sprach: ‘herre Sigemunt, ir sult iȥ lāȥen stān
unz eȥ sich baȥ gefüege: sō wil ich mīnen man
immer mit iu rechen. der mir in hāt benomen,
128
wirde ich des bewīset, ich sol im schedelīche komen.
Eȥ ist der übermüeten hie bī Rīne vil:
dā von ich iu des strītes rāten niht enwil.
si habent wider einen ie wol drīȥec man.
132
nu lāȥ’ in got gelingen als si umb uns gedienet hān.
Ir sult hie belīben, unt dolt mit mir diu leit;
als iȥ tagen beginne, ir helde vil gemeit,
sō helfet mir besarken den mīnen lieben man.’
136
dō sprāchen die degene: ‘daȥ sol werden getān.’
Iu enkunde niemen daȥ wunder volsagen
von rittern unt von vrouwen, wie man die hōrte klagen,
sō daȥ man des wuofes wart in der stat geware.
140
die edelen burgære die kōmen gāhende dare.
Si klageten mit den gesten, want in was harte leit.
die Sīfrides schulde in niemen het geseit,
durch waȥ der edele recke verlüre den sīnen līp.
144
dō weinden mit den vrouwen der guoten burgære wīp.
Smide hieȥ man gāhen, wurken einen sarc,
von silber und von golde, vil michel unde starc.
man hieȥ in vaste spengen mit stahel, der was guot.
148
dō was al den liuten harte trūrec der muot.
Diu naht was zergangen: man sagte eȥ wolde tagen.
dō hieȥ diu edele vrouwe zuo den münster tragen
Sīfrit den herren, ir vil lieben man.
152
swaȥ er dā vriunde hēte, die sach man weinende gān.
Dō sị in zem munster brāhten,// vil der gloken klanc.
dō hōrt’ man allenthalben vil maniges pfaffen sanc.
dō kom der künic Gunther mit den sīnen man
156
und ouch der grimme Hagene zuo dem wuofe gegān.
Er sprach: ‘vil liebiu swester, owē der leide dīn,
daȥ wir niht mohten āne des grōȥen schaden sīn.
wir müeȥen klagen immer den Sīfrides līp.’
160
‘daȥ tuot ir āne schulde’, sprach daȥ jāmerhafte wīp.
‘Wær’ iu dar umbe leide, son wær’ es niht geschehen.
ir hetet mīn vergeȥȥen, des mag ich wol jehen,
da ịch dā wart gescheiden von mīme lieben man.
164
daȥ wolde got’, sprach Kriemhilt, ‘wær’ iȥ mir selber getān.’
Si buten vaste ir lougen. Kriemhilt begonde jehen
‘swelher sich unschuldige, der lāȥe daȥ gesehen;
der sol zuo der bāre vor den liuten gēn.
168
dā bī mac man die wārheit harte schiere verstēn.’
Daȥ ist ein michel wunder: vil dicke eȥ noch geschiht,
swā man den mortmeilen bī dem tōten siht,
sō bluotent im die wunden: als ouch dā gescach.
172
dā von man die sculde dā ze Hagenen gesach.
Die wunden vluȥȥen sēre alsam si tāten ē.
die ē dā sēre klageten, des wart nu michel mē.
dō sprach der künic Gunther ‘ich wil’ȥ iuch wiȥȥen lān.
176
in sluogen schāchære: Hagene hāt es niht getān.’
‘Mir sint die schāchære’, sprach si, ‘vil wol bekant.
nu lāȥe eȥ got errechen noch sīner vriunde hant.
Gunther unde Hagene, jā habet ir iȥ getān.’
180
die Sīfrides degene heten dō ze strīte wān.
Dō sprach aber Kriemhilt: ‘nu habt mit mir die nōt.’
dō kōmen dise beide dā si in funden tōt,
Gērnōt ir bruoder und Gīselher daȥ kint.
184
in triuwen si in klageten mit den anderen sint.
Si weinden inneclīche den Kriemhilde man.
man solde messe singen: zuo dem münster dan
giengen allenthalben man wīp unde kint.
188
die sīn doch līhte enbāren, die weinden Sīfriden sint.
Gērnōt und Gīselher sprāchen: ‘swester mīn,
nu trœste dich nāch tōde, als iȥ doch muoȥ sīn.
wir wellen dich’s ergetzen die wīle unt wir geleben.’
192
donẹ kunde ir trōst deheinen zer werlde niemen gegeben.
Sīn sarc der was bereitet wol umbe’n mitten tac.
man huop in von der bāre dā er ūfe lac.
in wolde noch diu frouwe lāȥen niht begraben.
196
des muosen al die liute michel arebeite haben.
In einen rīchen pfellel man den tōten want.
ich wæne man dā iemen āne weinen vant.
dō klagete herzenlīche Uote, ein edel wīp,
200
und alleȥ ir gesinde den sīnen wætlīchen līp.
Dō man daȥ gehōrte, daȥ man zem münster sanc,
unt in gesarket hēte, dō huop sich grōȥ gedranc:
durch willen sīner sēle waȥ opfers man dō truoc!
204
er hete bī den vīnden doch guoter vriunde genuoc.
Kriemhilt diu arme zir kameræren sprach:
‘si suln durch mīne liebe līden ungemach,
die im iht guotes günnen und mir wesen holt;
208
durch Sīfrides sēle sol man teilen sīn golt.’
Dehein kint was sō kleine daȥ witze mohte haben,
daȥ muose gēn zem opfer. ē ẹr wurde begraben,
baȥ danne hundert messe man dā des tages sanc.
212
von Sīfrides vriunden wart dō grōȥer gedranc.
Dō man dā hete gesungen, daȥ volc huop sich von dan.
dō sprach diu vrouwe Kriemhilt ‘irn sult niht eine lān
hīnte mich bewachen den ūȥ erwelten degen.
216
eȥ ist an sīme lībe al mīn vreude gelegen.
Drī tage und drī nahte wil ich in lāȥen stān,
unz ich mich geniete mīns vil lieben man.
waȥ ob daȥ got gebiutet daȥ mich ouch nimet der tōt?
220
sō wære wol verendet mīn armer Kriemhilde nōt.’
Zen herbergen giengen die liute von der stat.
pfaffen unde müniche si belīben bat
und alleȥ sīn gesinde, daȥ des heldes pflac.
224
si heten naht vil arge unt vil müelīchen tac.
Ān eȥȥen und ān trinken beleip dā manic man.
die eȥ nemen wolden, den wart daȥ kunt getān,
daȥ man’s in den vollen gæbe: daȥ schuof Sigemunt.
228
dō was den Nibelungen vil michel arebeite kunt.
Die drīe tagezīte, sō wir hœren sagen,
die dā kunden singen, daȥ si muosen tragen
vil der arebeite. waȥ man in opfers truoc!
232
die vil arme wāren, die wurden rīche genuoc.
Swaȥ man vant der armen die es niht mohten hān,
die hieȥ man doch zem opfer mit dem golde gān
ūȥ sīn selbes kamere. do ẹr niht solde leben,
236
umbe sīne sēle wart manic tūsent marc gegeben.
Urbor ūf der erden teilte s’in diu lant,
swā sō man diu klōster und guote liute vant.
silber unde wæte gap man den armen gnuoc.
240
si tet dem wol gelīche daȥ sim holden willen truoc.
An dem dritten morgen ze rehter messezīt
sō was bī dem münster der kirchof alsō wīt
von den lantliuten weinens alsō vol:
244
si dienden im nāch tōde als man lieben vriunden sol.
In den tagen vieren, man hāt gesaget daȥ,
ze drīȥec tūsent marken, oder dannoch baȥ,
wart durch sīne sēle den armen dā gegeben.
248
dō was gelegen ringe sīn grōȥiu schœne und ouch sīn leben.
Dō gote dā wart gedienet und daȥ man vol gesanc,
mit ungefüegem leide vil des volkes ranc.
man hieȥ in ūȥ dem münster zuo dem grabe tragen.
252
die sīn ungern enbāren, die sah man weinen unde klagen.
Vil lūte scrīende daȥ liut gie mit im dan:
vrō enwas dā niemen, weder wīp noch man.
ē daȥ man in begrüebe, man sanc unde las:
256
hey waȥ guoter pfaffen ze sīner pīfilde was!
Ē daȥ zem grabe kœme daȥ Sīfrides wīp,
dō ranc mit solhem jāmer der ir getriuwer līp,
daȥ man si mit dem brunnen vil dicke dā vergōȥ.
260
eȥ was ir ungemüete vil harte unmæȥlīchen grōȥ.
Eȥ was ein michel wunder daȥ si ie genas.
mit klage ir helfende manic vrouwe was.
dō sprach diu küneginne: ‘ir Sīfrides man,
264
ir sult durch iuwer triuwe an mir genāde begān.
Lāt mir nāch mīme leide daȥ kleine liep geschehen,
daȥ ich sīn schœne houbet noch eines müeȥe sehen.’
dō bat si’s alsō lange mit jāmers sinnen starc,
268
daȥ man zebrechen muose den vil hērlīchen sarc.
Dō brāhte man die vrouwen dā si in ligen vant.
si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant;
dō kuste s’ alsō tōten den edelen ritter guot.
272
ir vil liehten ougen vor leide weineten bluot.
Ein jæmerlīcheȥ scheiden wart dō dā getān.
dō truoc man si von dannen: sine mohte niht gegān.
dō vant man sinnelōse daȥ hērlīche wīp.
276
vor leide möht’ ersterben der ir vil wünneclīcher līp.
Dō man den edelen herren hete nu begraben,
leit āne māȥe sah man die alle haben
die mit im komen wāren von Nibelunge lant.
280
vil selten vrœlīchen man dō Sigemunden vant.
Dō was der etelīcher der drīer tage lanc
vor dem grōȥem leide niht aȥ noch entranc.
doch mohten si dem lībe sō gar geswīchen niht:
284
si nerten sich nāch sorgen, sō noch genuogen geschiht.
VIII Wolfram von Eschenbach.
Wolfram von Eschenbach was a native of Bavaria. Of his life little is known, not even the exact dates of his birth and death. He flourished in the latter part of the twelfth and early part of the thirteenth century, and was by far the best and most extensive representative of the Court epic poetry. He is best known by his Parzival, which contains 24,812 lines divided up into sixteen books. The following extract is taken from Book III. For editions of his works, see Lachmann, Wolfram von Eschenbach, Berlin, 1833, fifth edition, Berlin, 1891; Bartsch, Wolfram’s von Eschenbach Parzival und Titurel, Leipzig, 1875.
Sich zōch diu frouwe jāmers balt
ūȥ ir lande in einen walt,
zer waste in Soltāne;
niht durch bluomen ūf die plāne,
5
ir herzen jāmer was sō ganz,
sinẹ kērte sich an keinen kranz,
er wære rōt oder val.
sie brāhte dar durch flühtesal
des werden Gahmuretes kint.
10
liute, die bī ir dā sint,
müeȥen būwen unde riuten.
sie kunde wol getriuten
ir sun. ē daȥ sich der versan,
ir volc sie gar für sich gewan:
15
eȥ wære man oder wīp,
den gebōt sie allen an den līp,
daȥ se iemer rīters wurden lūt.
‘wan friesche daȥ mīns herzen trūt,
welch rīters leben wære,
20
daȥ wurde mir vil swære.
nu habet iuch an der witze kraft,
und helt in alle rīterschaft.’
Der site fuor angestlīche vart.
der knappe alsus verborgen wart
25
zer waste in Soltāne erzogen,
an küneclīcher fuore betrogen;
eȥ ẹnmöhte an eime site sīn:
bogen unde bölzelīn
die sneit er mit sīn selbes hant,
30
und schōȥ vil vogele die er vant.
swenne ab er den vogel erschōȥ,
des schal von sange ē was sō grōȥ,
sō weinde er unde roufte sich,
an sīn hār kērt’ er gerich.
35
sīn līp was klār unde fier:
ūf dem plān am rivier
twuog er sich alle morgen.
er’n kunde niht gesorgen,
eȥ ẹnwære ob im der vogelsanc,
40
die suoȥe in sīn herze dranc:
daȥ erstracte im sīniu prüstelīn.
al weinde er lief zer künegīn.
sō sprach sie ‘wer hāt dir getān?
du wær’ hin ūȥ ūf den plān.’
45
er’n kunde es ir gesagen niht,
als kinden līhte noch geschiht.
dem mære gienc sie lange nāch.
eins tages sie in kapfen sach
ūf die boume nāch der vogele schal.
50
sie wart wol innen daȥ zeswal
von der stimme ir kindes brust.
des twang in art und sīn gelust.
frou Herzeloyde kērte ir haȥ
an die vogele, sine wesse um waȥ:
55
sie wolte ir schal verkrenken.
ir būliutẹ und ir enken
die hieȥ sie vaste gāhen,
vogele würgen unde vāhen.
die vogele wāren baȥ geriten:
60
etslīches sterben wart vermiten:
der bleip dā lebendic ein teil,
die sīt mit sange wurden geil.
Der knappe sprach zer künegīn
‘waȥ wīȥet man den vogelīn?’
65
er gerte in frides sā zestunt.
sīn muoter kuste in an den munt:
diu sprach ‘wes wende ich sīn gebot,
der doch ist der hœhste got?
suln vogele durch mich fröude lān?’
70
der knappe sprach zer muoter sān
‘owē muoter, waȥ ist got?’
‘sun, ich sage dir’ȥ āne spot.
er ist noch liehter denn’ der tag,
der antlitzes sich bewac
75
nāch menschen antlitze.
sun, merke eine witze,
und flēhe in umbe dīne nōt:
sīn triwe der werlde ie helfe bōt.
sō heiȥet einẹr der helle wirt:
80
der ịst swarz, untriuwe in niht verbirt.
von dem kēr’ dīne gedanke,
und och von zwīvels wanke.’
sīn muoter underschiet im gar
daȥ vinster unt daȥ lieht gevar.
85
dar nāch sīn snelheit verre spranc.
er lerntẹ den gabylōtes swanc,
dā mite er manegen hirz erschōȥ:
des sīn muoter und ir volc genōȥ.
eȥ wære æber oder snē,
90
dem wilde tet’ sīn schieȥen wē.
nu hœret fremdiu mære.
swenne er’rschōȥ daȥ swære,
des wære ein mūl geladen genuoc,
als unzerworht hin heim er’ȥ truoc.
95
Eins tages gieng er den weideganc
an einer halden, diu was lanc:
er brach durch blates stimme ‘en zwīc.
dā nāhen bī im gienc ein stīc:
dā hōrt’ er schal von huofslegen.
100
sīn gabylōt begund’er wegen:
dō sprach er ‘waȥ hān ich vernomen?
wan wolte et nu der tiuvel komen
mit grimme zorneclīche!
den bestüende ich sicherlīche.
105
mīn muoter freisen von im saget:
ich wæne ir ellen sī verzaget.’
alsus stuont er in strītes ger.
nu seht, dort kom geschūftet her
drī rīter nāch wunsche var,
110
von fuoȥe ūf gewāpent gar.
der knappe wānde sunder spot,
daȥ ieslīcher wære ein got.
dō stuont ouch er niht langer hie,
in’ȥ phat viel er ūf sīniu knie.
115
lūte rief der knappe sān
‘hilf, got: du maht wol helfe hān.’
der vorder zornes sich bewac,
dō der knappe im phade lac:
‘dirre tœrsche Wāleise
120
unsich wendet gāher reise.’
ein prīs den wir Beier tragen,
muoȥ ich von Wāleisen sagen:
die sint tœrscher denne beiersch her,
und doch bī manlīcher wer.
125
swer in den zwein landen wirt,
gefuoge ein wunder an im birt.
Dō kom geleischieret
und wol gezimieret
ein rīter, dem was harte gāch.
130
er reit in strīteclīchen nāch,
die verre wāren von im komen:
zwēn’ rīter heten im genomen
ein’ frouwen in sīm’ lande,
den helt eȥ dūhte schande:
135
in müetẹ der juncfrouwen leit,
diu jæmerlīche vor in reit.
dise drī wāren sīne man.
er reit ein schœne kastelān:
sīns schildes was vil wēnic ganz.
140
er hieȥ Karnahkarnanz
leh cons Ulterlec.
er sprach ‘wer irret uns den wec?’
sus fuor er zuome knappen sān.
den dūhte er als ein got getān:
145
er’n het’ ē sō liehtes niht erkant.
ūfẹm towe der wāpenroc erwant.
mit guldīn schellen kleine
vor ietwederem beine
wārn die stegreife erklenget
150
unt ze rehter māȥe erlenget.
sīn zeswer arm von schellen klanc,
swar er’n bōt oder swanc.
der was durch swertslege sō hel:
der helt was gein prīse snel.
155
sus fuor der fürste rīche,
gezimiert wünneclīche.
Aller manne schœne ein bluomen kranz,
den vrāgte Karnahkarnanz
‘junchērre, sāht ir für iuch varen
160
zwēn’ rīter die sich niht bewaren
kunnen an rīterlīcher zunft?
sie ringent mit der nōtnunft
und sint an werdekeit verzaget:
sie füerent roubes eine maget.’
165
der knappe wānde, swaȥ er sprach,
eȥ wære got, als ime verjach
frou Herzeloyd’ diu künegīn,
do s’im underschiet den liehten schīn.
dō rief er lūte sunder spot
170
‘nu hilf mir, helfe rīcher got.’
vil dicke viel an sīn gebet
fil li roy Gahmuret.
der fürste sprach ‘ich pin niht got,
ich leiste ab gerne sīn gebot.
175
du maht his vier rīter sehen,
ob du ze rehte kundest spehen.’
der knappe frāgte fürbaȥ
‘du nennest rīter: waȥ ist daȥ?
hāstu niht gotelīcher kraft,
180
sō sage mir, wer gīt rīterschaft.’
‘daȥ tuot der künec Artūs.
junchērre, komet ir in des hūs,
der bringet iuch an rīters namen,
daȥ ir’s iuch niemer durfet schamen.
185
ir muget wol sīn von rīters art.’
von den helden er geschouwet wart:
dō lac diu gotes kunst an ime.
von der āventiurẹ ich daȥ nime,
diu mich mit wārheit des beschiet:
190
nie mannes varwe baȥ geriet
vor ime sīt Adāmes zīt.
des wart sīn lop von wīben wīt.
Aber sprach der knappe sān
dā von ein lachen wart getān.
195
‘ay rīter got, waȥ mahtu sīn?
du hāst sus manec vingerlīn
an dīnen līp gebunden,
dort oben unt hie unden.’
aldā begreif des knappen hant
200
swaȥ er īsers ame fürsten vant:
des harnasch begunder schouwen.
‘mīner muoter juncfrouwen
ir vingerīn an snüeren tragent,
diu niht sus an ein ander ragent.’
205
der knappe sprach durch sīnen muot
‘war zuo ist ditze guot,
daȥ dich sō wol kan schicken?
i’ne mages niht abe gezwicken.’
der fürste im zeigete sā sīn swert:
210
‘nu sich, swer an mich strītes gert,
des selben wer ich mich mit slegen:
für die sīne muoȥ ich an mich legen,
und für den schuȥ und für den stich
muoȥ ich alsus wāpen mich.’
215
aber sprach der knappe snel
‘ob die hirze trüegen sus ir vel,
son’ verwunt’ ir niht mīn gabylōt.
der vellet manger vor mir tōt.’
Die rīter zurnden daȥ er hielt
220
bi dem knappen der vil tumpheit wielt.
der fürste sprach ‘got hüete dīn.
ōwī wan wær’ dīn schœne mīn!
dir hete got den wunsch gegeben,
ob du mit witzen soldest leben.
225
diu gotes kraft dir virre leit.’
die sīne und och er selbe reit,
unde gāheten balde
z’einem velde in dem walde.
dā vant der gefüege
230
frōn Herzeloyden phlüege.
ir volke leider nie geschach;
die er balde eren sach:
si bẹgunden sæn, dar nāch egen,
ir gart ob starken ohsen wegen.
235
der fürste in guoten morgen bōt,
und frāgte sẹ, op sie sæhen nōt
eine juncfrouwen līden,
sine kunden niht vermiden,
swes er vrāgt’, daȥ wart gesaget.
240
‘zwēne rīter und ein maget
dā riten hiute morgen.
diu frouwe fuor mit sorgen:
mit sporen sie vaste ruorten,
die die juncfrouwen fuorten.’
245
eȥ was Meljahkanz.
den ergāhte Karnachkarnanz,
mit strīte er ime die frouwen nam:
diu was dā vor fröuden lam.
sie hieȥ Īmāne
250
von der Bēāfontāne.
Die būliute verzageten,
dō die helde für sie jageten.
sie sprāchen ‘wie’st uns sus geschehen?
hāt unser junchērre ersehen
255
ūf disen rītern helme schart,
sonẹ hān wir uns niht wol bewart.
wir sulen der küneginne haȥ
von schulden hœren umbe daȥ,
wand’ er mit uns dā her lief
260
hiute morgen dō sie dannoch slief.’
der knappe enruochte ouch wer dō schōȥ
die hirze kleine unde grōȥ:
er huop sich gein der muoter wider,
und sagete ir mær’. dō viel sie nider:
265
sīner worte sie sō sēre erschrac,
daȥ sị unversunnen vor im lac.
dō diu küneginne
wider kom z’ir sinne,
swie sie dā vor wær’ verzaget,
270
dō sprach sie ‘sun, wer hāt gesaget
dir von rīters orden?
wā bist du’s innen worden?’
‘muoter, ich sach vier man
noch liehter danne got getān:
275
die sageten mir von rīterschaft.
Artūses küneclīchiu kraft
sol mich nāch rīters ēren
an schildes ambet kēren.’
sich huop ein niuwer jāmer hie.
280
diu frouwe enwesse rehte, wie
daȥ sie ir den list erdæhte
unde in von dem willen bræhte.
Der knappe tump unde wert
iesch von der muoter dicke ein pfert.
285
daȥ begunde sẹ in ir herzen klagen.
sie dāhte ‘i’n wil im niht versagen:
eȥ muoȥ aber vil bœse sīn.’
dō gedāhte mēr diu künegīn
‘der liute vil bī spotte sint.
290
tōren kleider sol mīn kint
ob sīme liehten lībe tragen.
wirt er geroufet unt geslagen,
sō kumet er mir her wider wol.’
ōwē der jæmerlīchen dol!
295
diu frouwe nam ein sactuoch:
sie sneit im hemede unde bruoch,
daȥ doch an eime stücke erschein,
unz enmitten an sīn blankeȥ bein.
daȥ wart für tōren kleit erkant.
300
ein gugel man obene drūfe vant.
al frisch rūch kelberīn
von einer hūt zwei ribbalīn
nāch sīnen beinen wart gesniten.
dā wart grōȥ jāmer niht vermiten.
305
diu künegīn was alsō bedāht,
sie bat belīben in die naht.
‘dunẹ solt niht hinnen kēren,
ich wil dich list ē lēren.
an ungebanten strāȥen
310
soltu tunkel fürte lāȥen:
die sīhte unde lūter sīn,
dā solte al balde rīten īn.
du solt dich site nieten,
der werelde grüeȥen bieten.
315
ob dich ein grā wīse man
zuht wil lērn als er wol kan,
dem soltu gerne volgen,
und wis im niht erbolgen.
sun, lā dir bevolhen sīn,
320
swa du guotes wībes vingerlīn
mügest erwerben unt ir gruoȥ,
daȥ nim: eȥ tuot dir kumbers buoȥ.
du solt z’ir kusse gāhen
und ir līp vast’ umbevāhen:
325
daȥ gīt gelücke und hōhen muot,
op sie kiusche ist unde guot.
du solt och wiȥȥen, sun mīn,
der stolze küene Lähelīn
dīnen fürsten abe ervaht zwei lant,
330
diu sollen dienen dīner hant,
Wāleis und Norgāls.
ein dīn fürste Turkentals
den tōt von sīner hende enphienc:
dīn volc er sluoc unde vienc.’
335
‘diz riche ich, muoter, ruocht es got:
in verwundet noch mīn gabylōt.’
Des morgens dō der tag erschein,
der knappe balde wart enein,
im was gein Artūse gāch.
340
frou Herzeloyde in kuste und lief im nāch.
der werelde riuwe aldā geschach.
dō sie ir sun niht langer sach
(der reit enwec: wem’st deste baȥ?),
dō viel diu frouwe valsches laȥ
345
ūf die erde, aldā sie jāmer sneit
dō daȥ se ein sterben niht vermeit.
ir vil getriulīcher tōt
der frouwen wert’ die hellenōt.
ōwol sie daȥ se ie muoter wart!
350
sus fuor die lōnes bernden vart
ein wurzel der güete
und ein stam der diemüete.
ōwē daȥ wir nu niht enhān
ir sippe unz an den eilften spān!
355
des wirt gevelschet manec līp.
doch solten nu getriuwiu wīp
heiles wünschen disem knaben,
der sich hie von ir hāt erhaben.
Notes
[The references refer to the paragraphs in the Grammar.]
All notes are directly linked to the text referenced.
I. Berthold von Regensburg
p. 79, l. 13. werdent sehende, will see.
p. 79, l. 19. daȥ si anders niht enpflæge, see §§ 102, 108.
p. 81, l. 34. von sō getāner freude, of joy of such a beautiful kind.
II. Lantrehtbuoch
p. 83, l. 26. mege, pres. subj. of mac, see § 93.
p. 85, l. 15. sempervrīen, from sentbærevrīen, the highest class of freemen.
p. 85, l. 17. miter = mitter(e), aj. nom. pl., middle, see § 9, 2.
III. Der Arme Heinrich
l. 6. im, is reflexive, see §§ 66, 104.
ll. 24-5. That this one (er) may pray to God for the salvation of Heinrich’s soul.
l. 31. ze Swāben = in the country of the Swabians, i.e. Swabia.
l. 38. ze handen haben, possess.
l. 50. versworn, pp. of verswern, § 86.
l. 101. des muge wir: des is dependent on ein wāreȥ bilde; for muge, see § 74, note.
l. 106. sehent = sehet, imperative.
l. 133-4. dō... alrēst, as soon as.
l. 164. eime = eineme, see § 9, 3.
l. 190. gnislich = genislich, cp. § 9, 7.
l. 239. für die selben frist, since then.
ll. 240-1. no longer any hopes of being healed.
l. 257. sich abe tuon, renounce, resign.
l. 351. getwelte, had dwelt, see § 106.
ll. 372-3. The construction is sō ze Salerne vil meister (gen.) von arzenīen ist, see § 102.
l. 376. kunde for kundet.
l. 486. es gen. is dependent on niht.
l. 547. sich ein dinc an nemen, to take a thing to heart.
l. 591. mohter = mohte er, see § 65, note 3.
l. 621. die wīle daȥ, so long as.
l. 640. wan = waȥ ne, why not.
l. 756. verswīge wir is the imperative, cp. also note to l. 101.
l. 846. dīme = dīneme, see § 9, 3.
IV. Walther von der Vogelweide
l. 144. kond pret. of kan.
ll. 174-5. They would imagine themselves ruined if they did not exercise a stern rule. On the omission of the negative see § 108.
l. 178. tiuschiu zunge, German language, i.e. Germany.
l. 182. bekērā, see ā in the Glossary.
l. 185. Philippe is dative; en = den.
l. 187. man... wībe are the gen. plural.
l. 214. guoter is gen. plural.
l. 232. bluomen... wunder, a great multitude of flowers.
l. 250. daȥ sie schiere got gehœne! may God curse them soon.
l. 255. Der uns freude wider bræhte, if anyone would bring us joy again.
l. 285. bien = bī den.
l. 292. weder ir, which of the two.
l. 308. hōhste (weak form) name, the most beautiful or precious name.
l. 429. du lā dir niht ze wē sīn nāch dem guote, do not worry yourself too much about wealth.
ll. 475-6. Very many call thee father, who will not recognize me as their brother.
ll. 498-9. See Extracts from Reinmar, ll. 184-192.
V. Reinmar
l. 33. Liutpolt: Duke Leopold VI of Austria.
l. 75. bekan = bekam.
VII. Das Nibelungen-Lied
l. 28. sīme = sīneme, see § 9, 3; widerseit = widersaget, § 37.
l. 32. nāch unkrefte, after she had regained her consciousness.
l. 37. bat sich wīsen, asked them to lead her to.
l. 43. ermorderōt, older form of pp. of ermordern, see § 88, note.
l. 88. āne tuon, with gen. and acc., bereave, rob.
l. 92. weinende sīn = weinen, see § 106.
l. 213. huop sich von dan, betook themselves away.
VIII. Parzival
l. 17. that they should never mention the word ‘knight’. On the omission of the negative see § 108.
l. 42. weinde = weinende, see § 29.
ll. 83-4. The mother explained to him fully the difference between darkness and light, i.e. between the Devil and God.
l. 141. leh cons = le (li) cons, the Count.
ll. 157-8. K. asked him, who was the perfection of human beauty.
l. 172. fil li roy, son of the king.
l. 243. Supply ros as object.